Herbert Achternbusch
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Erschienen: 25.03.1985
Gebunden, 104 Seiten
ISBN: 978-3-518-03212-1

Inhalt

Erzähl was von früher. Wie habt ihr Licht gemacht? Erzähl mir, wie die Schweden gekommen sind. Erzähl mir was vom Flachs. Herbert, der noch ein Schulbub ist, doch groß genug und mit eigenem Kopf, will wissen, wie es war mit der »Heimat«, die auch er im Blut hat; wie das war mit seiner Familie. Und die Großmutter erzählt, vom Leben, das sie auf den Knien verbracht hat, wie auch ihre Mutter auf Knien gelebt hat; sie erzählt von Arbeit, Armut, Alleinsein; von Rull, den sie sich in den Kopf gesetzt hatte und der das Geld vertan hat, bis keines mehr da war. Und vor lauter Kindern nichts gesehen von der Welt. Sie verlangt nach der Wetterkerze, die in der Schublade beim Puddingpulver liegt, wenn es blitzt und donnert. Sie hört den Erdschmied klopfen, der immer dann klopft, wenn einer in der Verwandtschaft sich anschickt zu sterben. Aber hört sie ihn auch klopfen, während sie den letzten Brief an die Tochter Luise schreibt, sich dann hinlegt, um nicht mehr aufzustehen; auf einmal hinausgetragen wird - weg. Weg von der Bildfläche eines Lebens, das viel zu wünschen übrigließ? Eine Geschichte von Jugend und Alter, ein Stück in 10 Szenen - einzubeziehen in die autobiographischem Bücher Herbert Achternbuschs. Volkstümlich, wie es eben in Breitenbach zugeht, und auch Literatur. Wer läse nicht mit Staunen den Versuch des jungen Herbert, für das schöne Haar seiner Freundin einen Vergleich zu finden? »Das Verglichene muß etwas sein, was mich von meiner Mutter trennt, was mich nicht mehr an sie erinnern läßt, was mich meine Mutter vergessen läßt, wenigstens einen Augenblick lang, wenigstens den Augenblick lang, da ich es sage. Denn in dem Moment darf ich nicht lügen. Und eine Lüge wäre ja wie eine Schere, mit der ich ihr das Haar abschneide. Dann sähe sie aus wie eine Ratte. Und mit einem Rattenkopf könnte ich Gabi nicht lieben, ...

Inhalt

Erzähl was von früher. Wie habt ihr Licht gemacht? Erzähl mir, wie die Schweden gekommen sind. Erzähl mir was vom Flachs. Herbert, der noch ein Schulbub ist, doch groß genug und mit eigenem Kopf, will wissen, wie es war mit der »Heimat«, die auch er im Blut hat; wie das war mit seiner Familie. Und die Großmutter erzählt, vom Leben, das sie auf den Knien verbracht hat, wie auch ihre Mutter auf Knien gelebt hat; sie erzählt von Arbeit, Armut, Alleinsein; von Rull, den sie sich in den Kopf gesetzt hatte und der das Geld vertan hat, bis keines mehr da war. Und vor lauter Kindern nichts gesehen von der Welt. Sie verlangt nach der Wetterkerze, die in der Schublade beim Puddingpulver liegt, wenn es blitzt und donnert. Sie hört den Erdschmied klopfen, der immer dann klopft, wenn einer in der Verwandtschaft sich anschickt zu sterben. Aber hört sie ihn auch klopfen, während sie den letzten Brief an die Tochter Luise schreibt, sich dann hinlegt, um nicht mehr aufzustehen; auf einmal hinausgetragen wird - weg. Weg von der Bildfläche eines Lebens, das viel zu wünschen übrigließ? Eine Geschichte von Jugend und Alter, ein Stück in 10 Szenen - einzubeziehen in die autobiographischem Bücher Herbert Achternbuschs. Volkstümlich, wie es eben in Breitenbach zugeht, und auch Literatur. Wer läse nicht mit Staunen den Versuch des jungen Herbert, für das schöne Haar seiner Freundin einen Vergleich zu finden? »Das Verglichene muß etwas sein, was mich von meiner Mutter trennt, was mich nicht mehr an sie erinnern läßt, was mich meine Mutter vergessen läßt, wenigstens einen Augenblick lang, wenigstens den Augenblick lang, da ich es sage. Denn in dem Moment darf ich nicht lügen. Und eine Lüge wäre ja wie eine Schere, mit der ich ihr das Haar abschneide. Dann sähe sie aus wie eine Ratte. Und mit einem Rattenkopf könnte ich Gabi nicht lieben, denn meine Liebe kreist vorerst um ihr Haar. Deine Haare sind schön wie mein Unabhängigkeitsdrang. Deine Haare sind schön wie mein Liebesbedürfnis. Deine Haare sind schön wie mein Freiheitsdurst.« -Dies aus der Szene mit dem Titel »Kuß«, ein Zitat aus einer so schönen Liebesgeschichte, daß erst gar nicht der Versuch gemacht werden soll, einen Vergleich zu finden.

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