Nicolai Lilin
Sibirische Erziehung

Aus dem Italienischen von Peter Klöss
Sibirische Erziehung
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Erschienen: 23.01.2012
suhrkamp taschenbuch 4315, Broschur, 453 Seiten
ISBN: 978-3-518-46315-4

»Alle sind sie diesem Erzähler verfallen. Im eingängigen Parlando eines russischen Märchenerzählers plaudert und schreibt Lilin von Mord, Ehre und russischer Teezeremonie.«

Stephan Maus, stern 18/2010

 

Inhalt

Nicolai Lilin, Abkömmling der sibirischen Urki, eines mafiaähnlichen Kriminellenclans, erzählt vom Aufwachsen in Transnistrien und von einer Erziehung, die aus ihm den lebenden Widerspruch eines ›ehrenhaften Verbrechers‹ machen sollte. Die Kinder sammeln ihre Erfahrungen in Kämpfen mit Jugendbanden und mit der Polizei. Die Alten dagegen, die »Großväter«, bringen ihnen Freundschaft und Loyalität bei und die Pflicht, Kinder, Alte und Behinderte zu schützen, auch unter Anwendung streng reglementierter Gewalt. Nicolai wird eingezogen und muß auf russischer Seite in Tschetschenien kämpfen – bis ihm der Absprung gelingt, nach Italien.Nicht zuletzt durch die enthusiastische Besprechung Roberto Savianos, Autor des Mafiabestsellers Gomorrha, wurde dieser Bericht von einer faszinierend unwahrscheinlichen Welt zu einem sensationellen Erfolg.

Pressestimmen

»... Lilin erzählt mit der Selbstverständlichkeit eines Insiders... Ein Gefühl hält sich aber über die gesamte Länge des Buchs: Die ungläubige Faszination für diese komplett andere Welt. Sie kommen aus dem Staunen überhaupt nicht mehr raus. Ich jedenfalls habe mir vor lauter Kopfschütteln eine leichte Gehirnerschütterung zugezogen. Das schafft auch nicht jedes Druckerzeugnis!

Antje Deistler, WDR 2 Bücher

»In seinem autobiografischen Roman hat Lilin die schillernden Verbrecheranekdoten seines Großvaters zusammengetragen, sie mit eigenen Erlebnissen vermischt und die Erzählung in seine Kindheit verlegt. So entstand das Porträt einer fiktiven Verbrechertruppe mit sibirischem Ehrenkodex, die im chaotischen Moldawien der Neunziger operiert. Die längst vergangene Welt der Urki wird unter Lilins Feder zu einem kritischen Gegenentwurf zur verkommenen postsowjetischen Konsumgesellschaft. Aus Lilins Roman spricht die Sehnsucht eines jungen Mannes nach verbindlichen Werten in brutalen Zeiten … Alle sind sie diesem Erzähler verfallen. Im eingängigen Parlando eines russischen Märchenerzählers plaudert und schreibt Lilin von Mord, Ehre und russischer Teezeremonie.«

Stephan Maus, stern 18/2010

»Spannung und narrative Glaubwürdigkeit des Romans sind Lilins Fähigkeit zu verdanken, die Geschichte seines für die westliche Zivilisation fremden Aufwachsens umfassend, ungeschönt und dadurch überzeugend zu schildern. Mit Selbstironie und aufgebrochen durch die vielen eingeschobenen Anekdoten und niemals plakative Lebensweisheiten …, die bestimmte kriminelle Regeln ohne falsches Pathos erläutern, erzählt der Autor seinen persönlichen Lebensweg nachvollziehbar und umsichtig, immer auf den mit der Kriminellenwelt unvertrauten Leser Rücksicht nehmend und ihn durch detaillierte Informationen für das Ungewohnte sensibilisierend. Lilin gelingt es, eine für Außenstehende schwer nachvollziehbare Perspektive nahe zu bringen – und (zumindest was Motivationen und Grundprinzipien der Verbrechergemeinschaft angeht) verständlich zu machen.«

Marcel May, rezensoehnchen.com

»Den Urki ist dies Gesetz: Keine politische Macht, unter welcher Flagge auch immer, ist so viel wert wie die natürliche Freiheit einer einzigen Person. Diese Radikalität in einer erbarmungsarmen Welt prägt das außergewöhnliche, großartige und verstörende Buch von Lilin.«

Sabine Brendel, derwesten.de

»...Nicolia Lilin, MItglied des sibirischen Verbrecherclans der Urki, berichtet 451 Seiten von dieser fremden (untergegangenen), rau-herzlichen Welt. Von seiner Faszination für Waffen, Tattoos, Traditionen, geheimen Codes und blutig-brutalen Kämpfen. Eine elektrisierende Erzählung.«

Subway 5/2010

»Nicolai Lilins autobiographischer Bericht über seine Kindheit in Bender am Flusse Dnestrj, wo die Urki das Sagen in einem ganzem Stadtteil – der Unterstadt – hatten, ist hart, realistisch und spart kaum eine Brutalität aus. … Ganz dicht an seiner Figur erzählt Nicolai Lilin. Er beschreibt diesen Jungen, der er selbst einst war, als überaus intelligent und redegewandt, der Literatur zugeneigt, aber auch schon zum Töten gezwungen. … Dass der Roman das Zeug zum Erfolg hat, ist unbestritten.«

Dietmar Jacobsen, poetenladen.de

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Foto: Nicolai Lilin
© Stefano Fusaro/www.libreidee.org

Nicolai Lilin

Übersetzer

Peter Klöss

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