Durs Grünbein
Erklärte Nacht - Gedichte

Erklärte Nacht
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Erschienen: 18.03.2002
Gebunden, 152 Seiten
ISBN: 978-3-518-41305-0

Inhalt

Die Notation fotografisch genauer Wahrnehmungen verschmilzt in den Gedichten Durs Grünbeins mit Abschweifungen über vermeintlich Entferntliegendes zu konzentriertester Reflexion: über die Zeit und die Geschichte, über das Gewordensein des gesellschaftlichen Ganzen von der Antike über die Renaissance bis in die jüngste Vergangenheit, über den eigenen Platz in den Zeitläuften.
»Wohin aber sickert denn Zeit, / Nachdem sie die Körper durchlief? / Kein Tropfen im Grundwasser schreit. / Nicht Schweiß hat das Felsloch vertieft.«
Die Erkundung der Möglichkeiten des Individuums innerhalb der Grenzen seiner eigenen Lebenszeit und seines Lebensraums Großstadt sind seit langem Themen dieses Autors: »Warum bist Du hier? steht als Frage gleich morgens mit auf.« In seinen neuen Gedichten, die unter die Kapitelüberschriften Unzeitgemäße Gedichte, Neue Historien und Traktat vom Zeitverbleib geordnet sind, führt er diese Themen weiter und entfaltet sie in Langgedichten und Zyklen.
Das poetologische Titelgedicht, das auf ein Schönbergsches Orchesterstück anspielt, beschreibt als Movens das Fortschreiten in Oppositionen zwischen magischen und rationalen Definitionen der Poesie und beschließt den Band mit einem vorläufigen Fazit.

Pressestimmen

»Intensiven Erlebnissen gleich, vermögen die besten Gedichte - und das sind nicht wenige - den konstanten Strom der physikalischen Zeit für Augenblicke scheinbar zu verlangsamen, aufzuhalten, auszudehnen: gebannte Momente gelebter Zeit. [...] Viel in Grünbeins Dichtung erinnert an Benjamins Verfahren, einem Perlentaucher gleich kristallisierte "Denkbruchstücke" vom Grund der Vergangenheit heraufzuholen, sie mit ihrer gespenstischen Kraft stückweise in der Gegenwart anzusiedeln und dieser den falschen Frieden der gedankenlosen Selbstzufriedenheit zu rauben. [...] Die Kunst dieses mit unverblasster Begabung brillierenden Autors zeigt sich an etwas, was man den Faltenwurf seiner Sprache nennen könnte. In ihren Zwischenräumen begegnet man geraffter Zeit. Dichterische Schwerstarbeit hat sich in poetische Leichtigkeit aufgelöst.«
Thomas Wild, Berliner Zeitung
"Die Schönheit der Grünbeinschen Gedichte zeigt sich nicht im Klärenden, sondern in der Verwirrung, die sie stiften, ohne dass sie sich dadurch im Beliebigen verlieren würden. Vielmehr lassen sie teilhaben an einem Prozess des Findens, der um das Verlieren weiß. Aber sie eröffnen dem sehr komplexe Räume - Bereiche, die plötzlich Leuchtkraft erlangen - der es versteht, die Lücke im Text zu finden, die es gibt, auch wenn es sich manchmal nur um einen Spalt handelt."
Michael Opitz, Neues Deutschland
"Sein hoher Grad an klassischer Bildung, seine Intellektualität, aber auch die sprachliche Brillanz, die ihn immer wieder einprägsame Bilder für einschneidende menschliche Erfahrungen, für Tod und Vergänglichkeit finden lässt, sind hier versammelt."
Claudia Sandner-v. Dehn, Hessische Niedersächsische Allgemeine
"Ich habe nicht oft in den letzten Jahren so weltöffnende Gedichtsbände lesen können wie die von Drawert und Grünbein. Aus der Flut neubiedermeierlicher Harmlosigkeiten ragen sie sowieso hervor."
Peter Geist, Freitag
"Es sind die Assoziationen der Worte, der Bilder und der Geschichten, die sich nach der Lektüre dieser Gedichte so intensiv ins Gedächtnis festsetzen, dass einem die Welt außerhalb dieses Buches für eine Weile ganz flach und konturlos erscheint."
Tobias Heyl, Falter
"Dies sind Gedichte, die sich an einzelne wenden. Sie sind dem inneren Lesen zugedacht; das Lied, der Spruch, das Auswendiglernen liegen außerhalb ihres Bereichs."
Lorenz Jäger, Frankfurter Allgemeine Zeitung

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