Paul Brodowsky
Milch Holz Katzen

Milch Holz Katzen
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Erschienen: 26.03.2002
edition suhrkamp 2267, Broschur, 72 Seiten
ISBN: 978-3-518-12267-9

Inhalt

Paul Brodowskys Prosaminiaturen nehmen Alltägliches in den Blick, aber auf eine Weise, dass dieses in ein merkwürdiges Licht gerät. Zunächst meint man, vertraute Situationen vorgeführt zu bekommen: Familiengeschichten, Landschaftliches, Erotisches, tastendes Sich-Vergewissern eines suchenden Ichs - aber dann bricht das Unerwartete herein; man kann es sehen, schmecken und riechen, und doch wirkt plötzlich alles geheimnisvoll, surreal. Das vermeintlich Reale schlägt um ins Absurde; die Ordnung der Dinge gerät durcheinander; ihre Selbstverständlichkeit wird lakonisch in Frage gestellt. Die präzisen Sprachbilder Paul Brodowskys fixieren diese Irritation auf eine wunderbar leichte, poetische Weise.

Pressestimmen

»Absurditäten passieren einem Wahrnehmungsexzentriker ganz leicht einmal. Doch wo käme man hin, ohne den schrägen Blickwinkel zur Welt, - zumal als Autor? [...] So wie die Figuren in Brodowskys Prosaminiaturen stapfte einst Stifter durch den Wald, so störrisch genau nahm es Bernhard. Abgestanden wirken die Texte deshalb keineswegs. Der fremde Blick ist Programm und erstreckt sich vom Parabelhaften über das Absurde bis hin zur Todesfantasie aus der Perspektive eines Weinkorkens. Brodowsky, gerade einmal 22 Jahre jung, beweist als Mitherausgeber der Literaturzeitschrift Bella triste seine Szenenkenntnis. In Milch Holz Katzen zeigt er, was eine Harke ist. Ähnlich nass wie in ›Schwamm‹ war es einmal in Duves Regenroman, so beklemmend geräuschvoll wie in der Miniatur ›Rauschen‹ kürzlich in dem Film Das weiße Rauschen. Und so nah wie in ›Schokoladenauspacken‹, dem jugendlichsten und experimentellsten Text in dem Band, war man dem Kindergeburtstag seit seinem 7. Geburtstag nicht mehr.«
Sabine Franke, Frankfurter Rundschau
»Brodowskys Texte erzeugen vom ersten Satz an eine große Neugierde; ihre Ungereimtheiten im eigentlichen Sinne des Wortes lassen eine Spannung wachsen, die nie ganz aufgelöst wird, sondern sich mit jedem zusätzlichen Detail verschärft. Seine Texte sind musikalisch durchkomponiert, sie arbeiten mit Leitmotiven [...] und gleichen oft Kadenzen, die mit immer neuen Zwischen- und Untertönen eine Auflösung verweigern. [...] Der Stoff, aus dem diese Traumgebilde sind, findet sich nicht in realen Landschaften, sondern auf weiten, unbegrenzten Sprachebenen. Dennoch bleibt hier nichts abstrakt. [...] Brodowsky ist nach diesem überraschend ausgereiften Beginn noch einiges zuzutrauen.«
Richard Kämmerlings, Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Paul Brodowsky ist jung, ohne naiv zu wirken, charmant, hat eine schöne Stimme, gibt sich latent verwegen, zugleich bescheiden. Brodowskys Text-Miniaturen schöpfen aus einer sehr besonderen, eher introvertierten Art der Weltaneignung. Die hangelt sich so abstrus-virtuos wie irreal an sinnlich vermittelten Detailbeobachtungen abseits von Medienwelt und zu verallgemeinernden Alltagserfahrungen entlang. [...] Ein tolles [...] Leseerlebnis.«
Hildesheimer Allgemeine Zeitung
»(...) 45 Kürzestszenarien, in denen das Gewohnte mit dem Unerwarteten, das Verbindliche mit dem Eingebildeten eine oft beeindruckende Synthese ergeben. [...] Es sind die unaufdringlichen, dafür um so wirkungsvolleren Verschiebungen im textlichen Sinngefüge, die das anfänglich Unverrückbare des Alltags allmählich in eine beunruhigende Offenheit verwandeln. [...] der Sinngehalt dieser Texte drängt sich dem Leser nie auf, selbst dann nicht, wenn sie beinahe gleichnishafte Züge tragen. Trotz ihrer Offenheit und Kürze erlangen die zwischen Normalität und Groteske schwankenden Szenen eine beachtliche, mitunter lyrische Dichte. [...] Brodowskys Sprache ist dabei so knapp und elliptisch wie präzise; sie und die stets stimmige Logik von Träumen, die vorherrscht, machen aus [...] diesen Miniaturen kunstvolle Labyrinthe auf kleinstem Raum.«
Jan Wagner, Tagespiegel
»Eine merkwürdige Faszination geht von diesen Kürzesttexten aus, die sich einer rationalen Betrachtung entziehen. "In meiner Wand gibt es jetzt ein Loch", schreibt Brodowsky und zieht uns mit einem kaum wahrnehmbaren Sog in die Welt hinter dieser geheimnisvollen Öffnung. wie das Loch in der Wand tun sich in Brodowskys Texten unvermittelt Abgründe auf, vollführt die Phantasie Schwindel erregende Sprünge. [...] Mit klaren und dennoch poetischen Bildern entführt Brodowsky in merkwürdige Zwischenwelten, er findet für Ängste und Sehnsüchte ungewohnte und dennoch stimmige Worte. Diese Prosahappen machen Lust auf mehr.«
Frank Schorneck, Marabo

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