Inhalt
"Ich war fliegender Händler und Journalist, Dienstmann und Bankkassierer, Drucker, Schauspieler und Bäcker, alles was Sie wollen... Noch ein letztes melancholisches Geständnis: Ich habe keine Zeit gehabt, mich in Literatur zu üben. Aber ich habe ihr inbrünstig so viele Stunden wie nur irgend möglich gewidmet."
Confabularium ist so etwas wie die selbstgeschriebene Taschenbibliothek eines skeptisch-ironischen Fabulierers, von dem die Kritik behauptet, er habe die Literatur sozusagen noch einmal erfunden. Einige Erzählungen erinnern die Kritiker an Borges (
In memoriam), andere an Kafka (
Der Weichensteller), wieder andere an Dante, Shakespeare, Swift, Cervantes, Sartre. Hieraus erklärt sich wohl die Unsicherheit der Kritik, dieses facettenreiche Werk einzuordnen: Skizzen, Reklameslogans, Parabeln, Briefe, Dialoge in wirrer Folge, Realismus neben Phantastik, neben Science-Fiction; jeder Text ist eine neue Überraschung. Juan José Arreola ist jedenfalls ein Schriftsteller, dem spürbar die Literatur mit ihren Reichtümern ebensoviel bedeutet wie die gegenwärtige, auf ihn eindringende Welt, nicht mehr und auch nicht weniger.
Es sind knappe, ironische Satiren, anspielungsreiche Anekdoten und assoziationsschwere Parabeln, die das Abgründige, Labyrinthische der menschlichen Existenz an jeweils einem außergewöhnlichen Kasus demonstrieren.
Ute Stempel, Die Zeit