europa flieht nach europa von Miroslava Svolikova bei den Autorentheatertagen 2018

21.11.2017

Miroslava Svolikovas neues Stück, europa flieht nach europa, wurde ausgewählt aus 143 eingesandten Theaterstücken und wird als eine von drei Inszenierungen bei den Autorentheatertagen 2018 am Deutschen Theater Berlin gezeigt werden. Das Burgtheater Wien wird die Uraufführungsinszenierung produzieren.

Die Jury, bestehend aus dem Theaterkritiker Bernd Noack, der Schauspielerin Bettina Stucky und dem Schriftsteller Saša Stanišić begründeten ihre Auswahl wie folgt: »europa flieht nach europa von Miroslava Svolikova ist ein akuter wie auch ein zeitloser Text europäischer Selbstvergewisserung und Selbstentfremdung. Was träumt ein Kontinent? Anfangs von sich selbst als erfüllte Utopie, von Gerechtigkeit also und Gleichheit und Frieden – „dieser kontinent wird nicht in blut getränkt!“, lautet Europas Motto, und ihr vor den Füßen liegt schon das erste Opfer. Was folgt, ist nicht minder blutig – die Kolonisierung der restlichen Welt, ihre Christianisierung, Kreuzzüge und Klassenkämpfe, das Auftauchen und das Untergehen von Nationen und immer wieder Krieg. Die junge Autorin entwirft die Chronologie dieser unserer Kontinentalgeschichte als Farce, als einen lügenhaften Karneval, in dem die beste Maske der Stärkste trägt. Europa ist ein Kontinent der Ambivalenz, die Gegenwart macht Yoga, die Wissenschaft erschafft erst die Bombe, die das Leben vernichtet, dann das Leben selbst. Utopie verdient nicht jedermann gleichermaßen: „ich kann nicht alle an mich nehmen", sagt Europa und zeigt uns ihre Zitzen.
europa flieht nach europa ist sprachlich atem- und kompromisslos, Exzess- und Gewaltbilder wirken lange nach, zahlreiche klug gesetzte, komische Aperçus, bis hin zum Kalauer, intensivieren den textlichen Tanz zusätzlich. Auf dem Parkett reichen Europas Kinder – wir – ihrer Mutter die Hände. Im Freudentanz, im Totentanz.«

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