»Jürg Laederach erfreut uns seit Jahrzehnten als so gelehrter wie furioser Sprach-Experimentator. Nun überrascht uns der 1945 geborene Basler Autor, Übersetzer und Musiker – er hat unter anderem Musikwissenschaft studiert und ist ein ausgezeichneter Klarinettist - mit einem federleichten und frechen, farbigen neuen Buch. Michel Mettler, sein 21 Jahre jüngerer Aargauer Kollege, hat es ihm abverlangt. Seit 2002 stehen die beiden Autoren in regem, ja manischem E-Mail-Wechsel. Mettler kommt das Verdienst zu, dass er das uferlose Material aufbewahrt, klug redigiert, mit einem gescheiten Nachwort versehen und unter dem Titel ›Depeschen nach Mailland‹ als Buch herausgegeben hat. Dass er seine eigene Stimme dabei ganz ausblendet, müssen wir mit Bedauern hinnehmen. Doch auf jeder Seite merken wir, wie der Enthusiasmus und die Aufmerksamkeit des Jüngeren den Älteren beflügeln, und lauschen so am Ende doch einem Zwiegespräch. Die Briefpartner verbindet ihre Liebe zum Jazz, ja zur Musik überhaupt, ihr Sammeleifer, ihre Musikalität und Kennerschaft. Jürg Laederach brennt für seinen Lieblingsjünger laufend Raritäten auf CD und versieht sie mit launigen Kommentaren. Aber es kommt auch anderes zur Sprache: Die Tagespolitik. Die Hauskatze. Beizen im Welschland und anderswo. Verlässliche Hinweise darauf, wo in der Schweiz man die besten Felchen isst. Reiseberichte. Lektüren. Computer-Abenteuer der skurrilen Art. Lakonische Berichte über Katastrophen im Haushalt und über die Aporien des Sammelns. Wie souverän und humorvoll Laederach die Unannehmlichkeiten seiner durch lange Krankheit eingeschränkten physischen Existenz schildert, wie offen er dabei bleibt, wie wach und polemisch auch - das verdient allen Respekt. Nie hat man den Autor, der 1974 mit ›Einfall der Dämmerung‹ debütierte und seither gut 20 eigene Bücher sowie ebenso viele Übersetzungen vorgelegt hat, agiler, jünger, spontaner erlebt. Die E-Mail erweist sich als ideales Medium für sein Feuerwerk an spontanen Ideen und Sprachbildern.«
Manfred Papst, Neue Zürcher Zeitung
»Der Laederachsche Artikulations-Komplex, man muss Michel Mettler heftig zustimmen, hat eine ungeheure Sogkraft, die noch Staubzuchten unter dem Kleiderschrank ein Familienleben andichtet.«
Katharina Teutsch, Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Das jüngste Buch von Jürg Laederach gehört zur eher seltenen Spezies jener literarischen Werke, die sich irgendwann ergeben haben. Sie sind gleichsam hinter dem Rücken des Autors entstanden, waren nie als das gedacht, was sie nun sind − und bleiben fortan unerlässlich. ... Mit seinen vielen Miniaturen und Skizzen und Befindlichkeitsrapporten erinnert er auf höchst vergnügliche Weise an eine Qualität der Literatur, die gelegentlich vergessen wird. Daran nämlich, dass interessante Texte selten nur ihres ›Themas‹ wegen interessant sind. Genauso entscheidend ist die Schreibweise, der sprachliche Hitze- und Härtegrad, und wirklich interessant werden viele Themen erst durch die Art und Weise, wie sie zur Sprache kommen − oder die Sprache zu ihnen. Das wird hier auf hinreissende Weise vorgeführt.«
Martin Zingg, Neue Zürcher Zeitung
»Die Versuche mehren sich, E-Mails zu einer substanziellen Literaturgattung zu nobilieren. [...] Was bisher dabei herauskam, war allerdings nur die Beschleunigung der Schrift unter Abschaffung der stilistischen Selbstkorrektur. Wenn es aber einen Autor der literarischen Spontanintervention gibt, der über die Unfertigkeit von Mail-Exaltationen hinaus gelangt, dann der Basler Sprachabenteurer Jürg Laederach.«
Michael Braun, Der Tagesspiegel
»Laederach ist ein Meister lakonischer Beobachtung, lässt aber auch gerne seine Assoziationen lustvoll wuchern.«
Helmut Dworschak, Der Landbote