Anna Katharina Hahn
Kürzere Tage - Roman
D: 19,80 €
A: 20,40 €
CH: 30,50 sFr
Erschienen: 09.03.2009
Gebunden, 223 Seiten
ISBN: 978-3-518-42057-7
»Kürzere Tage von Anna Katharina Hahn sollte man nicht ohne Superlative vorstellen. Es ist einer der besten deutschsprachigen Romane - unserer Zeit sowieso, aber auch überhaupt.«
Inhalt
Marco wohnt im Hochhaus an der Hauptstraße. Von hier ist es nicht weit bis zum Olgaeck, und hinter dem Olgaeck liegt die Constantinstraße, wo die Altbauten unter Denkmalschutz stehen und die Äpfel beim türkischen Feinkosthändler teurer sind als im Hauptbahnhof. Hier wohnen die Aufsteiger, Übermütter und ihre wohlerzogenen Kinder. Hier scheint alles in Ordnung – wenn man nicht vom Supermarkt ins Büro und vom Büro in den Kindergarten hetzt, so wie Leonie, wenn man nicht am Doppelleben als Karrierefrau und Mutter verzweifelt. Judith findet Halt in der Anthroposophie. Hingebungsvoll pflegt sie den Jahreszeitentisch für ihre Kleinen. Doch nachts helfen nur Tabletten gegen die Angst. Im Nebenhaus wohnen die alten Posselts. Sie haben geschafft, wovon die Enkelgeneration nur träumt, nämlich ein Leben lang zusammenzubleiben. Da versetzt Marco die Nachbarschaft in Aufruhr.
Kürzere Tage ist eine wortmächtige Bestandsaufnahme und eine melancholische Abrechnung mit einer Gesellschaft, in der alle Werte fragwürdig geworden sind.
Wohlstand und Aussichtslosigkeit, Eurythmie und Hysterie, Elternglück und Kinderleid. Virtuos schildert Anna Katharina Hahn das satte Stuttgart von einer anderen Seite.
Pressestimmen
»Kürzere Tage ist eine wortmächtige Bestandsaufnahme und eine melancholische Abrechnung mit einer Gesellschaft, in der alle Werte fragwürdig geworden sind. Wohlstand und Aussichtslosigkeit, Eurythmie und Hysterie, Elternglück und Kinderleid. Virtuos schildert Anna Katharina Hahn das satte Stuttgart von einer anderen Seite.«
»... das Porträt des neuen Bürgertums, das seine Kulturverluste mit einem Katalog minimalistischer Verhaltens- und Konsumkonzepte kompensiert. Selten wird unsere Gesellschaft in der deutschen Gegenwartsliteratur so gut und genau beschrieben wie hier von Anna Katharina Hahn. Eine Gesellschaft, die an einem so irrsinnigen wie simplen Problem krankt, an der Frage: Wie soll man eigentlich leben? ... Natürlich verdankt Anna Katharina Hahn die Präzision und Plausibilität dieses Gesellschaftsromans zunächst zwei ganz einfachen schriftstellerischen Qualitäten: unerhörter Menschenkenntnis und ebenso großer Sozialkenntnis.«
»Hahns Kürzere Tage rauben uns die Nächte. Sie erzählt von den beiden Müttern Leonie und Judith, vom missbrauchten Elendskind Marco, von den beiden alten Posselts. Und wie Anna Katharina Hahn in ihren kurzgeschichtengleich wunderbar gerundeten Kapiteln vom verrottenden, verwahnenden Mittelstand erzählt und vom Elend der Integration, von den verzweifelten Träumen der Jungen und dem Verenden von Lebensläufen, wie zärtlich und böse und genau zugleich sie in die Hirne hineinsieht von Supermüttern, Missbrauchten und Vereinsamten, das ist schon atemberaubend. Angst grundiert diese modern-gutbürgerliche Vorhölle. Und wenn wir etwas von ihr wissen, dann das: diese Angst, diese Beklemmung, diese Vorhölle ist überall, nicht nur am Neckar. Ein Buch also für alle.«
»Eine Erzählerin, die es faustdick hinter den Ohren hat.«
»Dem schönen bürgerlichen Schein hat dieser Roman das Licht ausgeblasen.«
»Hahns Roman führt Judith und Leonie nicht vor - nicht in ihrem perfektionistischen Wahn, die Fassade der Bürgerlichkeit zu wahren, und nicht in dem Scheitern daran. Und dennoch entlarvt er die Widersprüche, in denen die beiden 30-jährigen Frauen stecken, mit schonungsloser Ironie. Heraus kommt eine Milieustudie, die sich nicht mit Befindlichkeiten abgibt.«
»Anna Katharina Hahns multiperspektivische Milieustudie erinnert in ihrer Kompromisslosigkeit gelegentlich an Elfriede Jelinek, in ihrem nüchternen Erzählstil an Katharina Hacker, in ihrer Schärfe an den jungen Walser.«
» ›Kürzere Tage‹, so der Titel des Buches, deuten die Neige des Jahres an, aber auch eine Wohlstands- und Wohlanständigkeitsdämmerung, die nicht nur im Schwäbischen spürbar ist und die selten so scharfsichtig und körpernah, so unbestechlich und anklagefrei geschildert worden ist wie in dem außerordentlichen Debütroman der Stuttgarter Schriftstellerin. ... Hahn blickt nicht nur ›hinter‹ die Fassaden, pflegt die gewohnte Kulturkritik in der Durchwanderung sattsam vertrauter Milieus. Sie zoomt so nah heran wie kaum eine andere Autorin der Gegenwart, zeichnet ihre Figuren fast schmerzhaft erhellend, blättert die direkt sprechenden Stellen in den biographischen Skizzen der Protagonisten auf, ohne zu analysieren und lässt ohne breiten aufschließenden Schilderungsballast Körperbewegungen, Räume und Dinge in einem mitreißenden Rhythmus sprechen.«
»Das, was als bürgerliches Idyll in einem Straßenzug beginnt, birgt eine sich unheilvoll steigernde Spannung. Der dekorative Stuck platzt überall ganz allmählich - und doch überfordert Hahns ruhiger Erzählton keine Lesegewohnheit. Ganz im Gegenteil: Kürzere Tage ziehen in ihren Bann, je länger man liest.«
»Kürzere Tage ist eines dieser Bücher, das so schlicht und unauffällig daherkommt, dass es Gefahr läuft, übersehen zu werden. Wenn man dann aber die ersten Zeilen gelesen hat, dann möchte man es gar nicht mher hergeben. Anna Katharina Hahn gelingt es virtuos, die Fäden zwischen ihren Charakteren zu spinnen. Es ist als schaue man durch ein Fernrohr und betrachte die Menschen dabei, wie sie sich abrackern am ganz normalen Leben. Hahn ist eine eindringliche Momentaufnahme gelungen, die nachdenklich stimmt.«
»Ein eindrucksvoller und spannender Gesellschaftsroman mit Lokalkolorit: sehr genau beobachtetes Milieu, einfühlsam und variantenreich erzählt.«
»Wie unter dem Mikroskop zeigt der Roman die schleichende Verrohung. Eine grandiose, unterhaltsame Milieustudie.«
»Was Kürzere Tage vor allem ausmacht, ist seine ungerührt-genaue Sprache und Anna Katharina Hahns schon im Erzählungsband Sommerloch bewiesene Fähigkeit, Milieus bis in die kleinsten Gesten hinein zu erfassen. ... Dem schönen bürgerlichen Schein hat dieser Roman das Licht ausgeblasen.«
»Stuttgart, die im Rest der Republik so ungeliebte Stadt, eignet sich für einen Gesellschaftsroman überraschend gut. Die Topographie erfrischt den Blick, sie verbietet die Einengung auf ein Milieu oder auf einen Kiez. Vielleicht ist es das, was den Roman mit dem Fortschreiten der Krise noch interessanter machen könnte. Wie krisenfest ist diese Welt mit ihren Eliten?«
»Anna Katharina Hahn hat ein unerhört emphatisches Buch geschrieben. Eine ganz großartig nachfühlbare Studie einer Menschen- und Gesellschaftsaufschichtung. Erst mit Soziologenblick hingesehen, dann schnörkellos erzählt und den Leser reingeholt und hin- und hergereicht.«
»Neben der kunstvollen, komplexen Verstrickung der verschiedenen Handlungsabläufe beeindrucken vor allem die detaillierten, sich einander ergänzenden Milieubeschreibungen aus der jeweiligen Perspektive der Protagonisten. Nach dem Lesen des Romans Kürzere Tage ist der eigene Blick auf die unmittelbare Welt wieder geschärft. Indem die in Stuttgart lebende Autorin Anna Katharina Hahn die verschiedenen Lebensmodelle gleichberechtigt und mit durchdringendem Verständnis schildert, vermeidet sie jede Wertung und liefert eine Menge Diskussionsstoff.«




