Dezsö Kosztolányi
Lerche - Roman

Aus dem Ungarischen übersetzt von Heinrich Eisterer. Mit einem Nachwort von Ilma Rakusa
Lerche
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CH: 21,90 sFr

Erschienen: 27.08.2007
Bibliothek Suhrkamp 1423, Pappband, 217 Seiten
ISBN: 978-3-518-22423-6

Inhalt

Lerche, eines der populärsten Bücher der mitteleuropäischen Moderne, spielt in wenigen Septembertagen des Jahres 1899 in einem ungarischen Provinznest namens Sárszeg. Lerche, eine junge Frau, die Vater und Mutter den Haushalt führt, wird zur Erholung aufs Land geschickt. Kaum ist sie fort, brechen die Eltern aus ihrem zurückgezogenen Leben aus: Sie essen im Restaurant, lassen sich zum Opernbesuch überreden. Der Vater, Archivar und Heraldiker, nimmt seine alte Leidenschaft, das Tarockspiel, wieder auf und kommt spätnachts betrunken nach Hause. Auch die Mutter leistet sich ihre kleinen Exzesse. Als der Zug, der Lerche zurückbringen soll, sich verspätet, werden die Eltern von maßloser Angst ergriffen. In einem kurzen Moment, dessen Ambivalenz der Freud-Leser Kosztolányi mit unvergleichlicher Subtilität gestaltet, überwältigt sie eine Ahnung, die zu schmerzhaft ist, um sich in Erkenntnis zu verwandeln.

Dezso Kosztolányi (1885-1936), eine der Schlüsselfiguren der ungarischen Literatur des 20. Jahrhunderts, hat einen Roman über die lebensverhindernde Macht der Konventionen geschrieben, dessen unkonventionelle literarische Mittel weit in die Zukunft weisen.
Viele Leser haben in der bissig geschilderten Kleinstadtgesellschaft ein Porträt von Kostolányis Geburtsort Szabadka         (heute Subotica) erkennen wollen, der 1923, zur Entstehungszeit des Romans, bereits Serbien lag.
 
Im Original erschienen unter dem Titel Pacsirta, 1924 (Európa, Budapest, 2005).

Pressestimmen

»Joseph Roth, Hugo von Hofmannsthal, Anton Tschechow - die Vergleiche sind nicht zu hoch gegriffen, wenn es darum geht, den Rang Deszö Kosztolányis (1885-1936) zu bestimmen. ...  Kosztolányi schreibt auf der Höhe seines Könnens, als Seismograph der Seele wie der Epoche. Denn Lerche ist nicht nur ein Familiendrama, sondern ein Psychogramm des »Jahrhundertwendetrübsinns«. Elegant, mit knappen Strichen und feinen Bildern, gelingt es dem Autor, an unscheinbaren Gesten und Details die tiefsten Abgründe vor Augen zu führen. Gnadenlos präzis ist  Kosztolányis Blick, und oft ironisch-sarkastisch seine Sprache, doch liegt es ihm fern, die Figuren blosszustellen. Wenn er - wie im Theater - den Realismus ins Groteske steigert, kommt es zu hinreißender literarischer Verdichtung.«
Andreas Breitenstein, Neue Zürcher Zeitung
»Lerche ist ein herrliches Buch, ein subtiles satirisches Gesellschaftsporträt aus einer Zeit, in der es noch eine Gesellschaft gab und die Literatur das priviligierte Medium war, sie zu erfassen. Zugleich ist Lerche eine radikal undramatische Erzählübung, ein Stück reiner, nahezu handlungsfreier Literatur, eine Prosa, die, wie Esterházy sagt, »leise und scharf« ist.«
Christoph Bartmann, Süddeutsche Zeitung

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