Stephen Greenblatt
Shakespeare: Freiheit, Schönheit und die Grenzen des Hasses - Frankfurter Adorno-Vorlesungen 2006

Institut für Sozialforschung an der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main. Aus dem Amerikanischen von Klaus Binder. Mit einem farbigen Bildteil
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D: 16,80 €
A: 17,30 €
CH: 24,50 sFr

Erschienen: 08.10.2007
Gebunden, 122 Seiten
ISBN: 978-3-518-58487-3

Inhalt

Adorno trifft Shakespeare - das klingt nach einer unmöglichen Begegnung, und Mißverständnisse scheinen vorprogrammiert. Hier der große Theoretiker der Frankfurter Schule, der Verfechter des Eigensinns der Kunst, dem das Wort »Kunstgenuß« kaum über die Lippen kam und der sein ganzes Leben gegen die kulturindustrielle Barbarisierung der Kunst angeschrieben hat; dort der Superstar des Elisabethanischem Zeitalters, der gewiefte Entrepreneur und stadtbekannte Schriftsteller, dessen Stücke in einem der ersten kommerziellen Theater seiner Zeit ein Massenpublikum in den Bann schlugen. Wahrheit gegen Entertainment. Geist gegen Geld. Geht das überhaupt zusammen?
Es geht, wie Stephen Greenblatt in seinen »formensprengenden« ( FAZ) Frankfurter Adorno-Vorlesungen auf eindrucksvolle Weise vorführt. Ausgehend von Adornos These aus der Ästhetischen Theorie über den »nominalistischen Durchbruch Shakespeares zur sterblichen und in sich unendlich reichen Individualität«, inszeniert Greenblatt Shakespeares dramatische und lyrische Stimmen als ein großes Konzert frühmoderner Spannungsverhältnisse - als den Beginn eines Prozesses, in dem zentrale ästhetische Konzepte wie künstlerische Freiheit, Schönheit und gesellschaftliche Relevanz sich von den bis dahin herrschenden formalen und inhaltsleeren Idealen emanzipieren und neu zu formieren beginnen. Shakespeare erscheint als genialischer Künstler und als Meister des Mainstream; er schuf Frauengestalten von vollkommener Schönheit und lenkte zugleich unseren Blick auf den Makel; sein »Durchbruch zur Individualität« wird konterkariert durch seine Absage an die radikale Trennung von ...

Inhalt

Adorno trifft Shakespeare – das klingt nach einer unmöglichen Begegnung, und Mißverständnisse scheinen vorprogrammiert. Hier der große Theoretiker der Frankfurter Schule, der Verfechter des Eigensinns der Kunst, dem das Wort »Kunstgenuß« kaum über die Lippen kam und der sein ganzes Leben gegen die kulturindustrielle Barbarisierung der Kunst angeschrieben hat; dort der Superstar des Elisabethanischem Zeitalters, der gewiefte Entrepreneur und stadtbekannte Schriftsteller, dessen Stücke in einem der ersten kommerziellen Theater seiner Zeit ein Massenpublikum in den Bann schlugen. Wahrheit gegen Entertainment. Geist gegen Geld. Geht das überhaupt zusammen?
Es geht, wie Stephen Greenblatt in seinen »formensprengenden« (FAZ) Frankfurter Adorno-Vorlesungen auf eindrucksvolle Weise vorführt. Ausgehend von Adornos These aus der Ästhetischen Theorie über den »nominalistischen Durchbruch Shakespeares zur sterblichen und in sich unendlich reichen Individualität«, inszeniert Greenblatt Shakespeares dramatische und lyrische Stimmen als ein großes Konzert frühmoderner Spannungsverhältnisse – als den Beginn eines Prozesses, in dem zentrale ästhetische Konzepte wie künstlerische Freiheit, Schönheit und gesellschaftliche Relevanz sich von den bis dahin herrschenden formalen und inhaltsleeren Idealen emanzipieren und neu zu formieren beginnen. Shakespeare erscheint als genialischer Künstler und als Meister des Mainstream; er schuf Frauengestalten von vollkommener Schönheit und lenkte zugleich unseren Blick auf den Makel; sein »Durchbruch zur Individualität« wird konterkariert durch seine Absage an die radikale Trennung von Individuum und Gesellschaft. Coriolan und Shylock – an Shakespeares Kunst, so zeigt Greenblatt in seinen elegant komponierten Vorlesungen, deutet sich bereits das an, was auch Adorno stets fasziniert hat: das Bild einer widersprüchlichen, zerrissenen Moderne.

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