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10.01.2018

Pat To Yan


Mit Eine kurze Chronik des künftigen China hat Pat To Yan einen politischen Blade Runner für das Theater geschrieben.

DER AUSSENSTEHENDE:
Nicht unser Körper beweist, dass wir am Leben sind.
Sondern unsere Erinnerung.


Pat To Yan wurde 1975 in Hongkong geboren und arbeitet als Dramatiker, Regisseur und Lehrer. Er studierte Englische Literatur und Soziologie in Hongkong und Szenisches Schreiben in London. Sein Stück A Concise History of Futur China war 2016 in der englischen Originalfassung – als bislang erster Theatertext aus China – zum Berliner Stückemarkt eingeladen. Zusammen mit vier weiteren AutorInnen wird Pat To Yan an »Welt/Bühne« teilnehmen, einer Plattform für internationale Dramatik im Marstall. Die in der Schreibwerkstatt entstehenden Stücke werden Ende Juni/ Anfang Juli 2018 im Rahmen eines Festivals am Münchner Residenztheater zu sehen sein.

DER WÜTENDE MANN:
Für mich ist die Sprache bereits tot,
Hoffnung für immer vergangen.
Wie willst du Rache üben,
wenn dein Land der Feind ist?


Der Autor und Übersetzter John Birke hat das Stück jetzt ins Deutsche übersetzt. In Eine kurze Chronik des künftigen China zeichnet Pat To Yan ein dystopisches Bild: Im Norden des Landes herrscht Krieg, alle flüchten nach Süden. So auch »Der Mann, der Schmerz mitansieht« und »Das unheimliche Mädchen«, die ein gemeinsames Kind erwarten. Nur einer, »Der Außenstehende«, macht sich auf in die Hauptstadt im Norden, um einen Auftrag und eine Sehnsucht zu erfüllen. Pat To Yan nimmt uns mit in beide Richtungen, in beide Erzählungen, die in einem universellen China spielen, in dem sich die Zeit-, Realitäts- und Traumebenen subtil überblenden.
Allen Figuren ist die Fähigkeit zur Metamorphose gemeinsam, zur wendigen Neuausrichtung und Wesensanpassung. Eine Überlebensvoraussetzung in einem unberechenbaren und todbringenden System.

DER MANN, DER OHNE HERZSCHLAG EXISTIERT:
Stellen wir uns mal vor:
Die Welt ist untergegangen – nur noch ein einziges Lebewesen ist übrig auf diesem armen Planeten.
Was wird das sein?
Ein Mensch?
Nein.


»Das Stück widersetzt sich einer linearen narrativen Dramaturgie und arbeitet in sehr verdichtet poetischen Verflechtungen die grausamen Phantasmen einer gegenwärtigen Gesellschaft der Ungleichzeitigkeiten heraus, die zu jedem Rückfall in die Barbarei bereit ist – ob es nun um staatlich organisierten Organraub geht oder um gedungene Mörder. Ein Stück, in dem die Möglichkeit des Verwechselns von Realität und Traum so naheliegend scheint, dass uns ihre Mächtigkeit schaudern macht. Was, wenn sich diese Albträume längst vernetzt haben und gegen unsere Zukünfte antreten?« (Kathrin Röggla, Jurorin des Berliner Stückemarkt 2016)

DIE WEISSE KNOCHENFRAU:
Hast du je daran gezweifelt, dass du du bist?
Wenn ja, dann kannst du nicht mehr in derselben Realität leben wie jetzt.
Du solltest aus dieser Realität erwachen und dich aufmachen in die nächste.
Sonst setzt du vielleicht dein Leben aufs Spiel.


Eine kurze Chronik des künftigen China ist der erste Teil der Trilogie Posthuman Journey, an der der Autor aktuell arbeitet. Pat To Yan ist eine politische wie poetische Stimme, die in Deutschland und Europa gehört werden muss.

Das Stück ist frei zur deutschsprachigen Erstaufführung

Ein Portrait von Eva Behrendt über Pat To Yan finden Sie hier: Mittendrin auf einem Außenposten

Einen Bericht über Hongkong, in dem Pat To Yan schreibt, was Widerstand heute für ihn bedeutet, finden Sie hier: Widerstand und seine Schatten

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