Klaus-Michael Bogdal
Europa erfindet die Zigeuner - Eine Geschichte von Faszination und Verachtung

Europa erfindet die Zigeuner
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Erschienen: 14.11.2011
Gebunden, 592 Seiten
ISBN: 978-3-518-42263-2

Inhalt

Geborene Diebe und Lügner, Gefährten des Satans, Waldmenschen, unzähmbare Wilde, eine Bande von Asozialen … Dies sind nur einige der Zuschreibungen, mit denen die Romvölker Europas in den letzten 600 Jahren ausgegrenzt wurden. Wie es möglich wurde, daß jahrhundertealter Haß in einem Spannungsverhältnis von Faszination und Verachtung sich bis heute halten konnte, zeigt in seinem brillant recherchierten Buch nun Klaus-Michael Bogdal zum ersten Mal im europäischen Vergleich.
Der Autor weist in dieser spannend und anschaulich erzählten Geschichte nach, wie die Europäer zum verachteten Volk am unteren Ende der Gesellschaftsskala stets die größtmögliche Distanz suchten. Keine der unterschiedlichen Gesellschafts- und Machtordnungen, in denen sie lebten, ließ und läßt eine endgültige Ankunft in Europa zu. Ohne einen schützenden Ort sind sie seit ihrer Einwanderung vor 600 Jahren ständigen Verfolgungen und Ausgrenzungen ausgesetzt: in den Imaginationen der Kunst und in der politischen Realität.
Das Buch umfaßt die Geschichte der Darstellung der ›Zigeuner‹ in der europäischen Literatur und Kunst vom Spätmittelalter bis heute – von Norwegen bis Spanien, von England bis Rußland. Die Dokumente, die Bogdal heranzieht, reichen von den frühen Chroniken und Rechtsdokumenten über ethnographische Werke und künstlerische Darstellungen bis hin zu den Holocausterinnerungen von Sinti und Roma.

Pressestimmen

»Diese Studie liest sich...anregend klar, bereichernd, oft beschämend, wenn etwa der Bundesgerichtshof 1956 Verfolgungen der ›Zigeuner‹ als ›sicherheitspolitische und kriminalpräventive‹ Maßnahmen gegenüber ›primitiven Urmenschen‹ bewertet.«

Rolf-Bernhard Essig, Die Zeit

»Bogdal ist trotz der im Untersuchungsgegenstand angelegten Wiederholungen von Zigeuner-Klischeebildern eine höchst differenzierte, gänzlich unkitschige und zuweilen mitreißende Studie gelungen, die nicht umhinkann, ihre Ergebnisse in eine aktuelle Warnung zu überführen …«

Uwe Ebbinghaus, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Die profunde Studie [ist] eine spannend zu lesende Tour de Force durch ein unbekanntes Feld der Geschichte. Auf jeden Fall hat sie das Zeug zu einem Standardwerk.«

Edelgard Abenstein, Deutschlandradio Kultur

»Die Studie des Literaturwissenschaftlers Bogdal zeichnet die Entwicklung dieses Bildes von der Ankunft der Roma in Europa bis zur Gegenwart detailliert nach... wie Literatur und Wissenschaften unterschiedlicher Ausprägung das Bild vom Zigeuner jeweils den unterschieldichen Anforderungen anpassten. In seiner Studie wird auch klar, dass es über Jahrhunderte hinweg die Mehrheit der Nicht-Zigeuner war, die über die Zigeuner schrieb und die damit ihre Definitionsmacht ausübte.«

Herbert Heuss, Sächsische Zeitung

»Bogdals Studie ist einerseits chronologisch aufgebaut, vom ausgehenden Mittelalter bis heute, beschäftigt sich andererseits aber mit sehr unterschiedlichen europäischen Kulturräumen: von Spanien bis Russland, von Schweden bis Rumänien. ...Bogdals Buch bietet viele Ansätze. Denn es ist nicht nur politisch alamierend, sondern auch intellektuell elektrisierend.«

Steffen Richter, Tagesspiegel

»In einer großen interdisziplinären Arbeit belegt der Bielefelder Literaturwissenschaftler seinen Vorwurf der ›Feinderklärung‹ aus regierungsamtlichem Handeln, pseudowissenschaftlicher Taktik von Völkerkundlern, Historikern, wildgewordenen Rasse-›Forschern‹, die die öffentliche Meinung aufputschen, und auch aus der Literatur.«

Rainer Hartmann, Kölner Stadt-Anzeiger

»Klaus-Michael Bogdals Buch ist für das Verständnis der gegenwärtigen Situation der Roma in Europa und deren Hintergründe unentbehrlich. Man möchte hoffen, dass es seinen Weg in den Geschichtsunterricht und auf den Schreibtisch von Politikern findet - denn, wie Bogdal so treffend bemerkt, der europäischen Kultur ist die Fähigkeit zur Entzivilisierung noch nicht abhandengekommen.«

Cia Rinne, Die Tageszeitung

»Der Bielefelder Literaturwissenschaftler Klaus-Michael Bogdal hat es in einer umfangreichen und äußerst lesenswerten Studie unternommen, die europäischen Projektionen zu rekonstruieren, die sich auf die Zigeuner als Inkorporation des Fremden schlechthin richten.«

Ulrich Schmid, Osteuropa 12/2011

»… indem er die Mechanismen der Ausgrenzung aufdeckt, leistet er einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der bis heute marginalisierten Gruppe. Die klare Sprache und spannende Erzählweise macht das Buch trotz seines beträchtlichen Umfangs auch außerhalb akademischer Kreise lesenswert.«

Stephanie Kirchner, Frankfurter Neue Presse

»Der Bielefelder Literaturwissenschaftler Klaus-Michael Bogdal geht in seiner umfassenden Studie Europa erfindet die Zigeuner den Spuren nach, die die Romvölker über 600 Jahre in juristischen, politischen und literarischen Dokumenten hinterlassen haben. ... da die Romvölker über keine Schriftkultur verfügten ... ist seine Spurensuche ein wertvoller Beitrag zu einer Rekonstruktion der Geschichte der europäischen Roma. Und mit Europa erfindet die Zigeuner will der Autor auch einen Beitrag leisten, um in der heutigen Situation nicht wieder in die alten Muster von Vorurteilen und Verfolgung zurückfallen.«

Eva Pfeister, Lesart 18.Jg. Heft 04/2011

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