Kaushik Sunder Rajan
Biokapitalismus - Werte im postgenomischen Zeitalter

Aus dem Englischen von Ilse Utz
Biokapitalismus
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D: 24,80 €
A: 25,50 €
CH: 42,50 sFr

Erschienen: 18.05.2009
Gebunden, 303 Seiten
ISBN: 978-3-518-42049-2

Inhalt

Als die Frankfurter Allgemeine Zeitung im Juni 2000 sechs Seiten mit den Buchstaben A, C, G und T füllte, war klar: Bei der Entschlüsselung des Humangenoms handelt es sich um eine wissenschaftliche Sensation. Daß sich das öffentliche Humangenomprojekt und Craig Venters Firma Celera Genomics zuvor ein Wettrennen geliefert hatten, zeigt ihr ökonomische Potential: Informationen über den Bauplan des menschlichen Lebens verwandeln sich in Waren – in Biokapital. Damit beginnt, so die These Sunder Rajans, eine neue Phase des Kapitalismus.

Über mehrere Jahre hinweg begleitete der Ethnologe die Protagonisten dieser Revolution in ihre Labore und zu Kongressen in Indien und den USA. Ausgehend von diesen Reportagen, formuliert er ethische Fragen, die er anhand der Ansätze von Ulrich Beck, Michel Foucault, Karl Marx und Slavoj Žižek erörtert: Mit welchen rhetorischen Strategien trennen vife Wissenschaftler Investoren von ihrem Geld? Und: Wie verändert sich unser Menschenbild, wenn DNA-Chips zur Erbgutanalyse uns alle zu Patienten im Wartestand machen?

 

Pressestimmen

»Bücher, denen es gelingt, das ganz Abstrakte mit dem ganz Konktreten zu verbinden, haben einen besonderen Charme. Wie lassen sich theoretische Großdiagnosen zu Kapitalismus, Biopolitik, In- und Exklusion, »Biosozialität«, »Genfetischismus« schärfer fassen - angesichts neuer weltweiter Verflechtungen von »postgenomischer« biologischer Forschung, Gentech- und Pharmaindustrie sowie nationalstaatlicher Gesundheitspolitik? ... Die lesenswerte Studie des als Biologe ausgebildeten Anthropologen Sunder Rajan verfolgt beide Fragerichtungen. Rajan will Marx' Kapitalismuskritik sowie Foucaults Analysen der Biopolitik auf die Besonderheiten der international tätigen Biotech- und Pharmabranche anwenden.«

Petra Gehring, Frankfurter Allgemeine Zeitung 10.08.09

»Als Francis Fukuyama das »Ende der Geschichte« verkündete, bedachte er nicht, wie nötig der Kapitalismus Wetten auf die Zukunft hat. An der Börse sind sie Tagesgeschäft. Die Gentech-Konzerne benötigen sie ebenfalls, denn was die Geschichte den Einzelnen noch bringen kann, sind Krankheiten, die in den Genen lauern, um irgendwann tückisch hervorzubrechen. Kaushik Sunder Rajan spricht in seinem Buch »Biokapitalismus« sogar von einer »politischen Ökonomie des Hypes«. ... In Rajans Analyse wird Foucaults mittlerweile inflationär gebrauchter Begriff der »Biopolitik« konkret und produktiv angewandt. »Lokale Ökonomien der Verschuldung« werden ausgenutzt; indisches und amerikanisches Kapital kooperieren gegen die indische Bevölkerung, die wiederum ihr Leben einsetzen muss, weil sie keine Alternative hat. Sie ist Arbeitskraft, Versuchsobjekt, oder hat besonderes Glück und gilt als »genetisch homogene« Gruppe. ...  Rajan hat einen wichtigen Beitrag zu den Diskussionen um die »Lebenswissenschaften« geschrieben.«

Mario Scalla, Frankfurter Rundschau

»Mehrere Jahre hat der 1974 im indischen Madras geborene Autor als Anthropologe in internationalen Zentren der Biotechnologie recherchiert, unter anderem im US-amerikanischen Silicon Valley und im indischen Genome Valley. Er besuchte vor allem Unternehmen, die ihre Forschungen in den Dienst der Pharmazie stellen. Kaushik Sunder Rajans Erkenntnisse beunruhigen. ... Dem Autor gelingt es ..., die Auswirkungen des Biokapitalismus auf soziale Machtstrukturen und die subjektiven Vorstellungen vom eigenen Wert eines Individuums zu verdeutlichen. Er skizziert eine im Entstehen begriffene Welt, in der, so Rajan, nicht mehr das Verhältnis von Arbeit und Kapital im Mittelpunkt stehe, sondern das von Unternehmen und Patienten.«

Gerhard Klas, SWR

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