Akin Emanuel Sipal
Ein Haus in der Nähe einer Airbase

Akin Emanuel Sipal
© Max Zerrahn

NEU

2 Damen, 2 Herren

UA: Theater Bremen
02.02.2018
Regie: Frankt Abt

Synopse

Eine Kleinfamilie mit türkischen Wurzeln gibt ihre Existenz in Deutschland auf und begibt sich an die Peripherie der ihr bekannten Welt. Gerüstet mit einer Geschäftsidee des Vaters, zieht sie kurz entschlossen ins eigene Ferienhaus nach Adana, einer Großstadt im Südosten der Türkei, unweit der syrischen Grenze. »Adana ist eine Einöde der Vernunft wie Texas. In meiner Welt wird Deutsch gesprochen!« Die jugendliche Tochter ist entsetzt. Der Vater ist von der Türkei als »Land der Zukunft« überzeugt: In einem geliehenen Auto ohne Klimaanlage fährt er in Pionierlaune durch die sonnenverbrannte Landschaft, um Abnehmer für seine Solaranlagen zu finden. Die Mutter scheitert mit ihrem Versuch, eine psychotherapeutische Praxis in der Gated Community zu eröffnen: Die alte Elite des Landes will Tee trinken, ohne dabei beraten zu werden.

Stattdessen sitzt plötzlich John auf dem Sofa im Wohnzimmer, ein GI mit Helm, unbewegt und blutverklebt. »I like your Jellyneck«, die jugendliche Tochter ist begeistert. Mit John bekommt der kriegsnahe Zustand des Landes einen fassbaren Protagonisten. Akın Emanuel Şipal nutzt diese Figur geschickt, um die Familie in verschiedenen Begegnungen in eine Auseinandersetzung mit ihren Bildern, Erwartungen und Haltungen gegenüber der aktuellen Türkei zu bringen. Er tut das in einem gekonnt leichtfüßigen, ironisch-spielerischen Dialogton, dessen Inhalte hart nachhallen.

Akın Emanuel Şipal kennt Adana und Umgebung aus eigener Erfahrung und Beobachtung gut. In seinem neuen Stück nimmt er die geschichtsträchtige Region des »Fruchtbaren Halbmondes« unter die Lupe, in der sich vergangene Zeiten und explosive Gegenwart, Religiöses und Politisches, alte und neue Akteure überlagern. Ein Haus in der Nähe einer Airbase ist eine innere Zustandsbeschreibung der Türkei nach dem Putschversuch.

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