Martín Kohan
Sittenlehre - Roman

Aus dem Spanischen von Peter Kultzen
Sittenlehre
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D: 19,90 €
A: 20,50 €
CH: 28,50 sFr

Erschienen: 16.08.2010
Gebunden, 247 Seiten
ISBN: 978-3-518-42182-6

»Mit seiner kurzen, bösen Geschichte hat Martín Kohan ein grandioses Buch über den Gebrauch des Menschen geschrieben.«

Paul Ingendaay, Frankfurter Allgemeine Zeitung

 

Inhalt

Buenos Aires, Anfang 1982: Dicke Mauern umgeben das streng traditionelle Elitegymnasium Colegio Nacional, in dem die junge María Teresa ihre Stelle als Aufseherin angetreten hat. Außerhalb der Mauern herrschen die Militärs, der Falkland-Krieg ist in vollem Gange. Drinnen soll María Teresa die strikte Einhaltung der Disziplin überwachen. Sie ist nur ein kleines Glied in der Kette, aber sie will es gut, ja peinlich genau machen. Schließlich ist Ordnung der sicherste Halt in einem Leben, in dem die Mutter in der Küche Kriegsnachrichten hört und der Bruder verstörend rätselhafte Postkarten aus der Etappe schickt. Eines Tages geht sie in ihrem Überwachungseifer so weit, daß sie sich in der Jungentoilette einschließt, um einen Schüler in flagranti zu ertappen, den sie im Verdacht hat, heimlich zu rauchen. Mit ebendiesem Schritt gelangt ihre Moral in eine eigentümliche, beunruhigende Schieflage.

Darf die Darstellung des Schrecklichen ins Komische kippen? Soll man sich in eine Mitläuferin einfühlen? Martín Kohan ist ein blitzwacher Beobachter und ein kompositorischer Meister des Nebeneinanders von Banalem, Bösem und Groteskem.

Pressestimmen

»Sittenlehre ist ein Roman von strenger Geradlinigkeit, ein makelloses Stück Prosa, in Figurenführung, Aufbau, auch im Stil. Kohan wagt sprachlich einen Balanceakt, zwischen Ironie und Horror bewegt er sich, und diese Sprache, von Peter Kultzen in angenehmes Deutsch übertragen, bahnt uns den Weg ins Ungeheuerliche, ins Innere des Systems, mit steter Wiederholung der Reizwörter (Norm und Normalfall, Regel und Regelverstoss), mit Beschreibung der Regeln bis ins peinliche Detail. Martín Kohan hat das Trauma einer Minderheit zu einer glänzenden Parabel verdichtet.«

Uwe Stolzmann, Neue Zürcher Zeitung

»Kohan beschreibt die Atmosphären der Angst und fast glaubt man sich in den Mauern einer jener Zuchtanstalten versetzt, die zur deutschen Wirklichkeit der NS-Diktatur gehörten. So gesehen ist Kohans Sittenlehre für deutsche Leser mehr als ›nur‹ ein Roman.«

Jürgen Berger, Schwäbische Zeitung

»Sittenlehre ist sicher sein bisher nachdrücklichster Roman, in dem es der Autor musterhaft versteht, das Private mit dem Öffentlichen, das Individuelle mit dem Gesellschaftlichen und das Historische mit der Gegenwart zu verbinden.«

Andreas Müller, Darmstädter Echo

»Das Werk des Schriftstellers und Literaturdozenten Martín Kohan gilt als eines der konsequentesten der lateinamerikanischen Literatur.«

Diplomatisches Magazin Nr. 10

»Den schmalen Weg der jungen Aufseherin María Teresa von der zwischen Naivität und Opportunismus schwankenden Mitläuferin zu einem gedemütigten Opfer zeigt Kohan aus einer so außergewöhnlichen Perspektive, dass der Leser am Ende verstört und erleichtert zugleich zurückbleibt.«

Pabe, Kieler Nachrichten

»Auf distanziertere, aber intensive Weise, setzt sich die jüngere argentinische Schriftstellergeneration mit der Diktatur auseinander. Wenn der Romancier, Essayist und Literaturwisschenschaftler Martín Kohan diesen neuen Ton anschlägt, geschieht das mit suggestiver Meisterschaft.«

Marianna Lieder, Der Tagesspiegel

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