Zum Tod von Zygmunt Bauman

10.01.2017

Der Soziologe und Philosoph Zygmunt Bauman ist am 9. Januar 2017 im Alter von 91 Jahren in Leeds gestorben.

Mit seinen Werken galt Bauman nicht nur als Wegbereiter der Postmoderne, sondern vor allem auch als starke moralische Stimme, die für die Armen und Enteigneten der globalisierten Welt eintrat und so immer wieder Einfluss auf gesellschaftspolitische Debatten hatte. In Werken wie Flüchtige Moderne analysierte er eine Welt, die durch ihren konstanten Wandel die Menschen, die in ihr leben, ihrer Wurzeln und Bezugsrahmen beraubt.

Bauman, am 19. November 1925 im polnischen Poznań geboren, floh 1939 mit seiner Familie in die Sowjetunion. Nach dem Krieg kehrte er zunächst als Soldat der roten Armee und später als Geheimdienstoffizier nach Polen zurück. Später begann er ein Studium der Philosophie und Soziologie in Warschau, wo er 1956 promovierte und sich 1960 habilitierte. Ab 1964 übernahm Bauman die Leitung des soziologischen Seminars der Universität Warschau, bis er die Universität 1968 aufgrund antisemitischer Hetzkampagnen verlassen musste und nach Israel emigrierte. Dem Ruf der Universität von Leeds folgend, emigrierte Bauman schließlich 1971 nach England und lehrte dort bis zu seiner Emeritierung 1991. Zudem war er Gastprofessor in Berkeley, Yale, Canberra, St. John's und Kopenhagen. 2010 wurde an der Universität von Leeds das Bauman Institute gegründet.

Als einer der bedeutendsten Soziologen der Gegenwart wurde Bauman u.a. mit dem Theodor-W.-Adorno-Preis und dem Prinz-von-Asturien Preis ausgezeichnet. 2014 erhielt er von der Deutschen Gesellschaft für Soziologie den Preis für ein »hervorragendes wissenschaftliches Lebenswerk«, die Laudatio hielt Ulrich Beck.

Zuletzt erschien im Suhrkamp Verlag Die Angst vor den anderen - Ein Essay über Migration und Panikmache.