Uraufführung: Thomas Köck paradies hungern

29.10.2015

Thomas Köcks zweiter Teil seiner Klimatrilogie erlebte am 24. Oktober mit dem Auftragswerk paradies hungern, in der Regie von Fanny Brunner, am Hessischen Landestheater Marburg seine Uraufführung.

Das Stück zeigt drei Figuren – Ben, Maggie und Caro -, alle drei verbunden durch ihren Hunger nach Kommunikation, Gemeinschaft, Zwischenmenschlichkeit, nach dem Unmittelbaren und Echten. Ben, dessen Einsamkeit letztlich das Misstrauen seines Wohnungsnachbarn erregt, bis dieser schließlich die Polizei auf ihn hetzt. Maggie, die sich von der Peripherie in die Mitte der Stadt vorgearbeitet hat, aber weiter Angst hat, wieder an deren Rand gedrängt zu werden. Und schließlich Caro, die als Kriegsreporterin in einem Luxushotel in der Wüste fest sitzt, und auf der Suche ist nach dem einen Bild, der einen Story.
Die unterschiedlichen Schauplätze spiegeln das Gefühl der Vereinzelung dieser Figuren wieder angesichts der Erfahrung des Verlusts gesellschaftlicher Utopien. Wir begegnen Menschen, deren traumatisierende Erfahrungen Bilderfluten in ihren Köpfen festsetzten, deren Gewalt mit Sprache nur schwer beizukommen ist.

»Fanny Brunner hat diesen Text auf eindrucksvolle Weise versinnlicht, … Sie hat viele Bilder gefunden …, Bilder von Annäherung und von Aggression, von Verzweiflung, Witz und auch von Zartheit.« (Oberhessische Presse, 26.10.2015)

»In einer Zeit, in der immer mehr Bilder immer schneller verarbeitet werden müssen, treffen Thomas Köcks Überlegungen ins Schwarze. … die Regisseurin stellt den Text genauso kondensiert auf die Bühne, wie Köck ihn konstruiert hat. Sätze schichten sich ineinander, wie Blitzlichter schießen sie aus den Mündern der Schauspieler raus, die zu Textmaschinen werden.« (Die Deutsche Bühne, 27.10.2015)

Thomas Köcks Klimatrilogie wird in der kommenden Spielzeit am Nationaltheater Mannheim fortgesetzt.