Milovan Danojlić
Mein lieber Petrovic

Aus dem Serbokroatischen von Jelena Dabic und Mascha Dabic
Mein lieber Petrovic
Leseprobe » Bestellen »


D: 24,90 €
A: 25,60 €
CH: 35,50 sFr

Erschienen: 06.12.2010
Gebunden, 311 Seiten
ISBN: 978-3-518-42180-2

Inhalt

Mihailo Putnik und sein lieber Freund Petrovic haben nach dem Zweiten Weltkrieg Hals über Kopf Jugoslawien verlassen und sind in die USA ausgewandert, wo sie erfolgreiche Universitätskarrieren absolviert haben. Als Rentner im fortgeschrittenen Alter kann Putnik jedoch dem Heimweh nicht länger widerstehen und kehrt nach Serbien zurück, in der Hoffnung, endlich Ruhe zu finden und dem Tod gelassen entgegenzusehen.
Es kommt jedoch anders als erwartet. Putnik muß feststellen, daß er im Exil die negativen Seiten seines Heimatlandes ausgeblendet hat und seinen Sehnsüchten und Verklärungen zum Opfer gefallen ist. Von Altersmilde und abgeklärter Gelassenheit kann keine Rede sein: Putnik begegnet dem Provinzialismus und verbohrten Nationalismus seiner Landsleute auf Schritt und Tritt und muß erkennen, daß sein in Übersee mühsam erworbenes intellektuelles und finanzielles Kapital hier nichts wert ist und lediglich Naserümpfen hervorruft. Niemand ist wirklich daran interessiert, seine Ansicht zur Lage des Landes zu hören. Um seinen Freund vor der Nostalgiefalle zu bewahren, schreibt Putnik ausführliche Briefe nach Cleveland, Ohio, in denen er die politische, kulturelle und zwischenmenschliche Wirklichkeit des Landes schonungslos schildert.
Mein lieber Petrovic ist ein schmerzhafter Abgesang auf den Vielvölkerstaat Jugoslawien. Darüberhinaus ermöglicht die Lektüre aber auch eine universale Auseinandersetzung mit dem Thema Entwurzelung und Zugehörigkeit. Kann ein kritischer Intellektueller überhaupt irgendwo zu Hause sein? – Putnik heißt Reisender, und so ist Danojlics briefeschreibender Held dazu verurteilt, auch in seiner vermeintlichen Heimat ein rastloser Wanderer zu bleiben, der sich seinen scharfsinnigen Beobachtungen nicht entziehen kann.

Pressestimmen

»wohl die radikalste literarische Bestandsaufnahme jugoslawischer Verhältnisse, die am Vorabend des letzten Krieges unternommen wurde: Deren mitunter fast idyllischer Tonfall macht das Unterfangen umso bemerkenswerter ... souveräne literarische Stimmen wie jene von Milovan Danojlic [sind] in Europa heutzutage äußerst rar.«

ORF (Ö1)

»Von diesem Roman, seinem so geschliffenen scharf intellektuellen wie wehmutsgetränkt wahrnehmungsoffenen IchErzähler, dessen Suada die beiden Übersetzerinnen in ein schönes, altes, melodisch getragenes Deutsch gebracht haben, begeistert, beginnt man, sich etwas näher über den bislang im deutschen Sprachraum unbekannten Autor kundig zu machen.«

Hans-Peter Kunisch, Süddeutsche Zeitung

»Der Autor Danojlic ersprart seinen Helden die Verzweifelung, indem er ihn mit Scharfsinn und Sensibilität, mit Naturliebe und einer desillusionierten Weltsicht ausstattet, die das konkrete Ungemach in den allgemeinmenschlicher Unzulänglichkeit bzw. existenzieller Absuridität einzuordnen versteht.«

Ilma Rakusa, Neue Zürcher Zeitung

»Es ist das Aufbegehren eines zutiefst pessimistischen Schriftstellers, der dennoch an die Kraft der Sprache glaubt und an die Macht literarischer Auflehnung.«

Tomasz Kurlanowicz, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»eine düster-komische Chronik aus dem Alltag einer zerfallenden Gesellschaft.«

Martin Sander, Deutschlandradio Kultur

»Eines der Highlights ist ohne Zweifel das Buch Mein lieber Petrovic. ...  Was sich wenige Jahre später in den Kriegen zwischen den jugoslawischen Nachfolgestaaten äußert, das wird in den literarischen Briefen in Milovan Danojlics Buch angedeutet. Sie sind eine erhellende, gescheite, anspruchsvolle Lektüre.«

Thomas Völkner, Hamburger Lokalradio

Kommentieren