Marcel Hénaff
Der Preis der Wahrheit - Gabe, Geld und Philosophie

Aus dem Französischen von Eva Moldenhauer
Der Preis der Wahrheit
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D: 39,80 €
A: 41,00 €
CH: 52,90 sFr

Erschienen: 20.04.2009
Gebunden, 635 Seiten
ISBN: 978-3-518-58518-4

Inhalt

Besteht eine Beziehung zwischen Wahrheit und Geld? Kann man von einem Preis der Wahrheit sprechen? Anders als die Sophisten, die einen Preis für ihre Lehren festsetzen, spricht Sokrates ohne Bezahlung. Doch nimmt er Geschenke an, die der von ihm angebotenen Gabe entsprechen. Er muß es sogar, wie Aristoteles versichert, weil Wissen und Geld kein gemeinsames Maß besitzen.

Gibt es also Verbindlichkeiten, die sich keinem Vertrag verdanken, und Güter, die sich jedem Marktwert entziehen? Gibt es ein soziales Band diesseits von Gesetz und Geld? Marcel Hénaffs Studie zeigt, daß sich eine Antwort auf diese Fragen nur diesseits der eingespielten Arbeitsteilung zwischen ökonomischen und moralischen Diskursen finden läßt. Im Anschluß an die anthropologischen Forschungen von Marcel Mauss lokalisiert er die Quelle des Sozialen in dem elementaren Austausch von Gabe und Gegengabe.

Doch was heißt »Geben«? Bedeutet es, »irgend etwas« anzubieten? Und woher kommt seine Kraft der Verbindlichkeit, warum fordert es dazu auf, die Gabe zu erwidern? Die anthropologische und ethnologische Forschung lehrt uns, daß die Antwort nicht mit Blick auf die gegebene Sache zu finden ist. Geben ist ein Akt der Anerkennung, der seinerseits Anerkennung fordert. Diese Einsicht entfaltet Hénaff am Phänomen des Opfers, der Schuld und der Gnade ebenso wie an den Strukturen des Geldverkehrs und des Marktes. In einer tour de force durch die europäische Geistesgeschichte analysiert er die religiösen und rechtlichen, die moralischen und ökonomischen Transformationen des Gabentauschs von Sokrates und den Sophisten bis in die Gegenwart.

 

Pressestimmen

»Geld regiert die Welt? Dieses Buch ist ein einziger Protest gegen die Auffassung von der grenzenlosen Tauschbarkeit von Werten und Lebenszielen in Geld. Es ist damit auch ein Protest gegen die »Hochfinanz«, die - wie Hénaff in seinem übrigens schon 2002 auf Französisch erschienenen, nun von Eva Moldenhauer elegant übersetzten Buch schreibt - »unsere kulturelle Basis selbst in Mitleidenschaft gezogen« hat. ... Die großen Fragen der Schuld, der Vergebung, der Freundschaft, der Gunst, des Dankes, der Anerkennung - sie alle verlieren ihre Verankerung im Leben, wenn es nur noch darum geht, »positive oder negative Rechnungen« zu den Akten zu nehmen. Hénaff wird umgetrieben von der Frage, ob »die riesige Bewegung der modernen Wirtschaft - die ganze inzwischen weltweite Produktionsmaschine - am Ende die Idee dessen, was keinen Preis hat«, außer Kraft setze.«

Dieter Thomä, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Die Frage nach dem Verhältnis von Geld und Wahrheit ist aktueller denn je. Auch Menschen, die wenig dagegen haben, dass auf dieser Erde nahezu alles käuflich ist, beschleicht ein Unbehagen, wenn die Rede davon ist, dass die Wahrheit vor Gericht, die Wahrheit in der Wissenschaft, die Wahrheit in der Politik nur eine Frage des angemessenen Preises ist. Der französische, in den USA lehrende Kulturanthropologe Marcel Hénaff hat diesem Unbehagen eine luzide, umfang- und materialreiche Studie gewidmet, die das Spannungsfeld von Geld und Geist von der Antike bis zur Gegenwart auszuleuchten versucht. Nietzsche, so lernen wir, stand mit seinen Invektiven gegen die Krämer keineswegs allein. Ganz im Gegenteil. Die Glorifizierung des Marktes und seiner Akteure ist tatsächlich ein junges Phänomen.«

Konrad Paul Liessmann, Süddeutsche Zeitung

»Das Buch … überzeugt und fasziniert aus vielen Gründen: So ist die auf- und eingearbeitete Materialfülle beeindruckend. Dem Buch liegen zahlreiche Studien und eine ungeheure Belesenheit zugrunde: so dass Hénaff auf eine umfangreiche Fülle an Ansätzen zurückgreifen kann und einen wirklich breiten inhaltlichen Horizont aufzuspannen vermag.«

René Kaufmann, Rundbrief des Lehrstuhls für Religionsphilosophie und vergleichende Religionswissenschaft Nr. 34 (2010)

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