Gisela von Wysocki erhält den Heinrich-Mann-Preis 2017

09.01.2017

Der Heinrich-Mann-Preis der Akademie der Künste geht in diesem Jahr an die Berliner Essayistin, Roman-, Hörspiel- und Theaterautorin und Kritikerin Gisela von Wysocki. Diese Wahl trafen die Juroren Friedrich Dieckmann, Matthias Weichelt und Gunnar Decker, der Preisträger des letzten Jahres.

Aus der Begründung der Jury:
»Gisela von Wysocki ist seit vielen Jahrzehnten eine der wichtigen Stimmen auf dem Gebiet des Essays und der kulturkritischen Publizistik. Mit einer Sprachkunst, die stets von dem Konkreten, dem sinnlich Erfahrbaren ausgeht, unternahm und unternimmt sie Erkundungen, die mit Vorliebe ›die komplizierte kulturelle Verfassung der Weiblichkeit‹ (v. Wysocki in Weiblichkeit und Modernität) ins Blickfeld rücken. … In zwei neueren Büchern ist es der Autorin gelungen, den poetisch durchleuchteten Lebensmoment zum Element einer Großform zu machen, in der das Romanhafte und Autobiographische ineinanderschwingen. Wir machen Musik und Wiesengrund heißen diese Bücher, die das Leben der Sinne wie des Geistes … aufleuchten lassen.«

Gisela von Wysocki wurde in Berlin geboren, wo sie auch heute lebt. Sie studierte Musikwissenschaft in Berlin und Wien sowie Philosophie bei Theodor W. Adorno. Sie promovierte über den österreichischen Dichter Peter Altenberg und begann zunächst als Essayistin, die sich vorwiegend mit Außenseiterinnen der literarischen Moderne befasste. Ihre Essaysammlung Die Fröste der Freiheit (1981) u.a. über Marieluise Fleißer, Sylvia Plath, Unica Zürn und Leni Riefenstahl, wurde zu einem Kultbuch der 1980er Jahre. In den zahlreichen Essays, Theaterstücken, Hörspielen, Literaturkritiken und zuletzt den beiden Romanen zeigt sich der außergewöhnliche Formenreichtum ihres Schreibens.

Buchveröffentlichungen u.a.: Die Fröste der Freiheit (1981), Weiblichkeit und Modernität. Über Virginia Woolf (1982), Auf Schwarzmärkten. Prosagedichte und Fotografien (1983), Fremde Bühnen. Mitteilungen über das menschliche Gesicht (1995), Wir machen Musik. Geschichte einer Suggestion (2010), Wiesengrund. Roman (2016)

Die Preisträger der letzten Jahre waren Gunnar Decker (2016), Adam Zagajewski (2015), Robert Schindel (2014) und Robert Menasse (2013).

Der mit 8.000 Euro dotierte Preis für Essayistik wird am 28. März im Akademie-Gebäude am Pariser Platz verliehen.