Louis Begley
Der Fall Dreyfus - Teufelsinsel, Guantánamo, Alptraum der Geschichte

Aus dem Englischen von Christa Krüger
Der Fall Dreyfus
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D: 19,80 €
A: 20,40 €
CH: 28,50 sFr

Erschienen: 18.05.2009
Gebunden, 247 Seiten
ISBN: 978-3-518-42062-1

Inhalt

Im September 1894 entdeckte der französische Geheimdienst eine undichte Stelle im Generalstab der Armee: Militärische Geheimnisse wurden verraten, ausgerechnet an die Deutschen. Indizien für eine Täterschaft fehlten, doch ein Verdacht genügte. Nur wenige Wochen später wurde Hauptmann Alfred Dreyfus verhaftet, des Landesverrats für schuldig befunden und zu lebenslanger Verbannung auf der Teufelsinsel verurteilt. Kaum jemand zweifelte an der Richtigkeit des Urteils: Dreyfus war Jude. Dass ein »echter« Franzose einer solchen Tat fähig wäre, schien undenkbar.
Louis Begley, der in diesem Buch zum ersten Mal aus seinem reichen Wissen als Anwalt schöpft, rekonstruiert den heute fast vergessenen Fall Dreyfus: die Hintergründe und Intrigen, die kriminellen Manipulationen in höchsten Kreisen, die Spaltung der französischen Gesellschaft in »Dreyfusards« und ihre konservativen Gegner. Begley zeigt, wie Antisemitismus und Rassismus in einer vermeintlich liberalen Gesellschaft funktionieren, damals wie heute: Vorannahmen führen zur Anklage, Racial Profiling ersetzt die Suche nach der Wahrheit, Beweise werden fabriziert. Und Guantánamo liegt der Teufelsinsel näher, als man glauben mag.

Pressestimmen

»Begleys neue Darstellung der ›Affäre‹ ist kenntnisreich, spannend und glänzend erzählt und profitiert vom juristischen Wissen des Autors; bedeutend ist sie aber vor allem wegen ihres aktualisierenden ›Aufhängers‹: Gleich zu Beginn schlägt der Romancier eine brisante Brücke in die Gegenwart, von der französischen Teufelsinsel zum amerikanischen Gefangenenlager auf Guantánamo. Was Dreyfus widerfuhr, hatte die Bush-Regierung auch für die Terrorverdächtigen auf Guantánamo vorgesehen: Dreyfus wurde «vor ein Gericht gestellt, das in der Hand seiner Ankläger war, auch er wurde auf der Grundlage von geheimem Beweismaterial verurteilt, das weder er noch sein Verteidiger kannten und schon deshalb nicht anfechten konnten». Für Begley, der den Holocaust in Polen überlebte, trat die Bush-Regierung mit der systematischen Folterung von Gefangenen sogar «in die Fussstapfen Nazideutschlands und Sowjetrusslands.«

Oliver Pfohlmann, Neue Zürcher Zeitung

»Dass sich Begley in seiner Darstellung vor allem auf den höchst fragwürdigen juristisch-prozessualen Verlauf der »Dreyfus-Affäre« beschränkt, ist die Stärke dieses Buchs. Schritt für Schritt deckt Begley auf, wie eine von der Politik und der Mehrheitsmeinung gedeckte, voreingenommene Militärführung und Militärgerichtsbarkeit, die sich auf fragwürdige und vor allem auch gefälschte Indizienbeweise beruft, eine auf den Vorwurf der Spionage für das Deutsche Reich gestützte Anklage konstruiert, die eine Verurteilung des unschuldig Beschuldigten Dreyfus förmlich erzwingt.«

Johannes Willms, Süddeutsche Zeitung

Begley schreibt »mit der kennerhaften Liebe zu Frankreich, die einem aus seinen Romanen vertraut ist. Mit der Leidenschaft eines Amerikaners, der sich für die Rechts-Barbarei der Bush-Regierung von Anbeginn geschämt hat. Vor allem aber mit der Finesse des Juristen: Scharfsinnig zergliedert er die Folge von (Schein-)Prozessen, Verdunkelungen und von der Armeeführung begangenen Fälschungen und Betrügereien. Überzeugend ordnet er die Geschehnisse in die Geschichte Frankreichs ein, gibt der Scham über die Niederlage gegen Deutschland 1871 ebenso ihren Ort wie der steigenden Flut des Antisemitismus.«

Andreas Isenschmid, NZZ am Sonntag

»Was hat der Fall Dreyfus mit Guantánamo zu tun? Louis Begley hat in seinem Essay »Der Fall Dreyfus« ein politisches Statement vorgelegt, das es in sich hat. Begley, nicht nur ein begnadeter Schriftsteller, sondern darüber hinaus auch ein Jurist von hohen Graden, hat sich eines Themas angenommen, das die amerikanische Öffentlichkeit gegenwärtig in starkem Maße beschäftigt. Müssen wir, so fragt Begley, Guantánamo nicht anders beurteilen, liegt es nicht sehr viel näher an der vor Französisch Guayana liegenden Teufelsinsel, auf der einst der aus dem Elsass stammende französische Hauptmann Alfred Dreyfus 1894 auf Grund falscher Anschuldigungen hin verbannt worden war.«

Julius H. Schoeps, Die Welt

»Der versierte Anwalt und meisterliche Schriftsteller rekonstruiert den berühmten und berüchtigten Fall Dreyfus, die Hintergründe und Intrigen, die kriminellen Manipulationen in höchsten Kreisen, die Spaltung der französischen Gesellschaft in ›Dreyfusards‹ und ihre konservativen Gegner. ... Begley zeigt, wie Antisemitismus und Rassismus in einer vermeintlich liberalen Gesellschaft funktionieren, damals wie heute.«

Janko Ferk, Spectrum

»Der Fall Dreyfus ... von Louis Begley ist ein höchst informatives Buch, das geschickt einen Bogen auch in die Gegenwart schlägt.«

Das Magazin der Landeszeitung 11./12. Juli 2009

»Dem Rechtsanwalt und Schriftsteller Louis Begley gelingt es mit seinem Buch »Der Fall Dreyfus: Teufelsinsel, Guantánamo, Alptraum der Geschichte« einen kurzen Ausschnitt aus dem Leben eines Menschen auf erschreckend eindringliche Weise nachzuzeichnen, der innerhalb von fünf Jahren die Brutalität einer antisemitischen Bevölkerung zu spüren bekam. Dabei zieht er erstaunliche, aber doch durchaus bestehende Parallelen zwischen den Ereignissen zum Ende des 19. Jahrhunderts und denen zum Beginn des 21. Jahrhunderts. ... Mit klaren Worten, Zitaten aus Dokumenten und gerichtlichen Abschriften, einer darstellerischen Sprache und juristischem Sachverstand zeigt Begley auf, dass man einerseits niemals die Vergangenheit vergessen und andererseits immer den Blick auf die eigene Umwelt richten sollte.«

Susann Fleischer, literaturmarkt.info

»[Begleys] Studie über Dreyfus ist in ihrer Prägnanz beeindruckend. Sie ist kein »J'accuse« à la Zola. Aber ihre Analogie zur Gegenwart ist nicht weniger scharfsichtig als die flammende Anklage des Romanciers Émile Zola gegen das Justizverbrechen an Alfred Dreyfus vor mehr als hundert Jahren.«

Wolf Scheller, Rheinischer Merkur

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