William T. Vollmann
Hobo Blues - Ein amerikanisches Nachtbild

Aus dem Amerikanischen von Thomas Melle. Mit zahlreichen Abbildungen
Hobo Blues
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D: 19,80 €
A: 20,40 €
CH: 28,50 sFr

Erschienen: 23.03.2009
Gebunden, 275 Seiten
ISBN: 978-3-518-42019-5

Inhalt

William T. Vollmann, Träger des renommierten National Book Award und in den USA längst ein Star, erforscht »in seiner ausufernden, faszinierenden Prosa« die menschliche Existenz, schonungslos, erfahrungshungrig und mit »unübertroffenem Einfühlungsvermögen« (FAZ). In seiner neuen literarischen Reportage widmet er sich nun einem nationalen Mythos: dem Hobo – Held und Opfer des American Dream. Der auf Güterzügen reisende Tramp ist spätestens seit der Great Depression, als Tausende von Wanderarbeitern durch das Land zogen, Teil des amerikanischen Imaginären. Woody Guthrie und Bob Dylan haben ihn besungen, Mark Twain, Jack London und Ernest Hemingway setzten ihm in ihren Büchern Denkmäler. Vollmann, selbst ein Getriebener, kennt die unstillbare Sehnsucht nach dem freien Leben und macht sich auf den Weg, die Realität hinter dem geschichtlichen, politischen und literarischen Vermächtnis zu erkunden. Mit seinem Kumpel Steve erklimmt er Güterwaggons und reist kreuz und quer durch den amerikanischen Westen; er beschreibt die wilde Schönheit der Landschaft und den Nervenkitzel des illegalen Reisens, interviewt Hobos und gibt sich Rechenschaft über den Wunsch, seiner bürgerlichen Existenz zu entfliehen. Aus Vollmanns Impressionen und Reflexionen entsteht so ein transitorisches Nachtbild der heutigen USA – der Träume, Alpträume und Begierden einer Nation, deren wichtigstes Gut einmal die Freiheit ihrer Bürger war.

Pressestimmen

»Nichts wäre diesem Autor fremder als Eindeutigkeit. In seinem Innersten hinterfragt er den alten amerikanischen Traum von Freiheit und Glück und bestätigt ihn doch zugleich auf die ihm eigene verquere Weise. Seine Zerrissenheit zeugt von der Widersprüchlichkeit der Welt, mit der er es zu tun hat. Und mit jedem neuen Gedanken scheint die Erkenntnis weniger und die Skepsis größer zu werden. Umso schöner, dass seine Sätze beim Lesen genau jene anregende Kraft entfalten, von der er selbst spricht: ›Wenn der Verfasser erst einmal mit ihnen fertig ist, sind sie lebendig, solange sie uns inspirieren.‹«

Nico Bleutge, Süddeutsche Zeitung

»Der 1959 geborene William T. Vollmann ist bekannt dafür, daß er für seine Bücher einiges riskiert: Einerseits überschreitet er virtuos die Genregrenzen zwischen Erzählung, Essay und Reportage. Andererseits sind seine teils lebensgefährlichen Expeditionen legendär. [...] Über die Versuche, seiner ›bürgerlichen‹ Welt zu entfliehen, indem er mit seinem Freund Steve auf ›Trainhopping‹ geht, darüber hat er nun ein weiteres Buch über die Nachtseiten der Vereinigten Staaten geschrieben. [...] Vollmann ist wie so viele amerikanische Schriftstellerkollegen vor ihm ein gebrochener Romantiker, immer auf der Suche nach einem imaginierten Utopia. Das für den einen oder anderen Moment aufscheint.«

Jürgen Lentes, Junge Welt

»Die Art und Weise, wie Vollmann uns das Leben als eine stetig voraneilende Ansammlung einzelner Momente präsentiert, passt nicht nur zur Schilderung der Lebensumstände der Hobos. Durch sie gelingt es ihm auch, das Geschehene für die Leser zu einem intensiven Erlebnis zu machen.«

Martin Rühling, woxx Nr. 1025

»Dieses wunderbar poetische Buch macht vertraut mit fast mythischen Lebenskünstlern.«

Kleine Zeitung, Graz

»Vollmann schreibt über Hobos, über die in Amerika mit Hilfe der Eisenbahn illegal reisenden Tramps, und er schreibt über Melancholie, über den Blues. Zusammen ergeben diese beiden Themen ein Resümee über den Verlust von Heimat. ... Dabei ist es die kritische Selbstreflexion des eigenen Handelns, die die Lektüre so empfehlenswert erscheinen lässt. Gerade in den Passagen, in denen Vollmann über seine Motivation schreibt, an sich selbst Fragen stellt, gelingen ihm kleine Prosaminiaturen, pointierte Gedankenspiele ... Zu dem hervorragend geschriebenen, journalistische und fiktionale Elemente verbindenden und ebenso herausragend von Thomas Melle übersetzten Text hat der Autor den vorliegenden Band zusätzlich noch mit umfangreichem Fotomaterial von seinen Reisen auf Güterzügen versehen.«

Thomas Neumann, literaturkritik.de Nr. 9, September 2009

Audiobeiträge

Kommentare

Wer glaubt, schon alles über Hobos gelesen zu haben, weil er Jack London, John Steinbeck und Kerouac intus hat, der sollte sich schleunigst Vollmanns »Hobo Blues« zulegen. Ein grandioses Buch über die Sehnsucht nach einer Freiheit, die es so tatsächlich nur in den USA geben kann, geschrieben von einem, der weiß, daß man sich diese Freiheit nur nehmen kann, wenn man auch bereit ist, ihren Preis zu zahlen, wobei man mit ein paar gebrochenen Knochen vergleichsweise noch gut bedient ist. Erfüllt von einer tiefsitzenden, existentiellen Melancholie, doch nie sentimental überhöhend, rettet Vollmann einen der großen amerikanischen Mythen in die Gegenwart und setzt Generationen von heimatlosen und getriebenen Existenzen ein ebenso würdiges wie lesenswertes Denkmal.
H. Debes, 20.06.2009

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