Heinz Helle
Eigentlich müssten wir tanzen

Heinz Helle
© Jürgen Bauer

NEU

5 Herren, (nach Möglichkeit eine Frau, ein Kind)

UA: Schauspiel Leipzig
18.01.2018
Regie: Daniel Förster

Synopse

Fünf junge Männer verbringen ein Wochenende auf einer Berghütte. Sie kennen sich lange, sie kennen sich gut. Sie bauen eine Schneebar, trinken, eingeschworen wie früher, nur älter. Als sie ins Tal zurückkehren, sind die Ortschaften verwüstet. Die Menschen sind tot oder geflohen, die Häuser und Geschäfte geplündert, die Autos ausgebrannt. Sie durchwandern die winterliche Apokalypse: ein zerstörtes Museum des Kapitalismus, kalt und seltsam wehrhaft. Sie versenken ihre Mobiltelefone im See, verschlingen getautes Tiefkühlbaguette und vergewaltigen eine Frau. Zunächst überleben sie. Nachts bleiben sie wach oder tanzen, um nicht zu erfrieren. Nach und nach kommen sie zu Tode. Auf ihrer gemeinsamen Suche nach einem Grund, am Leben zu bleiben.

Heinz Helle hat aus dem Stoff seines zweiten Romans im Auftrag des Schauspiels Leipzig einen Theatertext geschrieben. Er findet dafür eine theatereigene Erzählform, die geschickt das theatrale Potenzial nutzt, das in der Gleichzeitigkeit von Vergangenheit und Gegenwart liegt: Die toten Figuren verschwinden nicht, sondern mischen sich unter die lebenden Freunde. Sie sind für die Erinnerungen zuständig, für die alte, rückblickend heile Welt, die noch Lebenden für die neue, postapokalyptische Gegenwart. Ihre Perspektiven verzahnen sich ineinander und bespiegeln die Frage, was eine gewachsene Freundschaft bedeuten kann, wenn unsere Zivilisation als explosiver Müllberg auf uns zurückfällt.

In Helles klarer, poetisch präziser Sprache, nehmen uns die Figuren mit hinein in Bilder, die wir wieder vergessen wollen, aber nicht mehr vergessen können. Sie nehmen uns den Atem, weil sie uns so nah an uns selbst rücken. An uns als Ohnmächtige in einer zum Stillstand gekommenen Welt.

Das Stück kann ab Ende November 2017 bestellt werden.

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