Roland Barthes
Die Vorbereitung des Romans - Vorlesung am Collège de France 1978-1979 und 1979-1980

Aus dem Französischen von Horst Brühmann. Herausgegeben von Éric Marty. Texterstellung, Anmerkungen und Vorwort von Nathalie Léger
Die Vorbereitung des Romans
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Erschienen: 21.04.2008
edition suhrkamp 2529, Broschur, 569 Seiten
ISBN: 978-3-518-12529-8

Inhalt

Im April 1978 beschließt Roland Barthes, einen Roman zu schreiben, kommt aber über Stichworte nicht hinaus. Die Erfahrung dieses Scheiterns macht er in den folgenden Jahren zum Thema der theoretischen Arbeit: Er widmet dem Übergang »vom Schreiben-Wollen zum Schreiben-Können« zwei Vorlesungen am Collège de France. Darin geht er der Frage nach, wie aus verstreuten Ideen ein Textkontinuum entsteht, das einen »Realitätseffekt« erzeugt. Er behandelt aber auch, am Beispiel von Proust, Flaubert und Tolstoi, den Prozeß des Schreibens sowie die »diätetischen Regeln«, denen sich die Autoren unterwerfen – die Einsamkeit, die Nacht, die Stimulanzien …

Pressestimmen

»Barthes entdeckt die Literatur neu als Drama des Wunsches zu schreiben, seiner Finessen, seiner Listen und Verwegenheiten: alles sagen zu wollen oder sich ins Schwqeigen zurückzuziehen, von Veröffentlichungen abzusehen, um den Entstellungen durch die Öffentlichkeit zu entgehen - eine vertrackte Psychologie, für die Chateaubriand, Stendhal, Flaubert, Proust und Kafka die Zeugen sind. Deren Schreibpraxis wird von Barthes in einer so großen Nahsicht behandelt, als wollte er den Trick erhaschen, der es ihm erlauben würde, von seiner gewohnten Schreibweise zu der des Romans zu finden.«
Henning Ritter, Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Es ist bekannt, dass Roland Barthes davon träumte, einen Roman zu schreiben. Es ist ebenso bekannt, dass daraus nichts wurde; die Sehnsucht aber, diesen Roman zu schreiben, hat wiederum ein Werk hervorgebracht: nämlich eine Folge von Vorlesungen, gehalten am Collège de France in den Studienjahren 1978/79 und 1979/80. Der Suhrkamp Verlag veröffentlicht nun die Mitschrift dieser Vorlesungen ... Der fragmentarische, zeitgeistige und auch fetischistische Charakter der Vorlesungen fordert uns Heutige geradezu auf, uns ihrer nach eigenen Bedürfnissen und Interessen zu bedienen. Heben wir also hervor: Die erstaunliche »Rückkehr zur Biographie«. Ausgerechnet Barthes, der sich der Erzählbarkeit des (eigenen) Lebens verweigert hatte, er, der den Nexus von Leben und Werk als reaktionär ablehnte, dieser Strukturalist von Herzen entdeckt also doch noch die Biographie.«
Ina Hartwig, Frankfurter Rundschau
»Was Roland Barthes seinen Hörern in seinen letzten Vorlesungen vor seinem Tod geboten hat, sprengt die Grenzen all dessen, was gegenwärtig als Literaturwissenschaft gehandelt wird. Das kann man ohne Provokation feststellen, und es erscheint umso erstaunlicher, dass man es dreißig Jahre nach seinem Tod sagen muss. ... Obgleich es sich prima vista um ein literaturwissenschatliches Buch handelt, zögert man nicht, Die Vorbereitung des Romans ein literarisches Ereignis zu nennen. Es ist auf der Grenzlinie zwischen theoretischer Analyse und künstlerischem Entwurf angesiedelt und stellt dain eine ganz eigene Form des literarischen Textes dar. Dass diese Innovation im Gewandder alten tante Vorlesung in Erscheinung tritt, hat dabei eine fast schon skurile Note. Nach zwei Jahrzehnten der Handbücher und des Neopositivismus könnte aber gerade dies der Literaturwissenschaft von heute neues Leben einhauchen.«
Christian Schärf, Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Ein außerordentlich geistreiches, ja großes Buch, ... es erinnert an die aphoristischen Methoden von Ludwig Wittgenstein, Friedrich Nietzsche und Blaise Pascal. Dass sich Barthes längst in der Nähe seiner bedeutenden Vorgänger befindet, weiß man spätestens nach der Lektüre dieses Buches.«
Manuel Karasek, Die Tageszeitung
»Die Vorlesung ist das bewegende Dokument einer intellektuellen Metamorphose und biographischen Zäsur. Sie handelt von einem Strukturalisten, der ein neues Leben - das heißt für ihn: ein neues Schreiben - beginnen will und davon träumt, dass aus ihm der Erzähler eines Romans heraustritt, wie aus Marcel Proust der Ich-Erzähler »Marcel« heraustrat.«
Lothar Müller, Süddeutsche Zeitung

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