Cees Nooteboom
»Ich hatte tausend Leben und nahm nur eins« - Ein Brevier

Herausgegeben von Rüdiger Safranski. Aus dem Niederländischen von Helga van Beuningen u. a.
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D: 15,00 € *
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CH: 21,90 sFr

Erschienen: 23.06.2008
Leinen, 190 Seiten
ISBN: 978-3-518-41975-5

Inhalt Inhaltsverzeichnis

Spätestens seit den großen Erfolgen von  Rituale und Die folgende Geschichte fasziniert der Geschichtenerfinder Cees Noote­boom sein deutsches Publikum mit einem unnachahmlich leicht-sinnig inszenierten Spiel von Möglichkeit und Wirklichkeit, Schein und Sein. Und es ist die Beschäftigung mit den ewigen Rätseln unserer Existenz, gepaart mit dem Talent zur Aufmerksamkeit, die Nooteboom auch als den großen Reisenden unter den europäischen Schriftstellern auszeichnet: »Denn was bedeutet Reisen eigentlich?« fragt er sich. »Bedeutet es zu sein, wo man ist, oder bedeutet es, eine wirkliche Welt auf die Welt der eigenen Phantasie zu legen und nachzusehen, ob die beiden sich decken?«

Zu Cees Nootebooms 75. Geburtstag hat Rüdiger Safranski eine Auswahl an prägnanten Passagen aus den Romanen, Erzählungen, Gedichten und Reiseessays seines langjährigen Freundes erstellt. Entstanden ist ein Porträt des romantischen Ironikers und lebensklugen Nomaden, des Kundigen der Künste und Kontinente und, nicht zuletzt, des luziden Beobachters der jüngsten deutschen Geschichte. Ein Brevier zum Suchen und Finden, Kennenlernen und Wiederentdecken.

Kommentare

Nootebooms Brevier "Ich hatte tausend Leben und nahm nur eins" beinhaltet bemerkenswerte Gedanken und Gedichte dieses sehr nachdenklichen niederländischen Schriftstellers.
Cees Notebooms Grundthemen in seinen Büchern und Reisebeschreibungen sind das Erleben der Zeit, der Tod und der Prozess des Schreibens als eine Möglichkeit zum Entwurf gleichsam neben der Realität gültiger Wirklichkeiten.

Bevor ich mich in seine Gedanken zu Bildern, Porträts, Charakteren, auch in seine Frage: "Warum Reisen? " und in weitere Gedanken zu Zeiten, Wegen, historischen Augenblicken, Europäischem, Schreiben, Lesen sowie Lieben vertieft habe, las ich zunächst seine Geistesblitze.
Zu jedem einzelnen Bonmot könnte man einen Besinnungsaufsatz schreiben, doch das würde an dieser Stelle zu weit führen.

Wie viel Dankbarkeit und positive Erfahrung mit der Liebe impliziert der Satz "Wer einmal die Gestalt eines Verliebten angenommen hat, isst und trinkt alles, Teller voll Disteln, Fässer voll Essig"? Wie viel Selbstbeobachtung aber auch gutmütige Akzeptanz gegenüber dem Eigenleben von Gedanken lässt die Sentenz "Die Erinnerung ist wie ein Hund, der sich hinlegt, wo er will" erkennen?
Mit jedem einzelnen Geistesblitz zeigt Nooteboom wie tief er über Fragen des Lebens und anderes mehr reflektiert hat.
Wer in der Lage ist in einem knappen Satz all das zu äußern, wofür nicht wenige viele Seiten benötigen, beweist, dass er kein selbstdarstellerischer Schwätzer ist.
Nooteboom ist im Laufe seines Lebens weise geworden. Seine Weisheit beruht auf harter Arbeit an sich selbst und auf seiner brillanten Beobachtungsgabe. Das wird bei der Lektüre des Büchleins unzweifelhaft deutlich.
Der Niederländer beschreibt mit großem Einfühlungsvermögen Gemälde, Bilder und Filme. Besonders gefallen haben mir seine Gedanken zu einem Gemälde, auf dem die preußische Königin Luise von Preußen verewigt worden ist. Nooteboom sagt an einer Stelle, die mich sehr berührt hat, " Ich kenne keine Frau, die so schauen kann. Sehr verwirrend. Dieser Blick ist ausgestorben ". Vielleicht ist im 20. Jahrhundert der einstige Liebreiz von Frauen auf der Strecke geblieben, weil sich ihre Träume verändert haben, wer weiß... Vielleicht ist die Zeit der Unschuld vorbei, wer weiß....
Der Schriftsteller denkt über alte Fotographien nach und setzt sich u .a. mit Ingmar Bergmanns Film "Wilde Erdbeeren" auseinander. Nootebooms subtile Betrachtungen zu dem Film haben mich begeistert.

Nootebooms Reisebetrachtungen haben mich beeindruckt, auch seine Erinnerungen an historische Augenblicke.
Wie schade, lieber Herr Nooteboom , dass Sie Weimar in so unangenehmer Erinnerung behalten haben. Reisen Sie abermals nach Thüringen. Sie werden überrascht sein über das Neuerwachen der alten Dichtermetropole.:-)

Ich kannte den Lyriker Nooteboom bislang noch nicht und sehe jetzt, was ich versäumt habe.
"Alles von dir werd ich vergessen, außer dich/....Durch dein Bildnis hindurch seh ich die flehende Sehnsucht,/ aus der wir vertrieben sind./....

Ein wunderbarer Poet und überaus nachdenklicher Schriftsteller.
helga-koenig, 11.02.2009

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