Mo Yan
Die Sandelholzstrafe - Roman

Aus dem Chinesischen von Karin Betz
Die Sandelholzstrafe
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D: 29,80 €
A: 30,70 €
CH: 40,90 sFr

Erschienen: 21.09.2009
Gebunden, 651 Seiten
ISBN: 978-3-458-17446-2

Inhalt

»Wenn ich einen Nobelpreisträger küren dürfte, dann wäre es Mo Yan«, sagte Kenzaburô Ôe einmal über den wichtigsten lebenden Romancier Chinas. In seinem großen historischen Epos inszeniert Mo Yan eine farbenprächtige Pekingoper aus der deutschen Kolonialgeschichte seines Heimatlands. Vor der Kulisse einer untergehenden Epoche treten fünf Figuren auf die Bühne der Geschichte und kämpfen für das, was sie bewahren wollen, und für die, die sie lieben. Viel Neues geschieht im China des Jahres 1899: Von überall her drängen fremde Menschen in das zuvor verschlossene Reich. Sie bringen etwa die Eisenbahn, die bei der Provinzstadt Gaomi über die Gräber der Ahnen verlaufen soll. Vieles geht aber auch zu Ende in diesen letzten Tagen des Jahrhunderts: Das Kaiserreich liegt in Agonie, ebenso wie Sun Bing, der Opernsänger und Anführer des Aufstands gegen die Trasse und deren Erbauer. Um seinen Ungehorsam zu ahnden, bündelt die Staatsmacht all ihre Kräfte und verordnet ein letztes Mal die Sandelholzstrafe, die grausamste und zugleich kunstvollste der überkommenen Foltermethoden. Leib und Leben nicht allein des Opfers, sondern auch seiner Tochter, ihres Ehemanns, ja selbst des Henkers und des Richters stehen mit diesem Urteilsspruch auf dem Richtplatz der Geschichte. In einem der bedeutendsten chinesischen Romane der jüngsten Zeit spielt Mo Yan virtuos das Spiel der Masken, Perspektiven und Kontraste. Gewalt und Poesie, Empathie und schwarzer Humor, Derbheit und Feinsinn, die Fülle des westlichen Romans und die Eleganz der chinesischen Oper gehen in seiner bilderreichen und suggestiven Sprache Hand in Hand.

Im Original erschienen unter dem Titel Tanxiang xing, 2001 (The Writers' Publishing House, Beijing).

Pressestimmen

»Mo Yan nimmt in seinen Romanen die chinesische Geschichte auseinander wie kein anderer, ähnlich dem Foltermeister Zhao Jian setzt er Schnitt um Schnitt an, kraftvoll wie ein Athlet, kühl wie ein Anatom. Zurück bleibt das Skelett eines bestialischen Jahrhunderts.«

Alex Rühle, Süddeutsche Zeitung

»Wie Verrat, Schuld und Sühne in einem streng hierarchisch organisierten System funktionieren: Das wird in diesem Buch wie in einem Brennglas deutlich. ... Wer sich in dieses für westliche Lesegewohnheiten ›ganz andere‹ Buch hineingelesen hat, kann es so schnell nicht wieder weglegen.«

Manfred Hitzeroth, Oberhessische Presse

»Die Sandelholzstrafe ist ein hervorragend geschriebener Schmöker voll dramatischer Qualität. Er ist [...] in Erzählstil, Inhalt und Struktur bewusst ein vormodernes Stück Literatur, das die rhapsodischen Strukturen der volkstümlichen Katzenoper aufgreift.«

Katharina Borchardt, Deutschlandradio Kultur

»Mo Yans Umgang mit den Traditionen seiner Heimat ist durch und durch bemerkenswert. Durch die Langsamkeit der Handlung entwickelt sie eine Wucht, die einem gegen Ende des Buches schier den Atem stocken lässt. Sprachgewaltig und reich an Bildern ist ›Die Sandelholzstrafe‹, ein Epos über die Liebe und den Hass, über Ehre und Treue, Stolz und das sterbende Kaiserreich China. Die meisterhafte Übersetzung von Karin Betz trägt dazu maßgeblich bei. ... Ein Leseerlebnis von ungeahnter Intensität und fernöstlicher Ästhetik.«

Stephanie Gerlich, unser-luebeck.de

»Mo Yan gibt einen panoramischen Einblick in die Epoche. Voller Geschichten ist sein Roman, sinnenfroh sind die Schilderungen des bäuerlichen Alltags wie des Hoflebens, wobei dem Autor das Deftige ebenso liegt wie das Delikate.«

Andreas Breitenstein, Neue Zürcher Zeitung

»Sehr opulent lässt der 53-jährige Mo Yan die ausklingende Kaiserzeit - die letzte Dynastie endete 1911 - auferstehen, bringt farbige Schilderungen des Alltags und seines Inventars. ... Sehr bald wird klar, dass Mo Yan hier keine Analyse einer Epoche bieten will, kein Nachdenken über die, sondern eine Besichtigung der verlorenen Zeit. Die Bilder, Gerüche und Geräusche sollen sich zu einem umfassenden Panorama zusammenfügen. Mo Yan hat zu verschiedenen Gelegenheiten betont, wie sehr sich seine Poetik der mündlichen Erzähltradition der Bauern verdankt, unter denen er aufgewachsen ist. Und er steht ganz und gar zu seinem trotzigen Anachronismus.«

Wolfgang Popp, Die Presse, Wien

»Mo Yan ist wieder ein sprachgewaltiger und bildreicher Roman gelungen, dessen drastische Darstellungen nichts für zarte Gemüter sind. Überall sehr empfohlen.«

Dietmar Adam, ekz.bibliotheksservice 47/09

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