Oswald Egger
Nichts, das ist - Gedichte

Nichts, das ist
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Erschienen: 19.11.2001
edition suhrkamp 2269, Broschur, 160 Seiten
ISBN: 978-3-518-12269-3

Inhalt

Der aus Südtirol stammende, seit längerem in Wien lebende Oswald Egger (geboren 1963) ist ein Wörtersammler am Ursprungsort der Poesie. Er hört dem Klang der Dinge nach, spürt ihre archäologischen Zusammenhänge auf, verweht sie zu einem poetischen Universum, dessen einzelne Teile in einem Ganzen aufgehen und sogartig einen Hallraum erzeugen, der die Grenzen der Sprache ausschreitet und über sie hinaus will. Präzision und Phantasie treffen sich im Vers.

 

Im Webmonat, Licht-
trunken unter
Ziegel und Zelt, sollst du
Krapp-Aprikosen essen.

Zu Unmond Markasit, Ingwer
und Bitterdinge wirst du
vom Strählherd schälen, Kolo-
quinte Lichtkiesel

Kampfer und Galgant und
Flockenfrüchte werden
Dostmonate übersiebeln die
Juten Fächerblatt-Facetten.

Und Kurkuma-Kürbisse essen
sollst du, Palmyra, mein Tun
wirrt um, Rinden, Haut-graube
Milch-fast Quitten-Blüten.

Pressestimmen

»Wort und Ding korrelieren in einem sprachlichen Strom aus Klang und Rhizomgeflechten, die sich im Knüpfen bereits wieder auflösen. Poetische Taufakte, Verschiebung und Versprechen, Verschlucktes, Abgeschliffenes, ›FORMEN DES AMOPRHEN‹ [...] onomatopoetische und etymologische Bezüge suggerieren die Unmittelbarkeit einer Sprache der Dinge, die alle Stadien des Gelingens und Zerbrechens durchläuft. Wie Webstuhlschiffchen schießen die Sprachfäden zusammen, erzeugen einen Selbstlauf der Bilder, ein Fluidum der Dinge und erzeugen beim Lesen Wort für Wort ein Gefühl von Welterschaffung. Nicht poetische Weltabgewandheit, sondern eine Wort für Wort ertastete Weltoffenheit ist das Ziel. [...] Der Leser kann verschiedene Ein- und Ausgänge wählen, sich völlig eigene Leselinien durch den Text bahnen und die Wege miteinander verknüpfen. Man kann das Buch kreuz und quer lesen, irgendwo einsteigen, sofort mittendrin sein, und irgendwo wieder aussteigen. [...] Das Buch ist ein überschäumendes Sprach-Fest, eine Wort-Musik aus rhythmisierten Sätzen und gespannten Lautbögen, die die Eigenschwingung der Dinge und Worte wie einen Resonanzboden einsetzen. Egger rührt an die im Wort geborgenen Kräfte und amalgamiert sie zu den wunderlichsten und doch einleuchtendsten Formen.«
Heinrich Schwazer, Die Tageszeitung
»Was bei den komplementären Bänden Herde der Rede und Poemanderm Schlaf noch getrennt wurde: die wortwuchernde Entfaltung eines Natur-Kosmos und die sprachreflexive Partitur der ›Rede‹ wir im neuen Band Nichts, das ist zusammengeführt. Auf einer Titelzeile sammeln sich nach Art einer Anzeigentafel die Schlüsselwörter des Eggerschen Œuvres, darunter erscheint in einer kleineren Schrifttype das poetische ›Sprachgemenge‹ [...]. Den größten Raum auf der Seite nehmen aber die poetologischen Selbsterkundungen Eggers ein, die eine Linie ziehen von Denkfiguren der Astronomie, Mathematik und Physik hin zu frühromantischen Topoi und sprachmystischen Beobachtungen.«
Michael Braun, Basler Zeitung
»ein Sprachschamane der seltenen Art«
Ilma Rakusa, Frankfurter Rundschau
»Wenn ich Eggers Anliegen richtig verstehe, denn das, was er schreibt, soll zeigen, will gesehen, gehört werden [...], versucht er für die Sprache das an (Oberflächen-) Struktur, die alle Sinne anspricht, zurückzugewinnen, was ihr (von mehr oder weniger Denken geleiteter Alltags-) Gebrauch verschluckt hat, bzw. mit Sprache- und Bild Strukturen einzufordern, die der auf den Nutzen gerichteter Alltagsblick übersieht. [...] Man sollte die Pointe nicht überlesen, das die verduftenden Öle, der ganze arabeske Zauber Suleikas in den ›Waren-Körben der Weltbörse‹ endet. Obersatz, Gedichtstrophen und Kommentar unterlaufen einander oder laufen im Wiederaufnehmen der Eggerschen Schlüsselwörter (Herde, Rede, Erde ... ) ineinander über; so bleibt auch in diesem Buch Eggers das poetologische Sprechen eng mit dem Dargestellten selbst verwoben. [...] Die Not, die dem Wissen um das, was sich nicht ändern läßt, entspringt, treibt die schönsten Formen.«
Benedikt Ledebur, Kolik

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