Kurzbiographien

 

Neal Ascherson, geboren 1932 in Schottland, Journalist. Er studierte Geschichte in Cambridge bei Eric Hobsbawm und arbeitete für Manchester Guardian, The Scotsman, The Observer, Independent on Sunday und London Review of Books. Sein Hauptaugenmerk galt stets Osteuropa, insbesondere Polen und der Sowjetunion. 1995 erschien seine umfangreiche Studie Schwarzes Meer (deutsch 1996), das bis heute beste und lesbarste Buch zum Thema. Wir danken dem Autor für die Genehmigung zum Wiederabdruck seiner Reportage, die am 4. Dezember 2008 in Vol. 30 No 23 der London Review of Books erschien (www.lrb.co.uk). Die deutsche Übersetzung erschien in Le Monde diplomatique, Nr. 8786 vom 16. 1. 2009.

 

Attila Bartis, geboren 1968 in Marosvásárhely/Târgu-Mures in Siebenbürgen als Angehöriger der ungarischen Minderheit in Rumänien. Nach jahrelangen Repressionen unter der Diktatur Ceausescus konnte die Familie 1984 nach Budapest übersiedeln. Der ausgebildete Fotograf, der bisher vier Bücher publiziert hat, gilt als einer der herausragenden Autoren seiner Generation. Auf deutsch erschienen Der Spaziergang (1999), der Roman Die Ruhe (2005) und Die Apokryphen des Lazarus. Zwölf Feuilletons (2007). Das Jahr 2007/08 verbrachte Attila Bartis als Gast des DAAD-Künstlerprogramms in Berlin. Er lebt in Budapest.

 

Mircea Cartarescu, geboren 1956 in Bukarest, der bedeutendste zeitgenössische Autor seines Landes, lehrt rumänische Literaturgeschichte an der Universität Bukarest. Er debütierte 1978 als Lyriker und veröffentlichte 1989 einen ersten Erzählband. 2007 beendete er seine 1500 Seiten umfassende Romantrilogie Orbitor(»Blendwerk«). Sein umfangreiches Werk wurde in viele Sprachen übersetzt. Auf deutsch erschienen Nostalgia (1997; 2009), Selbstportrait in einer Streichholzflamme (2001), Die Wissenden (2007 als Band I der Orbitor-Trilogie) sowie der Erzählband Warum wir die Frauen lieben (2008). Cartarescu lebt in Bukarest.

 

Nicoleta Esinencu, geboren 1978 in Chisinau/damals Sowjetunion, wo sie Theaterwissenschaft und Szenographie studierte. Sie debütierte 2001 mit dem Theaterstück Das siebte Kaffeehaus (mit Mihai Fusu und Dumitru Crudu). 2002 bis 2005 Dramaturgin am Theater Eugène Ionesco in Chisinau. Die Veröffentlichung ihres Theaterstücks FUCK YOU, Eu.ro.Pa! im Reader des Rumänischen Pavillons der 51. Biennale in Venedig (2005) löste in Rumänien und Moldau eine politische Debatte aus. Ihre Stücke wurden in Rumänien, der Republik Moldau, Schweden, Deutschland, Rußland, Japan, Frankreich und Österreich aufgeführt. Sie erhielt zahlreiche Stipendien und lebt überwiegend im Ausland: 2003 in der Akademie Solitude, Stuttgart; 2006 in Paris, 2007 in Bourges, 2009 im Künstlerhaus Edenkoben.

 

Karl-Markus Gauß, geboren 1954 in Salzburg, Schriftsteller, Kritiker und Herausgeber der Zeitschrift Literatur und Kritik. Seine Bücher wurden in siebzehn Sprachen übersetzt und mit etlichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Preis von Vilenica für Mitteleuropäische Literatur 2005. Zuletzt erschienen Die sterbenden Europäer (2002), Die Hundeesser von Svinia (2004), Die versprengten Deutschen (2005), Die fröhlichen Untergeher von Roana (2008). Außerdem Tagebücher und Journale. Er lebt in Salzburg.

 

Andrzej Kramarz, geboren 1964 in Krakau, studierte am Institut für kreative Fotografie in Opava/Tschechien und arbeitet seit Anfang der neunziger Jahre als Dokumentarfotograf für die wichtigsten polnischen Zeitschriften. Er lehrt an der Fotoakademie in Krakau und ist auch als Kurator tätig. Letzte Ausstellungen: Home (mit Weronika Lodzinska). Thessaloniki Photo Biennale, 2008; Things. ZPAFiSka Galerie Krakau, 2008; 1,62m² home (mit Weronika Lodzinska). Stary Browar Poznan, 2008. Er lebt in Krakau und in Hilo/Hawaii.

 

Katja Lange-Müller, geboren 1951 in Berlin/DDR. Schriftsetzerlehre, Bildredakteurin, pflegerische Hilfskraft auf psychiatrischen Frauenstationen. Studium am »Institut für Literatur Johannes R. Becher« in Leipzig. Studienaufenthalt in der Mongolischen Volksrepublik und Arbeit in der »Teppichfabrik Willhelm Pieck« in Ulan-Bator. 1984 Übersiedlung nach Westberlin. Veröffentlichungen: Wehleid – wie im Leben (1986), Kasper Mauser – Die Feigheit vorm Freund (1988), Verfrühte Tierliebe (1995), Die Letzten. Aufzeichnungen aus Udo Posbichs Druckerei (2001), Die Enten, die Frauen und die Wahrheit (2003) und Böse Schafe (2007). Preise und Auszeichnungen u.a.: 1986 Ingeborg-Bachmann-Preis, 1995 Alfred-Döblin-Preis, 2001 Preis der SWR-Bestenliste, 2008 Wilhelm-Raabe-Literaturpreis.

 

 

Sybille Lewitscharoff, geboren 1954 in Stuttgart, studierte Religionswissenschaft in Berlin und verbrachte längere Zeit in Buenos Aires und Paris. Sie arbeitete als Buchhalterin in einer Werbeagentur und schrieb Hörspiele und Radio-Features. Für Pong, ihren ersten Roman, erhielt sie 1998 den Ingeborg-Bachmann-Preis. Es folgten das Kinderbuch Der höfliche Harald (1999), die Romane Montgomery (2003), Consummatus (2006) und Apostoloff, für den sie mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2009 ausgezeichnet wurde. Sie lebt in Berlin.

 

Aka Morchiladze, geboren 1966 in Tiflis, gehört zu den bekanntesten georgischen Schriftstellern der Gegenwart. Für seine Romane erhielt er die wichtigsten Literaturpreise seines Landes, eines seiner Bücher wurde verfilmt. Er studierte Geschichte an der staatlichen Universität von Tiflis und war nach seinem Abschluß an der Universität tätig. In den neunziger Jahren begann er als Reporter für eine Tageszeitung zu schreiben und arbeitet heute als freier Sportjournalist. Außerdem ist er Autor einer eigenen Fernsehsendung zur Geschichte Georgiens und verfaßt Drehbücher für Soaps und Filme. Auf deutsch erschien Santa Esperanza (2006).

 

Emine Sevgi Özdamar, geboren in der Türkei, Schauspielschule in Istanbul, Regiearbeit an der Ostberliner Volksbühne, Schauspielerin am Bochumer Schauspielhaus. Zahlreiche Filmrollen. Veröffentlichungen: Mutterzunge(1990), Das Leben ist eine Karawanserei (1992), Die Brücke vom Goldenen Horn (1998), Der Hof im Spiegel (2001) und Seltsame Sterne starren zur Erde (2003). Für ihre literarischen Arbeiten erhielt sie u.a. den Ingeborg-Bachmann-Preis (1991), den Adelbert-von-Chamisso-Preis (1999), den Kleist-Preis (2004) und den Kunstpreis Berlin (2009).

 

Katja Petrowskaja, geboren 1970 in Kiew, studierte in Tartu (Estland) Literaturwissenschaft und Slawistik und promovierte in Moskau. Seit 1999 lebt sie in Berlin und arbeitet als freie Journalistin u.a. für die Süddeutsche Zeitung, die Neue Zürcher Zeitung, die Deutsche Welle und für verschiedene russische und ukrainische Zeitschriften. Als Reaktion auf die Orange Revolution gründete sie Ende 2004 die »Kiewer Gespräche«, ein deutschukrainisches Forum, das im jährlichen Wechsel in Berlin und Kiew stattfindet. Katja Petrowskaja lebt in Berlin. Für die Anregung zu ihrer Reportage dankt sie der Fotografin Anita Back.

 

Andrzej Stasiuk, geboren 1960, in Warschau aufgewachsen, lebt seit 1986 in den Beskiden. Er veröffentlichte Lyrik, Erzählungen, Romane und leitet zusammen mit seiner Frau Monika Sznajderman den Verlag Carne in Wolowiec. Zuletzt erschienen auf deutsch Fado. Reiseskizzen und Dojczland (beide 2008). Für sein Buch Unterwegs nach Babadag (2005) erhielt er den NIKE-Preis. 2008 wurde er mit dem Preis von Vilenica für Mitteleuropäische Literatur ausgezeichnet.

 

Takis Theodoropoulos, geboren 1954 in Athen, ist Cheflektor des Athener Verlags Océanida, schreibt Kolumnen für die Tageszeitung Ta Néa und übersetzt aus dem Altgriechischen. Seit 1985 hat er zahlreiche Romane und Essays veröffentlicht, in denen er sich mit dem Einfluß der antiken Literatur auf die moderne Zivilisation beschäftigt. 1999 wurde er mit dem Preis der Athener Akademie der Künste und 2004 mit dem Prix de l’Académie de France ausgezeichnet. Er lebt in Athen.

 

Serhij Zhadan, geboren 1974 in Starobilsk/Ostukraine, der populärste junge Dichter der Ukraine, auch Veranstalter von Musik-, Literatur- und Politfestivals. Er studierte Germanistik und Ukrainistik und promovierte über den ukrainischen Futurismus. Er hat bisher neun Lyrikbände veröffentlicht und schreibt seit einigen Jahren auch Prosa. Auf deutsch erschienen: Geschichte der Kultur zu Anfang des Jahrtausends. Gedichte (2006), Depeche Mode und Anarchy in the UKR (beide 2007) sowie Hymne der demokratischen Jugend (2009).

 

 
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