Aleš Šteger
Buch der Dinge - Gedichte

Aus dem Slowenischen von Urska P. Cerne und Matthias Göritz. Mit einem Nachwort von Matthias Göritz
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Erschienen: 18.09.2006
Gebunden, 91 Seiten
ISBN: 978-3-518-41819-2

Inhalt

»Nicht für jedes Ding gibt es ein Wort«, vermeldet das Große Wörterbuch der slowenischen Sprache. Aleš Šteger, als Reisender in vielen Sprachen und Ländern zu Hause, Autor mehrerer Gedichtbände und einer Reiseprosa über Peru und César Vallejo, stellt diese Einsicht seinem neuen Lyrikband als Motto voran. Doch es fehlt nicht nur an Worten. Wie seine streng gebauten, leichtfüßigen Texte, 50 Gedichte, zeigen, haben wir schon das Selbstverständliche nie richtig kennengelernt: Büroklammer, Seife, Zahnstocher (»dieser kleine Robespierre im Maul des Polyphem «), Regenschirm, Hut und Fußmatte. In Štegers Gedichten werden sie aufgerufen und treten uns, dem Allgemeinbegriff entschlüpft, entgegen; sie stellen Fragen, die zu groß sind für so kleine Dinge. Unklare, sich verwandelnde Seinsformen wie Ei, Wurst und Schokolade machen stutzig. Das Brot offenbart seinen sadomasochistischen Charakter: »Ja, ja, es liebt dich, deshalb nimmt es jetzt dein Messer in sich auf. / Es weiß, daß sich all seine Wunden in deiner Hand verkrümeln. « - Nicht zur Benennung der Dinge fehlen uns die Worte, sondern für die Antworten, die wir ihnen schuldig sind.

Ei
Als du's am Pfannenrand erschlägst, bemerkst du nicht,
Dass dem Ei im Tod ein Auge wächst.

So winzig ist es, dass es keinen noch so
Leichten Morgenappetit befriedigt.

Schon starrt's, schon stiert's in deine Welt.
Wie sehen seine Horizonte aus, wer linst aus welcher Perspektive?

Sieht es die Zeit, die teilnahmslos umherzieht?
Schlitz, Schlitz, zerplatzte Schalen, Chaos oder Ordnung?

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Inhalt

»Nicht für jedes Ding gibt es ein Wort«, vermeldet das Große Wörterbuch der slowenischen Sprache. Aleš Šteger, als Reisender in vielen Sprachen und Ländern zu Hause, Autor mehrerer Gedichtbände und einer Reiseprosa über Peru und César Vallejo, stellt diese Einsicht seinem neuen Lyrikband als Motto voran. Doch es fehlt nicht nur an Worten. Wie seine streng gebauten, leichtfüßigen Texte, 50 Gedichte, zeigen, haben wir schon das Selbstverständliche nie richtig kennengelernt: Büroklammer, Seife, Zahnstocher (»dieser kleine Robespierre im Maul des Polyphem «), Regenschirm, Hut und Fußmatte. In Štegers Gedichten werden sie aufgerufen und treten uns, dem Allgemeinbegriff entschlüpft, entgegen; sie stellen Fragen, die zu groß sind für so kleine Dinge. Unklare, sich verwandelnde Seinsformen wie Ei, Wurst und Schokolade machen stutzig. Das Brot offenbart seinen sadomasochistischen Charakter: »Ja, ja, es liebt dich, deshalb nimmt es jetzt dein Messer in sich auf. / Es weiß, daß sich all seine Wunden in deiner Hand verkrümeln. « – Nicht zur Benennung der Dinge fehlen uns die Worte, sondern für die Antworten, die wir ihnen schuldig sind.

Ei
Als du’s am Pfannenrand erschlägst, bemerkst du nicht,
Dass dem Ei im Tod ein Auge wächst.

So winzig ist es, dass es keinen noch so
Leichten Morgenappetit befriedigt.

Schon starrt’s, schon stiert’s in deine Welt.
Wie sehen seine Horizonte aus, wer linst aus welcher Perspektive?

Sieht es die Zeit, die teilnahmslos umherzieht?
Schlitz, Schlitz, zerplatzte Schalen, Chaos oder Ordnung?

Große Fragen für ein kleines Ei
Zu solcher frühen Stunde. Und du – wünschst du dir wirklich eine Antwort?

Setzt ihr euch, Aug in Auge, an den Tisch
Löschst du sein Augenlicht rechtzeitig mit der Kruste deines Brots.

Im Original erschienen unter dem Titel Knjiga reci (Študentska založba Edition Beletrina, Ljubljana).

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