»Dieses magnum opus - das sich als solches darstellt und zugleich ironisch demontiert - bildet die Schnittstelle zwischen den alten und den neuen Medien, zwischen dem Kino und der digitalen Industrie. Die Bilder verlieren ihre alte Einzigartigkeit und Unabhängigkeit, aber sie nutzen den neuen Charme der Verfügbarkeit und gewinnen vereint neue Power. Godard spielt den Zauberlehrling, der sie nicht mehr bannen will. ... Die Histoire(s) erzählen die Geschichte des vorigen Jahrhunderts in der Gegenrichtung, prospektiv, das heißt, sie verändert sich in die Zukunft hinein. Oscar Wilde wird zitiert, mit seinem berühmten Satz: »Eine genaue Beschreibung dessen, was nie stattgefunden hat, ist die wahrhafte Aufgabe des Historikers«. Das macht das Pathos dieses Kinos aus, und seine politische Kraft.«
Fritz Göttler, Süddeutsche Zeitung
»Acht Teile (mit über vier Stunden Laufzeit), die sich als Filmgeschichte präsentieren, aber auch als Geschichte des 20. Jahrhunderts und des Filmemachers Godard. Geschichte nicht als lineares Konstrukt, sondern konzentriert, sedimentär, mit Hilfe der Verschiebungstechniken der Traumarbeit.«
Fritz Göttler, Süddeutsche Zeitung Nr.280
»Es ist der Grandeur und Niedergang des Kinos, den Godard hier zelebriert ... . Es ist auch, im wörtlichen Sinne, ein Werk der Depression, ein Mann setzt sich der Dunkelkammer seiner Erinnerungen aus, und man spürt die Überwältigung, aber auch den Schrecken dieses Reichtums. Ein Schrecken, den Godard durch Monomanie zu bannen sucht. Die Geschichte des Kinos organisiert er wie eine illustre Soirée, eine Gesellschaft von Leuten, die man kennt, die durch die einzelnen Folgen flanieren, John Ford und Rossellini, Mr. Arkadin und Mark Dixon, der Detektiv, Gilda und Madeleine (aus ›Vertigo‹), Stroheim und der Hauptmann von Rauffenstein, Doktor Faust und sein Mephisto. ... So funktioniert die Filmgeschichte, sagt Godard, so funktioniert Geschichte, gemäß dem alten Satz: ›Das Vergangene ist niemals tot. Es ist nicht einmal vergangen.‹«
Fritz Göttler, Süddeutsche Zeitung
»Wenn die Filmedition Suhrkamp nun eine deutsche Fassung vorlegt, dann handelt es sich dabei eher um eine weitere Version als um eine verbindliche Ausgabe – das Projekt, das als archäologisches begann, ist inzwischen selbst zu einem Gegenstand der Archäologie geworden, denn es trägt so viele Schichten in sich, dass es verfehlt wäre, nach einer kanonischen zu suchen.«
Bert Rebhandl, Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Ein Prosagedicht voller Rätsel und Momente unfassbarer Schönheit, eine raunende Tour de Force durch die Filmgeschichte(n) und die kriegerische Historie des 20. Jahrhunderts. ... Diese Bilder geben keine Ruhe; sie kehren wieder, verändern ihre Form und finden sich in einem anderen Kontext wieder. Godard archiviert das Kino somit nicht, sondern erweitert es um bisher Ungesehenes.«
Alexander Müller, Rolling Stone Ausgabe 181/ November 2009
»In seiner Dichte, Thesenfülle und Kreativität ist dies ein überzeugendes ... Werk, das bei genauer Betrachtung unzählige Nuancen eröffnet. Nun ist es als DVD erschienen, mit einem aufwändigen Booklet und seinem Stellenwert als Ausnahmewerk gemäß in der filmedition suhrkamp.«
Urs Berger, Biel-Benkemer Dorf-Zytig Nr. 417