Rainald Goetz
Loslabern - Bericht. Herbst 2008

Loslabern
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Erschienen: 12.10.2009
Gebunden, 187 Seiten
ISBN: 978-3-518-42112-3

Inhalt

»In einer Aufwallung von Direktheit und quasi sinnfreier Intentionalität hatte der Höllor, die Arme von sich werfend himmelwärts, ausgerufen: LOSLABERN: Traktat, Traktat über den Tod, über Wahn, Sex und Text, und, erheitert von diesem soeben so plötzlich und so sinnlos durch ihn hindurchgefahrenen Expressivitätsereignis: Bericht!, der Herbst 2008!, dem davon dadurch Angestoßenen sofort stattgegeben und es geschehen lassen, daß da also LOSGELABERT würde …« 

Beck wurde rausgeschmissen am Schwielowsee, in Cern wurde der Teilchenbeschleuniger angestellt, und nachdem Damien Hirst in London seine Sensationsauktion glücklich (111 Millionen Pfund Erlös) hinter sich gebracht hatte, kollabierten noch am selben Tag in New York die in die dortigen Feuchtbiotope und Felsen hinein errichteten Banken: Lehman, Goldman, Partners und Konsorten. Das Wort Rettungsschirm kam auf, die Dinger wurden aufgespannt, die Kredite trotzdem immer fauler. Kreditkrise, Staatskrise, Vertrauen weg, Derivate angeblich hochspekulativ usw. Frage an den Staat: Hast du mal ein paar Millliarden? Herr Ackermann, Herr Mehdorn, der Schwarze Schwan im Herbst 2008; September, Oktober, November. Ja: Wie war das gleich noch mal gewesen? Wie hat sich das angefühlt?

Loslabern erzählt in drei Kapiteln (1. Reise; 2. Herbstempfang 2008; 3. Der Jüngling) verschiedene Geschichten aus dieser grandios durchgeknallten Zeit. Das Ende vom Anfang des neuen Jahrtausends war plötzlich da.

 

Pressestimmen

»Goetz arbeitet seit seiner furiosen Klage aus dem letzten Jahr an einem fortlaufenden Kommentar der Gegenwart. ... [Was] nicht genug zu loben ist: lebendige Kulturkritik, wie es sie lange nicht gegeben hat.«

Iris Radisch, Die Zeit

»Eine Suada der besonderen Art. ... Alleine die Schilderung der Machtverhältnisse am Tisch von Angela Merkel und den gastgebenden FAZ-Herausgebern anhand der Körpersprache ist von einer brillanten analytischen Schärfe. Wer weiß: Vermutlich muss man in zehn Jahren erneut zu diesem Buch greifen, wenn man verstehen will, wie die ›Nullerjahre‹ wirklich waren.«

Fuldaer Zeitung

»Es gehört zu Goetz' wunderbaren Tricks, ... einen mit Bekenntnissen zu ködern, etwa die eigene Schwäche, Peinlichkeit etc. betreffend. ... Man nehme ein besonders begehrtes Fest, beobachte die hochmögenden Gäste ausgiebig und gnadenlos und gebe sie ihrer eigenen Dummheit und Vulgarität preis, ohne selbst von dem niederen Instinkt des Entlarvens infiziert zu werden. Letzteres ist natürlich die eigentliche Kunst.«

Ina Hartwig, Frankfurter Rundschau

»Ein wahrlich infernalisches, ja ein sprachgewaltiges Buch ist Rainald Goetz' ›Loslabern‹ geworden. ... Ein Buch, das mit irre witzigen, geistreichen und präzisen Beobachtungen zur Gegenwart und Machtkulisse der Republik lockt. ... Irre scharfzüngig und feingeistig, manchmal fragmentarisch und rätselhaft, immer jedoch ein empfindsames Seismogramm unserer Zeit.«

Hamburger Abendblatt

»Goetz begegnet diesem geballten Weltirrsinn mit hochartistischem Gelaber: einer wütenden, witzigen, wahnsinnigen Tirade. Das ist die äußerste mögliche Reaktion. Im Loslabern nimmt die Sprache Tempo auf, um mit den Ereignissen mitzuhalten.«

Jörg Magenau, Deutschlandradio Kultur

»Das ist das Wunderbare an diesem Autor, der einer der letzten Romantiker ist: dass er Lust macht auf die Gegenwart, aufs Erleben und das Darüberreden, auf Lebenssuff und Daseinsrausch. Vielleicht gibt es unter den zeitgenössischen Autoren keinen, der derart Anteil nimmt am Jetzt und sich derart aufgehoben fühlt in der Zeitgenossenschaft. Er schreibt die Welt gewissermaßen mit, simultandolmetscht die Wirklichkeit, fängt Zauberhaftes ein und zermalmt das Geschaute sogleich zwischen seinen Werkzeugen, der Theorie und der Interpretation.
Nun hat Rainald Goetz ein neues Buch veröffentlicht; es ist großartig und kleingeistig, anmaßend und engstirnig, menschenfreundlich und elitär, und es regt an wie zuletzt kaum ein Text.«

Philipp Holstein, Rheinische Post

»Keine Wende, keine Kehre, kein Zurück. Der symbolische Kampf der Kultur geht weiter. Und Rainald Goetz ist wieder dabei. Mit »Loslabern« hat er gerade den zweiten Band seines Buchprojekts »Schlucht« vorgelegt. Man merkt dem Text das Vergnügen an, das das Schreiben dem Autor bereitet hat. Das Vergnügen bleibt dabei nicht einseitig. ... Das Buch ist unreiner Anti-Hegel und legt den bohrenden Finger andauernd auf die schmerzende Stelle eines jeden Subjekts: sein Begehren nach Anerkennung. In der Anerkennung aber, davon handelt Goetz wie kein anderer Schriftsteller unserer Tage hierzulande, wird der Begehrende bloß zum Objekt. Anerkannt werde ich bloß als Objekt.«

Cord Riechelmann, Jungle World

»Rainald Goetz ist zweifellos einer der ganz wenigen Autoren, die an einem vollkommen anderen Verständnis von Literatur festhalten, an einem Schreiben, das die Nahtstellen zwischen Erfahrung und Text ständig freilegt, das die Reflexion über das Schreiben immer schon enthält.«

Andreas Bernard, Süddeutsche Zeitung Wochenende

»Das Teil ist geil, es fährt ein und es fährt wie die Hölle.«

Klaus Nüchtern, Volltext 5/2009

»Der Ich-Erzähler Rainald Goetz beschreibt in seinem hochgepitschten, hypernervösen Tonfall verschiedene Begegnungen im vergangenen Herbst. [...] Da ist er dann plötzlich mittendrin im komplizierten Gewebe der Autorenbeziehungen, das sich zwischen Neid und Anerkennung, Freund- und Feindschaften aufspannt. Goetz ist Teil davon, sticht mit seinen Texten aber heraus. Denn er ist einer der wenigen inzwischen, die sich wirklich an der unmittelbaren Gegenwart abarbeiten, die immer wieder experimentieren.«

Tom Kretschmer, BR-online

»Goetz' neues Werk ist ein irres Buch, eines, das zwar formal Punkte und Kommas kennt, aber ohne Punkt und Komma voraneilt. Es ist ein Buch, das mal herzlich, mal polternd daherkommt, immer aber unterhaltsam. Es ist derart voller Anspielungen, dass man leicht den Überblick verliert, eines, das über die Medienbranche herzieht, ohne mit ihr abzurechnen ... . ›To chant and enchant‹, lautet der letzte Satz. Singen und bezaubern, oder, wenn man so will, herleiern und bezaubern, oder grölen und bezaubern. Loslabern eben.«

Florian Blaschke, news.de

Kommentare

Ein interessantes Buch: Verlogenheit zur Kunstform erhoben, das geschickte Verleumden von Menschen zum grinsenden Wohlgefallen der Medienmeute. Wenig Inhalt in schönen Sätzen. Goetz: ein entfesselter Zeitungleser schreibt keine Leserbriefe, sondern Büchlein. Unbedingt kaufen! Er freut sich darüber.
Horst Klugstedt, 23.12.2009

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