»Weizsäckers berühmtes Postulat, die »Einführung des Subjekts in die Medizin«, übersetzt sich methodisch in die von ihm sogenannte Gegenseitigkeit im Umgang, heute am ehesten »teilnehmende Beobachtung« genannt. Das ist weit mehr als ein ethisches Postulat zum guten ärztlichen Umgang mit Patienten, es ist, orientiert an der nach-klassischen Physik wie an der Psychoanalyse, eine Aufforderung, auch in der Erforschung der psycho-somatischen Zusammenhänge den Beitrag des Untersuchers systematisch zu berücksichtigen. Weizsäckers Werk verdient es, heute mit neuem, keineswegs nur historischem Interesse gelesen zu werden. ... Die für den Band titelgebende »Kinderfrage des Warum« kann also durchaus ein aktueller Wegweiser sein für Entdeckungen in Weizsäckers Werk, aber auch für Erkundungen in einem breiteren Feld menschlicher Krankheit, das anthropologisch aufgespannt ist und nicht nur genetisch oder neurowissenschaftlich.«
Peter Henningsen, Süddeutsche Zeitung
»Mit der Gedankenwelt dieses Arztes ist die Hermeneutik in die sogenannte Schulmedizin eingezogen: jene Kunst des Deutens, die voraussetzt, dass es Subjekte sind, die beide mit der Krankheit umgehen, ein Patient und ein Arzt. Die Bedeutung der Krankheit im biografischen, im sozialen Zusammenhang steht im Zentrum der anthropologischen Medizin, die der Arzt Weizsäcker, in Auseinandersetzung mit Sigmund Freud und in Abgrenzung zu ihm, seit den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts begründete. Das Lesebuch zu seinem menschenmedizinischen Denken ist nicht nur in der Sache besonders lesenswert. Weizsäckers Arbeit wird auch durch ein Vorwort der Mediziner Klaus Dörner und Wilhelm Rimpau auf die Krise des heutigen Gesundheitssystems bezogen. Zudem werden die Texte Viktor von Weizsäckers durch Rimpau, einem der Herausgeber der Werkausgabe, kundig eingeleitet und biografisch kommentiert, so dass jeder Laie dieses Lesebuch verstehen kann. Wer sich fragt, welches Menschenbild die Medizin heute leitet und künftig leiten sollte, wird durch dieses Buch klüger.«
Elisabeth von Thadden, Die Zeit
»In unseren Zeiten, da der Ökonomismus das Gesundheitswesen dominiert und Fragen der Rentabilität im Vordergrund stehen, sind Anstöße zu einer grundsätzliche Reflexion über Kranksein und Gesundsein wichtiger denn je. In diesem Sinne ist das vorliegende Lesebuch hoch aktuell. Bei aller Zeitgebundenheit der Ausdrucksweise haben wir es bei diesem Lesebuch mit einer Schrift zu tun, die man Patienten, Ärzten und Gesundheitspolitikern nur wärmstens ans Herz legen kann.«
Gesine Hindemith, Frankfurter Allgemeine Zeitung
»In der heutigen Zeit der großen technischen Erungenschaften in der Medizin ist das Entscheidende an diesem Buch, dass ein Arzt zu Worte kommt, der nicht nur gestörte körperliche Vorgänge diagnostiziert, sondern die Patienten bwusst auch als Menschen wahrnimmt. Die Medizin verliert dadurch den einseitigen Charakter einer naturwissenschaftlich orientierten Reparaturwerkstatt und erhält einzigartige menschliche Qualitäten.«
Johannes Bircher, Deutsches Ärzteblatt
»Wilhelm Rimpau hat zusammen mit Klaus Dörner eine engagierte Einführung geschrieben. Ihm ist das Kunststück gelungen, aus Weizsäckers Schriften eine Auswahl zu treffen, die in ein Taschenbuch passt und gleichwohl einen ausgezeichneten Zugang zu fast allen Aspekten dieses umfangreichen und vieldimensionalen Werkes eröffnet.«
Johannes Picht, Psyche 5/2011