Dieter M. Gräf
Treibender Kopf - Gedichte

Treibender Kopf
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D: 16,80 €
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CH: 24,50 sFr

Erschienen: 21.04.1997
Gebunden, 79 Seiten
ISBN: 978-3-518-40882-7

Inhalt

Seit seinem Debüt Rauschstudie: Vater + Sohn zählt Dieter M. Gräf zu den eigenwilligsten Vertretern zeitgenössischer Gedichtsprache. Das ist »fortgeschrittene poetische Gentechnologie« (Hubert Winkels). Dieter M. Gräfs »Textmaschinen« vereinen die Kompromißlosigkeit hochkonzentrierter Bildcollagen mit spielerisch-assoziativer Sprachschöpfung. Das macht diese stimulierenden lyrischen Gebilde unverwechselbar: Das »Rauschen im Reagenzglas der Gedichte« antwortet im Rausch der Geschwindigkeit dem digitalen Zeitalter.
Dieter M. Gräf komprimiert in seinen Gedichten Sprachenergien, die sich im Kopf des Lesers verstörend entladen sollen. So auch in seinem neuen Buch Treibender Kopf, dessen programmatische Anfangsnotate vom Sehen, vom Hören und vom Traum sprechen.
»Todt-Front«, »Flammenkuchen«, »Feldpost« oder »Linearer Pilot« heißen Gedichte, in denen Dieter M. Gräf sich mit Krieg und Gewalt, mit der Verbunkerung des modernen Menschen auseinandersetzt.
Schließlich aber, und das macht die motivische Weite und die hinzugewonnene Offenheit dieses Dichters aus, führt uns Dieter M. Gräf in die »Staunschule« Natur, lesen wir von winterlichen Orten der Kindheit in der pfälzischen Heimat um »Ludwixhafen.«

Pressestimmen

»Sucht man eine Art von Zusammenfassung dieser [...] Gedichte zu geben, so wäre es die Herstellung mythologischer Momente. Momente, in denen etwa Autos vor der abendlichen Strandkulisse wie ›geschoben‹ erscheinen oder wie ›Kentauren‹ die Smog-Fruchtblase des Staus einsaugen; wo Fernseher als überlebendige 'Quader' strahlen und aus den Nazibunkern des Atlantikwalls der einäugige Polyphen starrt. Es sind allesamt Reisen in ›Finis Terrae‹, an die Peripherie der Moderne, weshalb sie eine ambivalente Faszination freisetzen [...]. Beim Botho-Strauß-Handke-Sound ist Gräf deshalb nicht schon angekommen. Er macht es sich schwerer.«
Burkhardt Lindner, Frankfurter Rundschau
»Sein Subjekt staunt, aber läßt sich nicht bannen, zeigt keine kultische Ehrfurcht vor der Bildermacht, sondern nimmt gleichsam die Rasierklinge zur Hand, die Sprache schneidet in die erfaßte Erscheinung. [...]. Im gelungenen Fall [...] führt Gräfs Verfahren, die Brüchigkeit der Wahrnehmung und das Fragmentarische des lyrischen Erinnerungsvorgangs als Sprache und Text-Bild sichtbar zu machen, zu intensiven Konfigurationen, die von fern an Hölderlins späte Lyrik erinnern. Freilich bleibt nur wenig vom schweren Ernst geheiligter Naturerfahrung, die erinnernde Wahrnehmung gibt nicht Ursprünglichkeit vor, sondern zeigt sich durchtränkt und durchbrochen vom Bewußtsein moderner Medialität.«
Friedmar Apel, Frankfurter Allgemeine Zeitung
»Es geht ihm um ungeteilte, ungesteuerte, um reine Wahrnehmung, um Nähe und die Vereinigung kognitiver und sensitiver Formen der Wahrnehmung. Der Aufbau des Gedichtbands folgt Kapitel für Kapitel diesem Plan. Zunächst wird das Verhältnis zwischen erster und zweiter Natur reflektiert, zwischen Gegenstand und Sprache, Natur und Geschichtswelt, Sein und Wissen. Zu den Höhepunkten des Bandes zählt der Zyklus des zweiten Kapitels, wo Gräf eine kleine Geschichte der Wahrnehmung schreibt. Als Phänomenologe mustert er die Verwandlung der Dinge, ihre Erstarrung, zunehmende Ferne und Kälte beim Verlust der Kindheit. Die Reise- und Heimkehrbilder schließlich sind als Ziel der Wahrnehmungsreise programmatische Gedichte, die für die neue ästhetische Position des Autors einstehen.«
Sibylle Cramer, Süddeutsche Zeitung
»Es sind kalte Gebilde, Zeichen fernen Lebens, die Dieter M. Gräf [...] in [...] Treibender Kopf versammelt. Gedichte, hinter deren kühler Außenhaut dennoch eine Naturbeschwörung zum Ausdruck kommt, wie sie seit langer Zeit schon nicht mehr in der neuen Lyriker-Generation zu lesen war. [...]. Wer bereit ist, sich in die Stille seiner Sprachausflüge und Bildcollagen zu begeben (etwas anderes ist bei Gräf nicht möglich, um dem betörenden Rausch seiner Sprachbilder zu folgen), wer also zu dieser Hingabe bereit ist, der wird dieses Buch wie den Einstieg in eine lyrische Metaphysik empfinden, sehr weit weg und dennoch sehr nah an unseren wahren, unbewußten Wirklichkeiten.«
Wolfgang Prochaska, Das Gedicht
»Einer, dem Gedichte [...] zu hochenergetischen Reaktoren und Fusionsanlagen werden, ist Dieter M. Gräf [...]. Es geht ihm darum, alles zu erfassen ohne hierarchische Raster [...]. Aus den aufgenommenen Sounds komponiert Gräf Obertonreihen, in denen vielerlei Bedeutungen mitklingen. Damit befreit er die Dinge aus ihren sprachlichen Fixierungen und schafft aus den Rohstoffen Texte, die subversiv sind, die erhellen und sich einnisten im Kopf.«
Stefan Sprang, Rheinischer Merkur
»Wir erkennen den Entwicklungsweg, den dieser Autor in sehr kurzer Zeit zurückgelegt hat: von der schrillen, knirschenden Materialfügung, von grellen Collagen - hin zur Arbeit des reinen Schauens, zur tastenden Rückeroberung einfacher und elementarerer Wörter. Die poetische Suchbewegung des Dieter M. Gräf ist noch nicht abgeschlossen - aber man wird kaum einen Autor der jüngeren Generation finden, der so entschlossen und risikobereit am Körperlichwerden der Worte und an neuen, unerprobten Ausdrucksformen arbeitet.«
Michael Braun, Freitag

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