Michael Hagner
Der Hauslehrer - Die Geschichte eines Kriminalfalls. Erziehung, Sexualität und Medien um 1900

Der Hauslehrer
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Erschienen: 20.09.2010
Gebunden, 280 Seiten
ISBN: 978-3-518-42204-5

» Der Hauslehrer ist eine Darstellung, die in ihrer Brillianz an Michael Hanekes ›Das weiße Band‹ erinnert.«

Andreas Platthaus, Frankfurter Allgemeine Zeitung

Inhalt

Im Oktober 1903 findet in Bayreuth ein aufsehenerregender Kriminalprozeß statt. Der 23jährige Jurastudent Andreas Dippold ist angeklagt, als Hauslehrer seine beiden Schüler körperlich so sehr gezüchtigt zu haben, daß einer der Jungen an den Folgen der Mißhandlung starb. Der Hauslehrer beharrt auf der Rechtmäßigkeit seines Tuns, weil sich seine Zöglinge dem Laster der Onanie hingegeben hätten. Die großbürgerlichen Eltern – der Vater steht an der Spitze der Deutschen Bank – setzen alle Einflußhebel in Bewegung, um den Angeklagten als gemeingefährlichen Sexualstraftäter hinzustellen. Das Gericht bewahrt sich seine eigene Sicht und verurteilt Dippold zu acht Jahren Zuchthaus. Es folgt ein Aufschrei der Empörung, Prozeßbeobachter und die breite Öffentlichkeit sind ob des aus ihrer Sicht zu milden Urteils entsetzt. Eine erregte Auseinandersetzung in den Zeitungen des Kaiserreichs beginnt, an der sich auch angesehene Publizisten wie Maximilian Harden beteiligen.
Gestützt auf zahlreiche Quellen und die Gerichtsakten erzählt Michael Hagner zunächst die Geschichte des Hauslehrers, der Jungen und der Eltern bis zum Prozeß. Im Anschluß daran untersucht er die Mechanismen, mit denen Medien und Humanwissenschaften aus dem vielschichtigen Geschehen einen exemplarischen, nur noch partiell mit den realen Vorgängen übereinstimmenden Fall konstruieren, der am Ende als klassisches Beispiel von Erziehersadismus (»Dippoldismus«) in den Lehrbüchern abgelegt wird.
Souverän setzt sich Hagner über die Grenze zwischen Erzählung und wissenschaftlicher Abhandlung hinweg und ...

»Der Hauslehrer ist eine Darstellung, die in ihrer Brillianz an Michael Hanekes ›Das weiße Band‹ erinnert.«

Andreas Platthaus, Frankfurter Allgemeine Zeitung

 

Inhalt

Im Oktober 1903 findet in Bayreuth ein aufsehenerregender Kriminalprozeß statt. Der 23jährige Jurastudent Andreas Dippold ist angeklagt, als Hauslehrer seine beiden Schüler körperlich so sehr gezüchtigt zu haben, daß einer der Jungen an den Folgen der Mißhandlung starb. Der Hauslehrer beharrt auf der Rechtmäßigkeit seines Tuns, weil sich seine Zöglinge dem Laster der Onanie hingegeben hätten. Die großbürgerlichen Eltern – der Vater steht an der Spitze der Deutschen Bank – setzen alle Einflußhebel in Bewegung, um den Angeklagten als gemeingefährlichen Sexualstraftäter hinzustellen. Das Gericht bewahrt sich seine eigene Sicht und verurteilt Dippold zu acht Jahren Zuchthaus. Es folgt ein Aufschrei der Empörung, Prozeßbeobachter und die breite Öffentlichkeit sind ob des aus ihrer Sicht zu milden Urteils entsetzt. Eine erregte Auseinandersetzung in den Zeitungen des Kaiserreichs beginnt, an der sich auch angesehene Publizisten wie Maximilian Harden beteiligen.
Gestützt auf zahlreiche Quellen und die Gerichtsakten erzählt Michael Hagner zunächst die Geschichte des Hauslehrers, der Jungen und der Eltern bis zum Prozeß. Im Anschluß daran untersucht er die Mechanismen, mit denen Medien und Humanwissenschaften aus dem vielschichtigen Geschehen einen exemplarischen, nur noch partiell mit den realen Vorgängen übereinstimmenden Fall konstruieren, der am Ende als klassisches Beispiel von Erziehersadismus (»Dippoldismus«) in den Lehrbüchern abgelegt wird.
Souverän setzt sich Hagner über die Grenze zwischen Erzählung und wissenschaftlicher Abhandlung hinweg und zeichnet ein düsteres Bild: von der Kompromißlosigkeit der Erziehung, den Ansichten der gebildeten Kreise Deutschlands zu Pädagogik und Bildung, Sexualität und Bestrafung, Normalität und Perversion sowie nicht zuletzt von den Wissenschaften vom Menschen, die hier eine eher zwielichtige als aufklärerische Rolle spielen. Eine beklemmende Geschichte. Ein zeitloses Lehrstück.

Pressestimmen

»Michael Hagners luzide analysierendes Buch ist ein Lehrstück von beklemmender Aktualität.«

Oliver Pfohlmann, Deutschlandradio Kultur

»Pädagogische Obhut als nackter Sadismus vor einem Jahrhundert - aber vorstellbar auch heute. Wahre Thrillerspannung«

Ursula März, Die Zeit

»Eine meisterhafte Mischung aus Analyse und Erzählung«

Adam Soboczynski, Die Zeit

»Wie ein Krimiautor weiß Hagner Spannung zu erzeugen, indem er an einer unerwarteten Stelle plötzlich eine neue Information gibt, die alles in anderem Licht erscheinen lässt. Und so liest man 107 Jahre, nachdem ein kleiner, dicklicher, 14-jähriger Berliner Junge aus gutem Hause von seinem Hauslehrer totgeprügelt wurde, so atemlos von diesem Fall, als wäre es gestern geschehen.«

Johanna Adorjan, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

Hagner rekonstruiert den Fall des Hauslehrers minutiös und mit Hilfe zahlreicher Quellen. Sein Buch ist sowohl ein erhellender Einblick in die Mentalität des deutschen Bürgertums der Jahrhundertwende, als auch in die von den Medien angefeuerten Prozesse öffentlicher Erregung. Und die bleiben sich immer gleich.

Christoph Schröder, Frankfurter Rundschau

»In einer Mischung aus literarischer Erzählung und wissenschaftlicher Studie arbeitet das Buch das historisch Symptomatische des Falls heraus – und gewinnt daraus seine zeitlose Bedeutung.«

Jenni Roth, Die Welt, Die literarische Welt

»Michael Hagner seziert in der packenden Studie Der Hauslehrer einen Kriminalfall, der 1903 die Öffentlichkeit empörte - und ein irritierendes Licht auf die Gegenwart wirft.«

Jutta Person, Süddeutsche Zeitung

»Von wissenschaftlicher Trockenheit ist in seinem Buch hingegen keine Spur. Diese Geschichte eines Kriminalfalls ist nicht reißerisch, aber doch so geschickt erzählt, dass sie auch ein größeres Publikum in unbehagliche Spannung versetzen kann.«

Ronald Düker, Literaturen 5/2010

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