Hg.: Renate Jacobi
Der Diwan – Mystische Poesie aus dem 13. Jahrhundert - Aus dem Arabischen übersetzt und herausgegeben von Renate Jacobi

Aus dem Arabischen übersetzt und herausgegeben von Renate Jacobi
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CH: 51,90 sFr

Erschienen: 13.08.2012
Leinen, 407 Seiten
ISBN: 978-3-458-70037-1

Inhalt

Ibn al-Fārid (1181-1235), der »Fürst der Liebenden«, wie ihn die islamische Tradition nennt, verbindet in seinem Diwan die Tradition der klassischen arabischen Dichtung mit der Theosophie des Sufismus seiner Zeit, des 12. und 13. Jahrhunderts. Als Dichter wird er in seiner eigenen Kultur bis heute bewundert und als Heiliger verehrt. Als Mystiker war er jedoch umstritten und wurde wegen seiner »monistischen Ketzerei« abgelehnt und bekämpft. Die Manifestation Gottes im Kosmos und die Kontemplation irdischer Schönheit als ein Weg zu mystischer Erfahrung sind Grundthemen seiner Dichtung.

In seinem großen Lehrgedicht »Die Ordnung des Weges« beschreibt und deutet er in 761 Versen seinen eigenen Weg zur Einheit bis zur höchsten Stufe, dem kosmischen Bewusstsein.  Es ist ein spiritueller Reisebericht, ungewöhnlich, vielleicht einzigartig in der mystischen Literatur durch die Subtilität der psychologischen Beobachtung und Analyse, Zeugnis einer authentischen Erfahrung, die über die Grenzen von Religionen und Kulturen hinweg gültig erscheint. Ibn al-Fārid ist christlichen Mystikern wie Meister Eckhart (etwa 1260-1328) oder Johannes vom Kreuz (1542-1591) an die Seite zu stellen.

 

Die erste vollständige deutsche Übersetzung des Diwans von Ibn al-Fārid

 

Textprobe:

 

Mir war der Liebesbund gewährt am Tag, da noch kein Tag war,

in meiner Erstzeit, ehe Sie erschien, um den Vertrag zu schließen.

Und ich erlangte meine Liebe nicht durch Hören oder Sehen,

nicht durch Erwerb und nicht durch eine Neigung der Natur,

sondern ich liebte Sie schon in der Welt des göttlichen Befehls,

als nichts erschienen war, vor der Erschaffung war ich trunken.

Dann ließ die Liebe hier vergehen, was dort nie ...

Inhalt

Ibn al-Fārid (1181-1235), der »Fürst der Liebenden«, wie ihn die islamische Tradition nennt, verbindet in seinem Diwan die Tradition der klassischen arabischen Dichtung mit der Theosophie des Sufismus seiner Zeit, des 12. und 13. Jahrhunderts. Als Dichter wird er in seiner eigenen Kultur bis heute bewundert und als Heiliger verehrt. Als Mystiker war er jedoch umstritten und wurde wegen seiner »monistischen Ketzerei« abgelehnt und bekämpft. Die Manifestation Gottes im Kosmos und die Kontemplation irdischer Schönheit als ein Weg zu mystischer Erfahrung sind Grundthemen seiner Dichtung.

In seinem großen Lehrgedicht »Die Ordnung des Weges« beschreibt und deutet er in 761 Versen seinen eigenen Weg zur Einheit bis zur höchsten Stufe, dem kosmischen Bewusstsein.  Es ist ein spiritueller Reisebericht, ungewöhnlich, vielleicht einzigartig in der mystischen Literatur durch die Subtilität der psychologischen Beobachtung und Analyse, Zeugnis einer authentischen Erfahrung, die über die Grenzen von Religionen und Kulturen hinweg gültig erscheint. Ibn al-Fārid ist christlichen Mystikern wie Meister Eckhart (etwa 1260-1328) oder Johannes vom Kreuz (1542-1591) an die Seite zu stellen.

 

Die erste vollständige deutsche Übersetzung des Diwans von Ibn al-Fārid

 

Textprobe:

 

Mir war der Liebesbund gewährt am Tag, da noch kein Tag war,

in meiner Erstzeit, ehe Sie erschien, um den Vertrag zu schließen.

Und ich erlangte meine Liebe nicht durch Hören oder Sehen,

nicht durch Erwerb und nicht durch eine Neigung der Natur,

sondern ich liebte Sie schon in der Welt des göttlichen Befehls,

als nichts erschienen war, vor der Erschaffung war ich trunken.

Dann ließ die Liebe hier vergehen, was dort nie bestanden hat,

und alle Eigenschaften, die uns trennten, schwanden.

Und was ich fortgeworfen hatte, kehrte nun zu mir zurück

und ging dann wieder aus, so fand ich es mit klarer Einsicht.     

Und ich gewahrte meine Seele mit den Eigenschaften,

die mich vor mir verbargen, als ich schaute und verborgen war,

und sah: Ich war gewiß dieselbe, die ich liebe,

denn meine Seele hatte mich mir selber für Sie übergeben.

Und ohne es zu wissen, war die Seele in sich selbst verliebt,

doch während meiner Schau war ihr die Sache wohl bewußt.

 

Aus dem Diwan, IV 156-163.

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