Eva Illouz
Warum Liebe weh tut - Eine soziologische Erklärung

Aus dem Englischen von Michael Adrian
Warum Liebe weh tut
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CH: 35,50 sFr

Erschienen: 12.10.2011
Gebunden, 467 Seiten
ISBN: 978-3-518-58567-2

»Über Liebe wird man nicht mehr diskutieren können, ohne sich auf dieses Buch zu beziehen.«

Susanne Mayer, ZEIT LITERATUR, Oktober 2011

 

Inhalt

Warum tut Liebe weh, jedenfalls gelegentlich? Was fasziniert uns noch heute an Figuren wie Emma Bovary oder Heathcliff und Catherine, den unglücklich Liebenden aus Emily Brontës Sturmhöhe? Und vor allem: Was unterscheidet uns von ihnen? Gibt es einen Unterschied zwischen dem Liebeskummer zu Zeiten Jane Austens und der Art und Weise, wie wir ihn heute erfahren und damit umgehen?
»Ja«, sagt Eva Illouz, die Meisterin der soziologischen Analyse der Gefühlswelt moderner Menschen, und widmet sich in ihrem neuen Buch der Schattenseite der Liebe. Sie zeigt, inwiefern der Liebesschmerz wesentlich von den gesellschaftlichen Bedingungen der jeweiligen Zeit geprägt wird und keineswegs ein rein individuelles Problem ist, wie uns etwa Beziehungsratgeber weismachen wollen. Das Leiden an der Liebe ist ein soziologisches Phänomen, das Illouz untersucht wie einst Marx die Ware im Kapitalismus: in Begriffen des Tauschs zwischen ungleichen Marktteilnehmern. In sechs Kapiteln entfaltet sie die Ursachen zeitgenössischen Liebesleidens sowie die Spezifika des heutigen Umgangs mit Beziehungskrisen. Die digitalen Heiratsmärkte spielen dabei ebenso eine Rolle wie die neuen Mechanismen der Partnerwahl und der strategische Umgang mit der romantischen Vorstellungskraft.
Nach den großen Erfolgen von Der Konsum der Romantik, Gefühle in Zeiten des Kapitalismus und Die Errettung der modernen Seele schreibt Eva Illouz ihre faszinierende Soziologie des modernen Menschen fort, die immer auch kritische Bestandsaufnahme der Zeit ist, in der wir leben.

Frau Illouz, in Ihrem neuen Buch "Warum Liebe weh tut" schreiben Sie, man müsse aufhören, die modernen Liebenden mit Rezepten für ein gesundes und schmerzfreies Liebesleben zu traktieren. Sind Sie gegen Selbsthilfeliteratur?

Illouz: Ich wollte tatsächlich eine Alternative zur psychologischen Sprache der Selbstbezichtigung aufzeigen. Unser Denken und Sprechen über die Liebe ist völlig diesem Vokabular unterworfen. Wird man verlassen und ist erschüttert darüber, heißt es, man würde "zu sehr lieben". Will ein Mann keine traditionelle Beziehung, heißt es, er habe "Bindungsangst". Die Psychologie, und ich spreche hier von ihrer vulgären Variante, nimmt an, dass wir als Individuen verantwortlich für unser Schicksal sind - und dass Leiden vermeidbar ist, wenn wir genug an uns arbeiten. Das glaube ich so nicht. Viele Ursachen des Liebesschmerzes sind kollektiv.

Welche kollektiven Ursachen meinen Sie?

Illouz: Unsere Kultur hat angefangen, es als Zeichen von Abhängigkeit zu sehen, wenn wir uns leidenschaftlich verlieben. Leidenschaft erscheint uns suspekt, uncool, ein bisschen hysterisch. Trotzdem tut die Liebe heute weh - und zwar weil sich die gesellschaftlichen Bedingungen der Partnerwahl verändert haben. Wir sind mit einer ungeheuren Auswahl möglicher Partner konfrontiert, und wir versuchen, so viel sexuelle und emotionale Erfahrung wie möglich anzuhäufen.

© »Spiegel Online« (Eva Illouz im Interview mit Katrin Kruse) Das vollständige Interview finden Sie hier.

Pressestimmen

»Die verstehende Soziologie, auch wenn sie mit gletscherhafter Kühle die Phänomene beschreibt, ist niemals exterritorial. Doch wenn es gutgeht, bringt sie einen auf neue Gedanken. Das ist in Illouz' neuem Buch der Fall... Illouz' Buch ist ein Beispiel dafür, was die verstehende Soziologie leisten kann: den Anzug wenden, in dem wir durch die Welt laufen. Das Innere von außen sehen und das Privategesellschaftlich. So dass wir vielleicht die spröde Gnade erfahren, unser Schicksal auch als ein soziales und historisches zu sehen.«

Elke Schmitter, Spiegel 44/2011

»Im Ineinander vom Konsumismus, Psychologisierung und Rationalisierung wurden die kulturellen Ressourcen aufgebraucht. Illouz erhellt die nicht bloß individuellen Gründe dafür. Die neuen Modelle der Liebe aber, auf die sie hofft, etwa die ›Modelle emotionaler Männlichkeit‹, werden einzelne erproben müssen. Wenn ihre Analyse zutrifft — und sie klingt sehr überzeugend — dann muss das moderne Ich seine eigene Matrix überschreiben, um eine neue Balance zwischen Autonomie und Anerkennung zu finden. Ein sehr romantischen Buch.«

Jens Bisky, Süddeutsche Zeitung

»Warum Liebe weh tut ist spannend wie ein Krimi, mit dem Unterschied, dass der Leser Seite für Seite darüber aufgeklärt wird, warum er selbst, im wirklichen Leben, Täter, Opfer oder beides zugleich ist.«

Tobias Haberl, Süddeutsche Zeitung Magazin Nr.40

»Mit der Präzision einer Chirurgin seziert die renommierte Soziologin unser Herzeleid und zeigt, wie stark die jeweilige Zeit es beeinflusst. Definitiv kein Wohlfühlbuch, dafür eine gelungene Beschreibung unserer Gefühlslage, gepaart mit einer Gesellschaftsanalyse.«

Focus 50/2011

»Die gängige ›Venus-und-Mars-Theorie‹ wiederum bausche Unterschiede zwischen den Geschlechtern unzulässig auf und erkläre sie ohne jeden Beweis für ›natürlich‹. Die Soziologin hält mehr davon, das Leiden beider Geschlechter an der Liebe zu lindern, indem seine gesellschaftlichen Grundlagen verständlich werden. Es dürfe kein Tabu sein, den neoliberalen Freiheitskult zu diskutieren, der nicht allein in der Wirtschaft herrsche, sondern auch im ›persönlichen, emotionalen und sexuellen Bereich‹.«

Adelheid Müller-Lissner, Der Tagesspiegel

»Warum Liebe weh tut schlägt viele Schneisen durch das Dickicht moderner Liebe und gibt überzeugende Erklärungen für die Verunsicherung und Orientierungslosigkeit der hochreflektierten und autonomen Individuen spätmoderner Prägung. … bei Eva Illouz [entpuppt] sich das Liebesdrama unter dem scharfsinnigen Blick der Soziologen als Muster und Mechanismus sozialer Strukturen. Das ist natürlich eine Kränkung, aber im Vergleich mit dem ambivalenten und verwirrenden Krängungspotential spätmodernen Liebeskummers, ist es eine aufschlussreiche und erkenntnisreiche Kränkung. Und sie ist sogar preiswerter als eine Psychoanalyse.«

Cordula Bachmann, Jungle World

»Wie schon in ihrem letzten Buch Die Errettung der modernen Seele stellt Illouz die Psychologisierung und die damit verbundene Essentialisierung des Selbst ins Zentrum ihrer furiosen Analyse. Die damit einhergehende manische Selbstbesessenheit verbaut nicht nur den Weg zu einem gemeinsamen Erleben von Liebe und Welt, sondern macht zugleich das moderne Subjekt für sein Scheitern verantwortlich. Doch diese Selbstbezichtigung verdeckt auf perfide Weise die sozialen und kulturellen Grundlagen des modernen Liebesleides. Dass Männer mit diesen Grundlagen besser zurechtzukommen scheinen als Frauen, gehört zu den eindrücklichsten Pointen dieses meisterhaften Buches.«

Ariadne von Schirach, Deutschlandradio Kultur

»Illouz behält die marxistisch-feministische Perspektive bei. Sie kritisiert die Postmoderne und die damit einhergehende Individualisierung. Und sie legt den Finger in die Wunde, wenn sie in Beziehungsdingen ein neu erwachsenes Patriarchat entlarvt, dessen Macht darauf gründet, dass Frauen sich binden wollen, während Männer mit der Zahl ihrer Intimpartnerinnen prahlen. ...Eva Illouz beschreibt die gesellschaftlichen Umstände, die unser Liebesleben aus ihrer Sicht determinieren. Eine Bewertung spart die Soziologin dabei konsequent aus; ihre Haltung vermittelt sie mit dem spezifischen wissenschaftlichen Blick auf das Thema.«

Jan Georg Plavec, Stuttgarter Zeitung

»Warum Liebe weh tut ist ein hervorragendes Buch über die Grenzen der Autonomie und das Verlangen nach Liebe.«

Jenny Friedrich-Freska, NZZ am Sonntag, Bücher am Sonntag Nr. 10

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