Andrej Gelassimow
Durst

Aus dem Russischen von Dorothea Trottenberg
Durst
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D: 12,00 €
A: 12,40 €
CH: 17,90 sFr

Erschienen: 21.02.2011
edition suhrkamp 2624, Broschur, 115 Seiten
ISBN: 978-3-518-12624-0

»Gelassimow hat das Kunststück vollbracht, in brutaler Sprache ein höchst subtiles Buch zu schreiben.«

Urs Heftrich, Frankfurter Allgemeine Zeitung

 

Inhalt

Kostja kommt entstellt aus Tschetschenien zurück, bei einem Raketenangriff wurde sein Gesicht bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. In Moskau vergräbt er sich, säuft Wodka und zeichnet. Nur seine Nachbarin holt ihn gelegentlich aus seinem Kokon: Er soll ihrem Sohn Angst einjagen, wenn der mal wieder nicht ins Bett will. Eines Tages tauchen zwei ehemalige Kameraden bei ihm auf, sie suchen Sergej, der sie aus dem brennenden Panzer gezogen hat. Gemeinsam begeben sie sich auf eine Odyssee durch ein Land, dessen Menschen vom vergessenen Krieg im Kaukasus traumatisiert sind. Der lakonisch erzählte, stilistisch an Autoren wie Raymond Carver geschulte Kurzroman gilt als Schlüsseltext der russischen Gegenwartsliteratur.

Pressestimmen

»Der Kurzroman Durst ist ein literarisches Meisterwerk: In einer glasklaren Sprache führt Gelassimow das prekäre Bewusstseinsprotokoll seines Helden. Der Kurzroman Durst ist ein literarisches Meisterwerk: In einer glasklaren Sprache führt Gelassimow das prekäre Bewusstseinsprotokoll seines Helden. Kindheitsträume und Kriegstraumata formen Kostjas schwierige Identität, die er erst im schöpferischen Akt des Zeichnens annehmen kann. Damit gibt Gelassimow eine narrative Erklärung für die Selbsterschaffung vieler russischer Gegenwartsautoren: Schreiben bedeutet Abstand von den Zumutungen des Lebens zu nehmen und Intimität mit dem eigenen Ich zu pflegen..«

Ulrich M. Schmid, Neue Zürcher Zeitung

»Durst ist ein grausam lustiger Roman, der eine Welt ohne Mitleid beschreibt. Man fühlt sich an das lakonische Pathos deutscher Kriegsheimkehrer-Literatur von Heinrich Böll oder Wolfgang Borchert erinnert, häufiger aber noch an den grotesken Witz amerikanischer Soldatenfilme von Robert Altman oder Quentin Tarantino. … Mit großer Präzision stolpert Gelassimows Ich-Erzähler durch die Trümmer eines ungelebten Lebens. Die Sprache ist meist schroff, dann wieder voller elegischer Trauer. Gelassimow verschwendet nie ein Wort.«

Wolfgang Höbel, Der Spiegel 20/2011

»Gelassimow hat seine schnörkellose, lakonische Sprache an Tschechow und amerikanischen Autoren wie Raymond Carver oder Salinger geschult. Die Ökonomie des Textes zwingt den Leser gewissermaßen zur Mitarbeit, zu eigenen Bildern und Interpretationen. Aber Durst ist auch eine Miniatur darüber, wie sich die russische Literatur mit einer neuen, ungewohnten Stimme den Problemen des Landes stellt.«

Christine Hamel, WDR 5

»Wundervoll, wie Gelassimows lakonisch beiläufiges Erzählen die Tiefe des Erzählten zunächst verbirgt. Mehr davon!«

Mathias Schnitzler, Berliner Zeitung

»Andrej Gelassimow [gelingt es] hervorragend, mit ganz wenigen Worten oder akustischen Details die Atmosphäre in Kostjas Umgebung auf den Punkt zu bringen.«

Gisela Erbslöh, SWR

»Mit Durst ist Gelassimow ein Roman gelungen, der auf kleinstem Raum von den Grausamkeiten im Krieg und im Alltag erzählt und dabei eben nicht auf das große Ganze, die politische Ebene des Tschetschenien-Konflikts zielt. Das funktioniert gerade deshalb, weil er seinen Protagonisten so nüchtern erzählen lässt. Aber ohne Hoffnung kommt er nicht aus: Ja, der Krieg kann Existenzen zerstören, aber nur, wenn diese ihren grimmigen Optimismus und den Durst nach Leben aufgeben.«

Sebastian Dalkowski, fluter.de

Nachrichten

Kommentare

Liebe Suhrkamp-Macher, da haben Sie ein wirklich sehr gutes Buch vorgelegt! Eindringlich gerade wegen seiner klaren Sprache. Hier wird ohne viel Aufregung von den Versehrungen eines Krieges berichtet, der ganz Europa angeht. Die psychologischen Verwundungen werden nicht in den Vordergrund geschoben, sondern laufen äußerst subtil nebenher und betreffen nicht nur die Soldaten. Selten hat mich ein Buch in einem so hohen Maße "berührt" wie dieses. Und das doppelt: ich werde es wohl als einen der Basistexte meiner bevorstehenden Dissertation verwenden! Und ich hoffe sehr, dass es mehr Leser finden wird als nur mich.
Tobias Sichert, 01.03.2011

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