Josef Bierbichler
Mittelreich - Roman

Mittelreich
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Erschienen: 12.09.2011
Gebunden, 391 Seiten
ISBN: 978-3-518-42268-7

Platz 3 »ORF«-Bestenliste Februar 2012

»Nun hat Bierbichler einen Roman geschrieben, der in einer klaren, poetischen Sprache von den Schrecken und Torheiten des 20. Jahrhunderts erzählt. Er ist ein Ereignis in diesem  Bücherjahr.«

Wolfgang Höbel, Der Spiegel 36/2011

 

Inhalt

Im Ersten Weltkrieg zerschlägt eine feindliche Kugel zuerst den Stahlhelm und dann den Schädel des ältesten Sohnes vom Seewirt. Also muß sein jüngerer Bruder Pankraz das väterliche Erbe antreten. Der überlebt zwar den zweiten großen Krieg, wäre aber trotzdem lieber Künstler als Bauer und Gastwirt geworden. Da braucht es schon einen Jahrhundertsturm, der droht, Haus und Hof in den See zu blasen, damit aus Pankraz doch noch ein brauchbarer Unternehmer und Familienvater wird. Aber als der eigene Sohn ihn später anfleht, ihm die Erziehung im katholischen Internat zu ersparen, versteht er ihn nicht. Zu sehr ist man in diesen Zeiten mit anderem beschäftigt: das Vergangene vergangen sein zu lassen und die Geschäftsbedingungen der neuen Gegenwart zu studieren.

Eine Seewirtschaft in Bayern, bizarre Gäste und eine Familie über drei Generationen, heillos verstrickt ins ungeliebte Erbe. Josef Bierbichler, der große Menschendarsteller des deutschen Theaters und Films, erzählt hundert Jahre Deutschland. Ein Epos über Krieg und Zerstörung, alte Macht und neuen Wohlstand, über die vermeintlich fetten Jahre.

Pressestimmen

»Bierbichler hat eine überwältigende Begabung, von Verlierern und Verlorenen zu erzählen. ... Insofern ist Mittelreich ein zeithistorischer Roman, eine Dorfgesellschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts. Und wie sagt man bei historischen Werken, wenn sie gelingen: Es ist ein großer Verdienst des Autors, dass er diese Geschichte rekonstruiert hat.«

Rudolf Neumaier, Süddeutsche Zeitung

»Josef Bierbichler ... hat ein ungeheuer saftiges, witziges, düsteres, tragisches und zutiefst musikalisches Buch geschrieben, dessen Ende man schon nach wenigen Seiten zu fürchten beginnt, weil man süchtig geworden ist nach seinem Ton und dem mitleidslosmitfühlenden Blick, mit dem der 63-Jährige auf seine Figuren und das Leben schaut.«

Eva Behrendt, Cicero 10/2011

»Das ist, in kraftvoll realistischer, manchmal auch kleistisch kataraktgleicher Prosa geschrieben, ein Märchen: wie es im Leben manchmal passiert. Doch der große Theater- und Filmschauspieler Josef (Sepp) Bierbichler ... erzählt auch von der Fülle des Scheiterns. Von heillos komischen Katastrophen, von fürchtertlicher deutscher Weltgeschichte, die selbst die Dörfler am oberbayrischen See in ihren erdbraunen, blutigen Fängen hält.«

Peter von Becker, Der Tagesspiegel

»Im Grossen und Ganzen ist hier ein Schriftsteller geboren, der, selbst wenn es bei diesem einen Roman bliebe, zu den unvergesslichen Stimmen dieser Jahre gehören wird. Was für ein Kerl. Was für ein Roman!«

Martin Ebel, Tages-Anzeiger

»Denn Bierbichler beschreibt nicht einfach Welt und Wirklichkeit, er rennt mit kratzbürstiger Garstigkeit gegen sie an. Zu dieser Erzählweise gehören mundartliche Dialoge, grelle Bilder, schräge Schwänke, unvermittelte Handlungsbrüche; nie aber verläppert sich dieser Roman in Prosaplätzscherei.  ... Und schon damals fiel einem der berühmte Kafka-Satz ein: ›Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.‹ Ein solches Axt-Buch ist Mittelreich. Ein großes Buch.«

Dirk Pilz, Frankfurter Rundschau

»Mittelreich ist die geglückte literarische Auseinandersetzung mit dem ländlichen Katholizismus, mit einem Erbe, vor dem manche bis heute davonlaufen — das man aber auch wie im Falle Bierbichler annehmen kann, um es umzupflügen.«

Andreas Fanizadeh, tageszeitung

»Josef Bierbichler schaut tief in die Seelen der Menschen, in Abgründe und Verletztheiten. Ihm ist mit diesem Zeitpanorama ein großer Wurf gelungen.«

Rainer Kasselt, Sächsische Zeitung, Magazin

»Bierbichler schreibt wie ein angeschlagener Boxer, der wild nach vorn drängt. Ungeschützt, wüst, toll.«

Stern Nr. 41

»Es ist viel drin in den 400 Seiten von Josef Bierbichlers Mittelreich, einem Roman voller Pathos, Ungeniertheit, Zärtlichkeit und Wut, geschrieben von einem Autor, der große Sprachkraft und Sprachlust verrät, der den hohen Theaterton nahtlos mit der derben Umgangssprache verknüpft, der bei seinen eindringlichen Zeit- und Menschenbildern vom Bieder-Heimatrealistischen nichts wissen will und lieber ein wunderbar seltsames Kunstbairisch pflegt, das auch da, wo es umständlich-gedrechselt oder verquer und absurd klingend daherkommt, poetische Funken schlägt.«

Wolfgang Seibel, ORF Ö1

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Kommentare

Der Name Josef Bierbichler begegnete mir, glaube ich, zum ersten Mal im Zusammenhang mit Herbert Achternbusch. Natürlich ist man neugierig, was Josef Bierbichler zu schreiben hat. Das wirklich Beeindruckende an dem Buch ist, dass es ein Roman ist, den man wirklich lesen will: einfallsreich, abwechslungsreich und zum Weiterlesen ermunternd; aber in keiner Hinsicht ein "Neuer Heimatroman", sondern eher auch ein Buch, das neben der reinen Roman-Ebene eine soziologische Ebene hat. Richard Rorty sagte einmal, aus Romanen könne man das meiste zum Leben lernen. Die Veränderung auf dem Land wird wirklich greifbar und erlebbar, auch die Ungleichzeitigkeit der Modernisierung. Das Denken der einfachen Leute wird beschrieben, ohne Wertung. Gewürzt mit urbayrischen Worten wie Minga für München.

Mein persönlicher Eindruck: Der große Schauspieler Josef Bierbichler hat sehr genau von der Literatur, die er zeitlebens um sich hatte, gelernt, um zu sehen, wie man einen Roman schreibt, den man lesen will. Auch aufgrund des vielgelobten amerikanischen Erzählstils, findet man hier keine Langeweile erzeugenden Überschneidungen.

Endlich ein Roman, den man lesen will! Danke Josef Bierbichler!
Reiner Girstl, 28.09.2011

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