Angela Krauß
Die Überfliegerin - Erzählung

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Erschienen: 22.07.2002
suhrkamp taschenbuch 3393, Taschenbuch, 126 Seiten
ISBN: 978-3-518-39893-7

Inhalt

Leipzig, nach dem Zeitenwechsel des Jahres 1989. Eine junge Frau in einer hoch gelegenen Altbauwohnung, mit Blick auf den größten Kopfbahnhof Europas. In einer hochsommerlichen Nacht beginnt sie, die Tapeten vergangener Generationen von den Wänden zu reißen.
Es hat lange gedauert bis sie begriff: »Alle um mich herum handeln längst. Sie überholen mich alle.«
Als Abrißbericht bezeichnete Angela Krauß einmal den ersten Teil ihrer neuen dreiteiligen Erzählung, in der in einer besessenen Aktion das robuste Sofa der Großmutter wie ein großes Tier zur Strecke gebracht wird. »Ich fange noch einmal an. Ich zerlege alles bis auf das Skelett. Und dann setze ich es fehlerlos wieder zusammen.«
Alles soll anders werden.
»Die Russen sind Fort!« heißt es lakonisch.
Der Rangierer vom Verladebahnhof steigt in einer Wolke von Parfüm durchs Treppenhaus. Und der Geliebte sucht vergeblich das Sofa, die vertraute Liebeslagerstatt.
Die Überfliegerin indessen ist auf und davon geflogen, gen Westen, in die geöffnete Welt, die sie begierig und schnell überfliegt - wie ein vorläufig noch zu dickes Buch.
Dabei werden von Angela Krauß die fremden Menschen und Dinge merkwürdig »wie in gleicher Größe nebeneinandergesetzt«. Amerika von Minneapolis bis San Francisco im Überflug, der fast schon endet in einem Secondhandladen voller alter Kleider der kurzen amerikanischen Geschichte; unter den Blicken zweier Transvestiten, schöner Männer, als Frauen drapiert, deren Wahrheit in der Mitte liegt.
Doch die Überfliegerin muß weiter, weiter nach Westen, so lange, bis der Westen wieder Osten wird: in Moskau, im chaotischen Rußland. Dort wohnt noch immer eine Frau, die ihr als Kind schon schrieb: »Genossin, Schwester, Liebste, Schönste!« So fingen einst alle ihre Briefe an. »Vor der Haustür ...

Inhalt

Leipzig, nach dem Zeitenwechsel des Jahres 1989. Eine junge Frau in einer hoch gelegenen Altbauwohnung, mit Blick auf den größten Kopfbahnhof Europas. In einer hochsommerlichen Nacht beginnt sie, die Tapeten vergangener Generationen von den Wänden zu reißen.
Es hat lange gedauert bis sie begriff: »Alle um mich herum handeln längst. Sie überholen mich alle.«
Als Abrißbericht bezeichnete Angela Krauß einmal den ersten Teil ihrer neuen dreiteiligen Erzählung, in der in einer besessenen Aktion das robuste Sofa der Großmutter wie ein großes Tier zur Strecke gebracht wird. »Ich fange noch einmal an. Ich zerlege alles bis auf das Skelett. Und dann setze ich es fehlerlos wieder zusammen.«
Alles soll anders werden.
»Die Russen sind Fort!« heißt es lakonisch.
Der Rangierer vom Verladebahnhof steigt in einer Wolke von Parfüm durchs Treppenhaus. Und der Geliebte sucht vergeblich das Sofa, die vertraute Liebeslagerstatt.
Die Überfliegerin indessen ist auf und davon geflogen, gen Westen, in die geöffnete Welt, die sie begierig und schnell überfliegt - wie ein vorläufig noch zu dickes Buch.
Dabei werden von Angela Krauß die fremden Menschen und Dinge merkwürdig »wie in gleicher Größe nebeneinandergesetzt«. Amerika von Minneapolis bis San Francisco im Überflug, der fast schon endet in einem Secondhandladen voller alter Kleider der kurzen amerikanischen Geschichte; unter den Blicken zweier Transvestiten, schöner Männer, als Frauen drapiert, deren Wahrheit in der Mitte liegt.
Doch die Überfliegerin muß weiter, weiter nach Westen, so lange, bis der Westen wieder Osten wird: in Moskau, im chaotischen Rußland. Dort wohnt noch immer eine Frau, die ihr als Kind schon schrieb: »Genossin, Schwester, Liebste, Schönste!« So fingen einst alle ihre Briefe an. »Vor der Haustür steht ein Chrysler mit Chauffeur und Mobiltelefon, komm und überfliege die Grenze!« - so endete der letzte.

Aller Prosa, die wir von Angela Krauß kennen, ist eine facettenreiche, lakonische Dichte eigen. Fernab allen handlungsbetonten Geschehens sieht Angela Krauß in ihrem neuen Buch Die Überfliegerin auf die Menschen und Dingwelt, um durch »langes, genaues, liebendes und wütendes und verzweifeltes Anschauen« den Identitätsverlust ihrer Generation in der jüngeren deutschen Geschichte zu verarbeiten.

Kommentare

Ein schönes Buch in lyrischer Prosa, eine Zeitreise in die Zeitenwende des Mauerfalls.
Reiner Girstl, 19.12.2016

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