Nelly-Sachs-Preis für Marie NDiaye

08.09.2015

Marie NDiaye wird mit dem Nelly-Sachs-Preis 2015 ausgezeichnet. Der Preis wird seit 1961 von der Stadt Dortmund verliehen und soll Persönlichkeiten ehren, die überragende schöpferische Leistungen auf dem Gebiet des literarischen und geistigen Lebens hervorbringen, die insbesondere eine Verbesserung der kulturellen Beziehungen zwischen den Völkern zum Ziel haben.

In der Begründung der Jury heißt es: »Im Werk von Marie NDiaye ist Identität eine unsichere Sache. Das liegt an den familiären Urkonflikten, die sie in all ihren Büchern thematisiert – und ihrem Bewusstsein für die sozialen, politischen und moralischen Dimensionen der Probleme unserer Zeit. Die Männer und vor allem Frauen, von denen die französische Autorin in Romanen wie Rosie Carpe, Drei starke Frauen oder Ladivine so kraftvoll wie sinnlich-expressiv erzählt, sind sich selbst fremd geworden. Oft ist der Grund dafür eine tiefe Schuld, die sie in sich tragen, weil sie sich von ihren Eltern oder ihren Kinder abgewandt haben. Die Zugehörigkeit zu einem Land oder einer Kultur spielt neben der zur Familie eine Nebenrolle. Denn Marie NDiaye überschreitet mit der Intensität ihrer Literatur mühelos alles, was sich unter Schlagworten wie Multikulturalität oder Integration scheinbar leicht fassen lässt.
Bei NDiaye wird der Rassismus zu einer Metapher für den Egoismus, die Verrohung, die Machtgier oder die Verachtung, die überall auf der Welt regieren. Dabei bewahrt ihre von Mythen und Märchen gesättigte Literatur stets ein Geheimnis, weil sie schärfsten Realismus mit Übersinnlichem, Psychologie mit Rationalität mischt. Marie NDiaye lädt in ihren Büchern zum Nachdenken über andere Lebensweisen, Ansichten und Kulturen ein, gerade weil sie nicht um Verständnis und Toleranz wirbt, sondern aufzeigt, wie elend eine Zivilisation ohne diese Eigenschaften ist.«

Die Preisverleihung findet am Sonntag, dem 13. Dezember 2015, in Dortmund statt. Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert.


 

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