Jennifer Clement: Gebete für die Vermissten

Ladydi wächst in den mexikanischen Bergen auf, inmitten von Mais- und Mohnfeldern, in einem Dorf ohne Männer, denn die sind auf der Suche nach Arbeit über die Grenze oder längst tot. Es ist eine karge und harte Welt, in der ein Mädchenleben wenig zählt. Eine Welt, in der verzweifelte Mütter ihre Töchter als Jungen verkleiden oder sie in Erdlöchern verstecken, sobald am Horizont die schwarzen Geländewagen der Drogenhändler auftauchen. Aber Ladydi träumt von einer richtigen Zukunft, sie träumt von Freundschaft und Liebe und Wohlstand. Ein Job als Hausmädchen in Acapulco verspricht die Rettung, doch dann verwickelt ihr Cousin sie in einen Drogendeal. Und plötzlich hält sie ein Paket Heroin in den Händen, und ein gnadenloser Überlebenskampf beginnt.

Gebete für die Vermissten beschwört die unverbrüchliche Kraft der Hoffnung in einer schrecklichen Welt. In mutigen, schockierenden und bewegenden Bildern erzählt Jennifer Clement das Leben einer außergewöhnlichen jungen Heldin.

 

Warum ich Gebete für die Vermissten geschrieben habe

»In Mexiko werden Frauen auf offener Straße entführt oder mit vorgehaltener Waffe aus ihren Häusern verschleppt. Sie kehren von der Arbeit, von einer Party oder einem Spaziergang nicht zurück. Diese Frauen sind jung, arm und hübsch.

Über zehn Jahre lang habe ich mit Mexikanerinnen gesprochen, die von der Gewalt unmittelbar betroffen sind, denn ich wollte über die Rolle der Frau in der Narco-Kultur schreiben. Ich habe mit den Frauen, Freundinnen und Töchtern von Drogenhändlern Interviews geführt, und mir war sofort klar:
Mexiko ist eigentlich ein Kaninchenbau voller versteckter Frauen.« Jennifer Clement
weiterlesen »

 

Zur Situation in Mexiko

  • Regierungsorganisationen schätzen die Zahl der Entführungen im Jahr 2012 auf 105.682.
  • Es gibt 31 % mehr Entführungsfälle als im Jahr zuvor.
  • 2013 wurden nur 1.446 Entführungen zur Anzeige gebracht.
  • Auf Entführung folgt: Zwangsarbeit, Sexhandel, Pornografie.
  • Die Dunkelzifferrate liegt bei 99 %.
  • 70.000 Menschen kostete der Krieg gegen die Drogen das Leben.

 

Pressestimmen zu Gebete für die Vermissten

»Clement destilliert das Gehörte und Erfahrene in eine schlanke, wie hingetuschte Erzählung von hoher poetischer Kraft.«

Paul Ingendaay, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Es ist dieser ungewöhnliche, klare, pure Blick auf die Welt, der Gebete für die Vermissten besonders macht.«

Meike Dinklage, Brigitte 21/2014

» ... trocken, geradeheraus, aber von Lebendigkeit, Wärme und Witz durchleuchtet, wie man sie in solcher Finsternis nicht suchen würde.«

Angela Schader, Neue Zürcher Zeitung

»Eine mitreißende, zutiefst berührende Hymne auf die weibliche Widerstandskraft ihrer weiblichen Hauptfiguren, auf Mitgefühl, Loyalität und Freundschaft.«

The New York Times

»Ein herzzerreißender Roman, messerscharf beobachtet.«

The Guardian

»Clement hat das beste Buch geschrieben, das ich 2014 gelesen habe. Von mir hätte sie den Nobelpreis bekommen.«

Susanne Baller, stern.de Oktober 2014
»Bei den meisten Büchern ist entweder die Geschichte toll oder die Sprache – selten, dass beides überragend ist. Das hier ist so ein Buch.«
Kristian Thees, SWR3

»Jennifer Clements Roman scheint selbst ein Akt des Widerstands zu sein, in einem Land, in dem sich weder Justiz noch Polizei noch Politik um das Problem der entführten Frauen kümmern.«

Jutta Schwengsbier, WDR 5

»Ein Roman, der mit plastischer, zuweilen aber auch poetischer Sprachwucht in den inneren Krieg eingreift, der Mexiko momentan zu zerreißen droht.«

SPIEGEL ONLINE Dezember 2014

Ihre Meinung zu Jennifer Clements Roman

(14)   1, 2
»Sehr bewegt haben mich die Gebete für die Vermissten; ich lese sehr viel über den Drogenkrieg in Mexiko und den USA, aber an das heiße Eisen, das Jennifer Clement mit ihrem herausragenden Roman anpackt, haben sich noch nicht viele Autoren getraut. Ein ganz großes Buch!«
Katrin Schweinbeck, 10.09.2014
»Ein grandioser Roman, der in einer ungewöhnlich poetischen Sprache unglaublich brutale Zwischenfälle schildert.«
Milena, 05.09.2014
»Ich habe mit großer Begeisterung Clements Gebete für die Vermissten gelesen. Dieses Buch hat einen Nachklang der wohl immer anhalten wird, beeindruckend die Freundschaft unter den Mädchen, der Zusammenhalt der Familien. Und eine schlaflose Nacht, damit man weiß wie das Schicksal von Ladydi weitergeht. Eines der beeindruckendensten Bücher der letzten Jahre.«
Martina Tielker, Castroper LeseLust, 04.09.2014
»Clement gibt in ihrem Roman ›Gebete für die Vermissten‹ verstörende Einblicke in die mexikanische Welt. Spannend, brutal und unglaublich ... Ein besonderes Buch.«
Caroline Sänftl, Buchhandlung Anton Pfeiler, 04.09.2014
  1, 2
 
Aus dem amerikanischen Englisch von Nicolai von Schweder-Schreiner

D: 8,99 €
A: 9,30 €
CH: 13,50 sFr

Erschienen: 07.12.2015
suhrkamp taschenbuch 4640
Broschur, 228 Seiten
ISBN: 978-3-518-46640-7
Auch als eBook erhältlich

Weiterführende Links

 

Jennifer Clement

Jennifer Clement, 1960 in Connecticut geboren, wuchs in Mexiko-Stadt auf, studierte in New York und Paris Literatur- wissenschaft und hat Lyrik und zwei Romane veröffentlicht. Für Gebete für die Vermissten recherchierte Jennifer Clement über zehn Jahre lang in der mexikanischen Provinz und führte Hunderte Interviews mit vom Drogenkrieg betroffenen Mädchen und Frauen.

Jennifer Clement liest aus Gebete für die Vermissten