Detlef Kuhlbrodt

Detlef Kuhlbrodt
© Noel Tovia Matoff
Rainald Goetz über Detlef Kuhlbrodt
»Wir sind Verlorene. Aber von Schwänen, Igeln und Fremden in der U-Bahn, von Vögeln und der Merkbarkeit einzelner Gedanken doch noch ganz gut auf Erden, zwischen den Bäumen und im Leben miteinander gehalten. Es wäre die Qualität eines Autors, dass er eine bestimmte Empfindungsrealität, zu der er durch eigenes Naturell besonderen Zugang hat, durch sein Schreiben so nachvollziehbar erschließt, dass man lesend diese Lebensweise erkennt, versteht, in ihr so aufgeht und zugleich Distanz ihr gegenüber gewinnen kann. So wird man schwermütig gestimmt und frei. Denn jeder ist viele, und auch man selber wird wieder einer sein, ganz anders, wenn auch jetzt gerade nicht.
Im taz-Café hatte es nur kleine Flaschen Flensburger und größere mit Ökobier gegeben. Der Kellner verkündete die letzte Runde und stellte dann auf angenehm leise Art die Stühle zusammen. Spät war ich zu den späten Gästen von Detlefs Lesung dazugestoßen, und nach nur wenigen kurzen Momenten war das Seltsame, hier plötzlich so zusammenzusitzen, zu trinken und zu plaudern, ganz normal geworden, weil befindlich in der angeknacksten, aber von sozusagen detlefmäßiger Gebrochenheitssympathie aufgehaltenen Welt.« Rainald Goetz, Klage, Eintrag vom 8. November 2007