Melinda Nadj Abonji
Schildkrötensoldat - Roman

Leseprobe » Bestellen »


D: 20,00 €
A: 20,60 €
CH: 28,90 sFr

NEU
Erschienen: 09.10.2017
Gebunden, 173 Seiten
ISBN: 978-3-518-42759-0
Auch als eBook erhältlich

Inhalt

Zoltán Kertész, blauäugiger Sohn eines »Halbzigeuners« und einer Tagelöhnerin mit ständig wechselnden Liebhabern, ist der Außenseiter in einem kleinen Ort in Serbien. Als Kind ist er dem Vater in voller Fahrt vom Motorrad gefallen, und der Bäcker, dem er die Mehlsäcke nicht schnell genug durch die Backstube schleppte, hat ihm den Kopf blutig geschlagen. Seither hat er das »Schläfenflattern«, sitzt am liebsten in seiner Scheune und löst Kreuzworträtsel. Als 1991 der jugoslawische Bürgerkrieg ausbricht, sehen das die Eltern als Chance für den Sohn: In der Volksarmee soll der »Taugenichts«, der »Idiot« zuerst zum Mann und dann zum Helden werden. Aber Zoltán passt auch dort nicht ins System, stellt die falschen Fragen und die auch noch stotternd. Als sein einziger Freund bei einem Trainingsmarsch in der Folge sinnloser Schleiferei tot zusammenbricht, verweigert sich Zoltán endgültig einer Ordnung, die alle Macht dem Stärkeren zugesteht.

Vom sanften Widerstand der Phantasie gegen die Beschränkungen eines Systems, das nur Befehl, Gehorsam und Unterwerfung kennt, erzählt Melinda Nadj Abonji in ihrem Roman Schildkrötensoldat – in einer schwingenden, musikalischen Sprache und in eindringlichen, die Kraft des vogelwilden Denkens beschwörenden Bildern.

Aus dem Buch

»Im Militär hätte was aus mir werden können, ein Mann oder ein Held oder beides, ich bin weder das eine noch das andere geworden, sondern ein Stumpfer, ein Gehorcher, ein Stiefelidiot ist aus mir geworden, ein -L-U-M-P- ein -T-A-U-G-E-N-I-C-H-T-S.«

Pressestimmen

»Nicht nur seine schöne Sprache zeichnet das Buch aus, auch die humorvolle Leichtigkeit, mit der es Schicksalhaftes, Zufälliges und Alltägliches miteinander verbindet: ein Requiem für ein verschwundenes Land, für seine Gerüche, sein Licht, seine Menschen.«

Nicole Henneberg, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Im Gestus der radikalen Selbstauslöschung erweist sich Nadj Abonjis Schildkrötensoldat als eine fulminante Verteidigung der Literatur.«

Philipp Theisohn, Neue Zürcher Zeitung

»Das ist nicht die Sprache von jemandem, der eine Anpassungsleistung vollbringt. Das ist die Wortgewalt von jemandem, der sich Sprache bemächtigt.«

Verena Mayer, Der Tagesspiegel

»Ein schmales Buch, aber eines, das bleibt, weil es die wuchernden Luftschlösser, die aus dem Kopf des gutherzigen Zoltán Kertész aufsteigen, mit Sprache auflädt.«

Katja Engler, Hamburger Abendblatt

»Ein Buch zum Verschenken, wenn sich einem beim Lesen das Herz zusammenkrampft vor Mitgefühl? Doch wird einem das Herz sogar weit, weil im Text so viel Liebe ist.«

Irmtraud Gutschke, neues deutschland

»Ein wortgewaltiger Roman, der mit eindringlicher Sprache und ungewöhnlichen poetischen Bildern Kriegslogik hinterfragt und Kriegswunden offen legt.«

Hessischer Rundfunk

» ... die heimliche Hauptrolle in Schildkrötensoldat spielt die poetische fantasiereiche Sprache.«

Melanie Weidemüller, Deutschlandfunk

»[Abonjis] Text [kriecht] bei der Lektüre ganz sachte unter die Haut.«

Beat Mazenauer, viceversaliteratur.ch

»Abonji trifft in ihrem dritten Roman einen ganz besonderen Ton ... «

Jana Besorger, Zürcher Studierendenzeitung

»Ein wunderschönes Buch von kleinen stillen Freuden und großem, leisem und lautem Leid.«

Konrad Holzer, Buchkultur Dezember 2017

Veranstaltungen

Videobeiträge

Nachrichten

Kommentare

Ich habe Auszüge aus dem Roman »Schildkrötensoldat« von der Autorin gelesen gehört und war tief beeindruckt von dem Hauptdarsteller. Er wurde sehr sensibel gezeichnet und man muss sich fragen, ob er der Depp ist, oder die Anderen, die ihn zum Idioten gemacht haben. Das Buch ist ein Appell an die Menschlichkeit. Danke.
Meta Àbel, 02.09.2017

Kommentieren