Inhalt
Camargo, Chefredakteur einer großen argentinischen Zeitung, ist besessen von der Frau im Fenster gegenüber. Tagelang beobachtet er sie, will sich ihrer bemächtigen, nutzt ihre Abwesenheit, um heimlich in ihren Kleidern, ihren Aufzeichnungen zu stöbern, filmt ihren Schlaf, um sie immer bei sich zu haben.
Besessen ist er auch von seinem Beruf, den er wie kein zweiter beherrscht. So gefürchtet wie geachtet, schreibt er an gegen die Verkommenheit der politischen Klasse, gegen die alles zerfressende Korruption. Und läßt schreiben. Sofort bemerkt er das Talent von Reina Remis, der neuen Redakteurin in seinem Imperium, trotz eines Patzers, den sie sich gleich zu Beginn leistet. Daß sie zielstrebig ist, kann sie unter Beweis stellen, als der Präsident der Republik einen drohenden Skandal mit einer haarsträubend mystischen Vision aus den Schlagzeilen von morgen fegt. Reina deckt kühl den Humbug auf und steigt damit, von Camargo gezielt gefördert, bei der Zeitung auf. Reina weiß, genau wie er, was sie will, zeigt ihm, daß sie Rückgrat hat. Camargo erkennt sich in ihr - und will sie besitzen. Angezogen von seinem Charisma, läßt sie sich auf eine Liebesgeschichte ein. Und unmerklich hat er bald die Fäden ihres Lebens in der Hand, ihre eigenen Pläne lösen sich in Luft auf.
Einmal nur, nach Monaten, läßt Camargo sie unbeobachtet, und sie verliebt sich, fluchtartig, in einen kolumbianischen Kollegen. Da trifft Camargo Vorbereitungen zu einem schrecklich unfehlbaren Plan, der sie ihm zurückbringen muß.
Gegen eine Wirklichkeit, die grell ist, drastisch und verworren, setzt Tomás Eloy Martínez eine Geschichte, die grell ist, drastisch und präzise berechnet.