Erwin Mortier
Marcel - Roman

Aus dem Niederländischen von Waltraud Hüsmert
Marcel
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D: 15,80 €
A: 16,30 €
CH: 22,90 sFr

Erschienen: 26.02.2001
Gebunden, 118 Seiten
ISBN: 978-3-518-41230-5

Inhalt

Wenn die Lehrerin in die Dorfschneiderei kommt, um sich von der Großmutter »was Neues« nähen zu lassen, sitzt deren Enkel im Stoffballenversteck und sieht gebannt zu. Es wäre sterbenslangweilig auf dieser Welt, gäbe es die Anproben nicht – und nicht die Geburtstage und Besuche der Verwandtschaft, bei denen mit Leidenschaft Nachbarn, Müllers Kuh, Kartoffelernte und Familienmitglieder durchgenommen werden. Oder, nach drei Gläschen, Marcel.
Marcel, der nie heimgekehrt ist nach Flandern in seiner schwarzen Uniform und im Silberrahmenfoto einmal die Woche sorgfältig abgestaubt wird, ruiniert die Feststimmung gründlich. Schnell werden Rechnungen aufgemacht, wer wen damals »an die Deutschen verkauft« hat und »deswegen heute Mercedes fährt« – aber warum laßt ihr Marcel nicht in Ruh, fragt der Enkel die Großmutter, und die sagt, ach, das ist eine ganz besondere Geschichte mit meinem Bruder.
Erwin Mortiers preisgekrönter Roman erzählt von einer Familie, die nicht zueinanderkommt wegen »dieser schiefen Vergangenheit«, und von einem Jungen, der alles tut, um hinter Marcels Geheimnis, hinter die Geheimnisse der Erwachsenen zu kommen. Mit Marcel ist Mortier ein »sprachliches Meisterwerk« gelungen und das Kunststück, ein verschlafenes Dorf und eine sehr wache Großmutter zum Mittelpunkt der Welt zu machen.

Pressestimmen

»Erwin Mortier besitzt ein hochfeines Gespür für die Risse und Verwerfungen in den Seelen seiner Figuren. Als literarischer Menschenforscher, der uns das Innere einer Hand voll Charaktere wie unterm Mikroskop darbietet, vermag er es zudem, Epiphanien zu entwerfen, die sich im Lauf der kurzen Lektüre im Bewußtsein des Lesers festzusetzen beginnen. […] Erwin Mortier besticht dort, wo er seine Personen bis in ihre kleinsten Ticks und Mechanismen hinein ernst nimmt. Dabei gelingen ihm Sequenzen und Momentaufnahmen von bisweilen betörender Dichte.«
Frankfurter Rundschau
»In großartiger Gelassenheit erzählt Erwin Mortier diese Geschichte einer im Stillen vollzogenen Befreiung und Ablösung; immer wieder richtet sich sein erzählerisches Augenmerk auf Nebenschauplätze und Nichtigkeiten; verschwenderisch arbeitet er Marginalien zu sprachlichen Kabinettstücken heraus; dahinter und darunter, fast unmerklich und jedenfalls ohne erzählerisches Gestikulieren, spielt sich dann die abgründige Idylle dieses flämischen Sommers ab... […] Nie gibt er die ahnungslose und unschuldige Perspektive des Kindes auf, und dennoch hält der ebenso dichte wie komplexe Text eine beträchtliche reflexive Höhe. Ganz leicht wird unter Mortiers Hand der historische Stoff…«
Neue Zürcher Zeitung
»Erwin Mortier […] ist mit seinem ersten Buch der Bildungsroman eines kleinen Jungen in Novellenformat geglückt. Man möchte weiter lesen.«
Süddeutsche Zeitung
»Bildstark und sehr poetisch.«
Freundin

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