Etel Adnan
Der Herr der Finsternis - Erzählungen

Aus dem Englischen von Christel Dormagen. Mit einem Nachwort der Autorin
Der Herr der Finsternis
Bestellen »


D: 19,80 €
A: 20,40 €
CH: 30,50 sFr

Erschienen: 23.02.2009
Gebunden, 171 Seiten
ISBN: 978-3-518-42073-7

Inhalt Inhaltsverzeichnis

Düsteres Glanzstück dieser durchaus abwechslungsreichen, auch mit hellen Tönen aufwartenden Erzählungen, die sich stets dicht an die Erlebnisse der kosmopolitischen amerikanisch-arabischen Autorin halten, ist die Titelgeschichte. Der Herr der Finsternis ist ein atemberaubend intensiver, apokalyptischer Text, fast ein Vermächtnis.

Auf einem Festival in Sizilien, unmittelbar vor Ausbruch des ersten Irakkriegs, trifft die Erzählerin nach vielen Jahren Buland wieder, einen irakischen Dichter, den sie als strahlenden Jüngling von einer Begegnung in Damaskus in Erinnerung hat. Er wirkt verdüstert. Beim Wein erzählt er ihr von seiner Freundschaft mit Saddam Hussein: von dessen geradezu »tierischer« Intensität und Unruhe, von der eigenen Desillusionierung, die folgt, und der Scham; vom Gefängnis. Später versucht ein amerikanischer Professor, die Erzählerin auszuforschen. Um jeden Preis möchte er der geistigen Welt Bulands, der ein erbitterter Kritiker des imperialen Amerika ist, auf die Spur kommen.

 

 

 

Pressestimmen

»Autoren arbeiten in und mit einer Sprache, so glaubt man, und da beginnen die Schwierigkeiten, denn Etel Adnan entstammt einer griechisch-türkischen Familie im Libanon, besuchte eine französische Elite-Schule in Beirut, studierte in Paris, Berkeley und Harvard und unterrichtete viele Jahre lang Philosophie, oder eigentlich Ästhetik, an einem kalifornischen College. Sie suchte sich den Sprachkonflikten zu entziehen, indem sie abstrakte Bilder malte oder Keramiken bildete, ehe sie sich entschloss, das Amerikanische und die Kurzgeschichte zu wählen, wie sie die ägyptischen und amerikanischen Schriftsteller lieben. Das traditionelle Wort »Weltliteratur« hat, im Hinblick auf ihre Erfahrungen und Entscheidungen, einen besonderen und einzigartigen Klang.«

Peter Demetz, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Etel Adnan ist Mitte achtzig und gehört zu meinen Heldinnen. Sie ist eine der großen Dichterinnen ihrer Zeit und eine wunderbare bildende Künstlerin… Ich lese sie fast täglich - es ist wie eine Sucht. Das Thema ihrer Bücher ist eigentlich Displacement (Entwurzelung). Herr der Finsternis, das sind Kurzgeschichten mit lauter Filmregisseuren und Dichtern. Das Buch geht zwischen unterschiedlichen Weltgegenden hin und her (Adnan lebt bei San Francisco, aber auch in Paris und Beirut). Thema ihres Buchs ist auch der Krieg. Sie schrieb in einem Brief, daß wir uns ‚in einem dauernden Kampf gegen die Apokalypse’ befinden – soll heißen, daß unsere Zeit dunkel ist, voller Krieg… Sowohl in der Poesie als auch in den Kurzgeschichten ist ihre Stimme ganz unverwechselbar.«

Hans Ulrich Obrist , FiveBooks (März 2010)
»Literatur vermag genau das: Leben nachträglich zu retten, seine Gestalt poetisch zu überhöhen und schärfer zu zeichnen; ihm einen Platz im großen Ganzen zu geben. Der unsentimentale Gestus der Malerin und Schriftstellerin Etel Adnan ist einzigartig. Er speist sich aus einem, wie sie schreibt, tieferen Wissen um die Nichtigkeit unseres Tuns. Ihre Sehnsucht danach, nicht mehr zu sein als ein Augenpaar, das wohlwollend beobachtet, bleibt unerfüllt. Denn auf den Straßen in Paris spürt sie, wie ein Sandsturm in der Sahara ihr Körner in die Augen schleudert, und in ihrem Zimmer hört sie die Stimme eines politischen Gefangenen in Syrien, der um ihre Aufmerksamkeit bittet. Sie kann ihm kein Wasser reichen, aber ihre inneren Regungen mit Reflexionen verknüpfen und diese notieren. In ihrem neuen Erzählband macht Etel Adnan uns mit Personen bekannt, die sich ihrem Gedächtnis eingeprägt haben, und sie konfrontiert uns mit Orten, an denen »alle Banalitäten sterben«.«
Sigrid Brinkmann, Deutschlandfunk
»Auf gerade einmal acht Seiten gelingt es der Autorin Etel Adnan in dieser Erzählung, mit den Worten des kleinen Jungen eine Familientragödie und die Geschichte einer ganzen Region zu erzählen. [...] Das lyrische Vermögen der Dichterin steht dabei nicht im Gegensatz zu ihrem politischen Bewusstsein. Gesellschaftliche Verhältnisse reflektiert sie in höchst poetischer Sprache. Und beschreibt immer wieder in eindrücklichen Bildern, was Krieg in den Seelen der Menschen anrichtet, wie er Heimat und Identität verändert.«
Carsten Hueck, Deutschlandradio

Nachrichten

Kommentieren