Marguerite Duras
Hefte aus Kriegszeiten

Aus dem Französischen von Anne Weber. Herausgegeben von Sophie Bogaert und Oliviert Corpet. Mit Abbildungen
Hefte aus Kriegszeiten
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D: 24,80 €
A: 25,50 €
CH: 35,50 sFr

Erschienen: 01.10.2007
Gebunden, 396 Seiten
ISBN: 978-3-518-41924-3

Inhalt

Hefte aus Kriegszeiten hat Marguerite Duras die vier dichtbeschriebenen Schulhefte genannt, die sie lange Zeit in ihrem legendären »blauen Schrank« aufbewahrte. Die Aufzeichnungen aus den Jahren 1943 bis 1949, vom Beginn ihrer schriftstellerischen Laufbahn, sind von ganz eigenem Reiz. Hier finden sich bereits die zentralen Themen ihres Lebens und späteren Werks: Kindheit und Jugend in Indochina; die ambivalente Beziehung zur Mutter und zu den beiden Brüdern; die Beziehung zu einem Vietnamesen, die sie später in ihrem berühmtesten Roman, Der Liebhaber, gestaltet. Marguerite Duras protokolliert das qualvolle Warten auf ihren in Buchenwald internierten Mann, Robert Antelme, dessen Rückkehr, die Trennung von ihm, erzählt von ihrem Engagement in der Résistance, vom Tod ihres ersten Kindes, der Geburt des Sohnes Jean.

Mit dieser Edition ist die große Schriftstellerin Marguerite Duras neu zu entdecken: für jene, die mit ihrem Werk vertraut sind, ebenso wie für jene, denen es noch unbekannt ist. In den Heften aus Kriegszeiten sind die Beweggründe ihrer Arbeit, die privaten, politischen und intellektuellen, offengelegt. Der Leser kann der Autorin beim Schreiben zusehen, ihre Lebensumstände kennenlernen, sich die gesellschaftlichen Konflikte vor Augen führen. Zusätzlich enthält dieser Band bisher unveröffentlichte frühe Erzählungen – eine Sensation für sich.

Pressestimmen

Die Hefte aus Kriegszeiten erweisen »die Kontinuität eines Werkes, dessen Autorin von Anfang an gleichzeitig die Entblößung wie die Überhöhung der eigenen Person betrieb und dabei keine Zweideutigkeiten scheute, diese vielmehr lustvoll auf die Spitze trieb. Marguerite Duras hat sehr früh gelernt, sich nicht vor dem Verderben zu fürchten, sondern es zu suchen – in der Verdorbenheit. Einmal äußerte sie in einem Gespräch: ›Ja, die Frau besitzt diese unvergleichliche Gnade, im Zustand des konstanten Verderbens zu sein … Verdorben zu sein, das ist prächtig. Das unterliegt noch der Kindheit. Alle Kinder sind verdorben … Das liebe ich an den Frauen.‹ Liebenswerter hat sie dieses Geständnis nicht gemacht. Aber es hat den Vorzug der Wahrhaftigkeit.«
Peter Hamm, Die Zeit
»Die Radikalität, mit der Marguerite Duras Gerichtstag über sich selbst hält, die Rücksichtslosigkeit der Darstellung und die Prägnanz der Sprache in diesen frühen Texten sind beeindruckend. ... Ihrem Wahrheitshunger, ihrem Wunsch, bis auf den Grund aller menschlichen Regungen zu gelangen, geht Marguerite Duras mit nie nachlassender Energie nach. Und doch: Diese Autorin kennt und liebt auch das Zarte, immer ist es bei ihr, versteckt oder offen, vorhanden. Nicht zuletzt ist sie eine Meisterin in der Beschwörung kleiner verzauberter Momente: Wenn sie sich erinnert, wie sie mit einer Freundin nackt am Meer gelegen hat, oder wenn sie die frühmorgendlichen Stimmen und Klänge in einer kleinen Pariser Strasse beschreibt, folgt man ihr hingerissen.«
Claus-Ulrich Bielefeld, Tages-Anzeiger
»Dieses Buch ist eine Überraschung.«
Thomas Laux, Neue Zürcher Zeitung
»Die Hefte aus Kriegszeiten sind Schlüsseltexte. Nicht deshalb, weil sie wahrer wären als die anderen. Sondern weil sie den Blick auf genau das wilde, undurchdringliche Dickicht freilegen, in dem bei ihr Wirklichkeit und Fiktion ineinander verstrickt sind. Mit den Heften aus Kriegszeiten beginnt das große Abenteuer der Marguerite Donnadieu, die sich, nach dem französischen Landstrich, aus dem ihr Vater stammte, später Marguerite Duras, dann »die Duras« nannte. ... Es ist gut, eine Weile lang die Tür zuzumachen und sich zurückzuziehen mit den Heften, dem Schmerz und dem Liebhaber. Als eine andere kehrt man anschließend wieder zurück ins Leben.«
Julia Encke, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
»Ihre Prosa ist immer dann faszinierend, wenn Duras moralisch unkorrekt, mit ausgeprägtem Sinn für Schamlosigkeit schreibt, wenn sie ihre ganze Boshaftigkeit hergibt, wenn sie statt Zeilen Striemen auf dem Papier hinterlässt.«
Julian Schütt, Die Weltwoche
»Hier sind die Menschen mit der Auslotung ihres Schicksals beschäftigt: vom Leben in ihrem innersten Gewebe zerzauste Geschöpfe, grandios überzeichnete Spiegelungen, Schattenbilder eigenen Erlebens. Sie bilden die Folie, auf der sich plastisch die eigentliche Leidenschaft der Schriftstellerin zeigen kann. Je tragischer, je zerstörerischer die Verhältnisse, desto deutlicher kann sich eine sprachliche Gegenwelt etablieren, die mit dem Willen zur Furchtlosigkeit geradezu imprägniert ist.«
Gisela von Wysocki, Literaturen

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