Durs Grünbein
Der cartesische Taucher - Drei Meditationen

Der cartesische Taucher
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Erschienen: 21.04.2008
eu 7, Broschur, 143 Seiten
ISBN: 978-3-518-26007-4

Inhalt Inhaltsverzeichnis

Hinter einem großangelegten Werk mit dem noch viel größeren Titel »Le Monde« verbirgt sich das ehrgeizigste Projekt des Philosophen René Descartes: In diesem Werk sollten sämtliche getrennten Wissensfäden zusammenlaufen und ein Gewebe ergeben, so dicht gewirkt, daß damit alles unter der Sonne erklärt wäre. Was den Dichter Durs Grünbein zu diesem cartesischen Universum hinzieht, ist gerade nicht der Triumph nüchterner Rationalität. Das Traumhafte jenes Traumprojekts fesselt ihn, das Phantastische hinter den abstrakten Begriffen, der spekulative Höhenflug, den Descartes sich über seinen naturwissenschaftlichen Hypothesen erlaubt, die Spur des Experimentators durchs Dickicht der allerheiligsten Mysterien – kurzum: das Bildermachen, Fabulieren mit und jenseits aller Methode.

Wieviel Mensch steckt in Descartes' reinem Erkenntnis-Ich? Wieviel Anschauung verschwindet in strenger Vivisektion? Ist der Geist nicht dennoch das bewegende Grundprinzip, die causa prima des Universums? Wenn Dante der Descartes der Metapher war, war dann nicht Descartes – der Dante der neuzeitlichen Wissenschaft? Mit seinem Vers-Roman über Descartes (Vom Schnee, 2003) hatte Durs Grünbein eine bezaubernde poetische Version des Themas gegeben. Nun fügt sich ein erzählerisch angelegter Essay in drei Meditationen zur Verteidigungsschrift für einen der meistgehaßten Philosophen. Dabei findet sich am Gegenpol des heliozentrischen Weltbildes zugleich der Ursprung des modernen poetischen Ichs.

Pressestimmen

»Der Dichter und Essayist Durs Grünbein (hat) ... drei »lockere Meditationen« zu Descartes zu Papier gebracht. Auf mitunter überraschende Weise bricht er dem Gedanken Bahn, ausgerechnet mit diesem Renatus Cartesius, dem unter Naturfreunden schlecht beleumundeten Philosophen des Leib-Seele-Dualismus, lasse sich die »Kulturdichotomie« zwischen Poesie und Wissenschaft »spielerisch« aufheben.«
Uwe Justus Wenzel, Neue Zürcher Zeitung
»Nur 142 Seiten hat das Büchlein. Wer am Weihnachtsmorgen anfängt, hat es in der Nacht ausgelesen. Ein schöneres Geschenk kann man sich kaum machen. Durs Grünbeins drei Meditationen über Descartes sind ein lustvolles Exerzitium in genauem Lesen und Denken. Wer Spaß daran hat, einer Argumentation zu folgen, gleichzeitig aber hellhörig zu bleiben für die Neben- und Untertöne, der wird dieses Buch genießen. Es ist klar und deutlich, clare et distincte, wie Descartes das von der Reflexion forderte. Gleichzeitig aber ist es anspielungsreich, wunderbar mehrtönig.«
Arno Widmann, Frankfurter Rundschau

Nachrichten

Kommentare

Drei Marginalien:

Erstens: Schöneres im Umgang mit Biographischem ist rar.
Durs Grünbeins Nomen ist Omen für die "Wechselwirkung des Menschseins" (S. 102), die "Doppelnatur von Psyche und Physis" ist mit Methoden der Literatur beweisbar.
Zweitens: Aber die schwer zu überbrückende Erklärungslücke im Vorgang der Erkenntniskonstruktion (Geist vs. Synapsengeflecht) lässt zur Zeit noch offen, ob der Cartesische Taucher eventuell hier doch nur gebadet hat - auf jeden Fall ist es echte Wellness!
Drittens: Grünbeins Credo (S. 106 nach einer beeindruckend knappen Reflexion aktueller Hirnforschung), "Er" sei nicht das Materielle (der Wissenschaft), steht somit in der Tradition der Mißverständnisse, die eben mit Descartes` Denken kritisch wurde: Wir sind nicht das, was wir glauben!

Ergo: Fleißiges Bienchen sein - sum(m), sum(m), sum(m) ...
z.B.: Pauen und Roth (edition unseld 12) helfen weiter beim Brückenbau;
und Grünbeins Talente könnten aus Rizzolattis Spiegelneuronengeflecht(eu 11) einen Thriller der Erkenntnis machen.
Martin Falk, 28.01.2009

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