Pat To Yan
Eine kurze Chronik des künftigen China

Pat To Yan
© Max Zerrahn

NEU

Originaltitel: A Concise History of Future China

Mind. 6 DarstellerInnen

Deutsche EA: Frei zur deutschsprachigen Erstaufführung

Synopse

Im Norden des Landes herrscht Krieg, alle flüchten in Zügen nach Süden. So auch »Der Mann, der Schmerz mitansieht« und »Das unheimliche Mädchen«, die ein gemeinsames Kind erwarten. Nur einer, »Der Außenstehende«, macht sich auf in die Hauptstadt im Norden, um einen Auftrag und eine Sehnsucht zu erfüllen.

Pat To Yan nimmt uns mit in beide Richtungen, in beide Erzählungen, die in einem universellen China spielen, in dem sich die Zeit-, Realitäts- und Traumebenen subtil überblenden. »Der Außenstehende« begegnet auf seinem Roadtrip durchs wüster werdende Land Angeklagten, Parteivorsitzenden, Geistern, Robotern, Untoten wie »Antigone« oder Wesen wie der »Katze mit einem Loch«, bei denen unser Entscheidungsimpuls zwischen beseelt und künstlich, Mensch und Tier ins Leere greift.

Für alle, die in der Chronik des künftigen China unterwegs sind, wird die Fähigkeit zur Metamorphose, zur wendigen Neuausrichtung und Wesensanpassung, eine Überlebensvoraussetzung. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie in einem unberechenbaren und todbringenden System, das in die Menschen ausgelagert wurde, um fortzuexistieren, nach Momenten der Selbstvergewisserung suchen.
Am Ende des Stücks werden sich die Hauptprotagonisten, den nord- bzw. südwärts gerichteten Destinationen zum Trotz, für einen Moment im Nationaltheater begegnen, auch wenn die Timelines ihrer Existenz getrennt bleiben.

Eine kurze Chronik des künftigen China wurde – als bislang erster Theatertext aus China überhaupt – für den Berliner Stückemarkt 2016 ausgewählt. Kathrin Röggla, eine der Jurorinnen, sagt über das Stück:
»Das Stück widersetzt sich einer linearen narrativen Dramaturgie und arbeitet in sehr verdichtet poetischen Verflechtungen die grausamen Phantasmen einer gegenwärtigen Gesellschaft der Ungleichzeitigkeiten heraus, die zu jedem Rückfall in die Barbarei bereit ist – ob es nun um staatlich organisierten Organraub geht oder um gedungene Mörder. Ein Stück, in dem die Möglichkeit des Verwechselns von Realität und Traum so naheliegend scheint, dass uns ihre Mächtigkeit schaudern macht. Was, wenn sich diese Albträume längst vernetzt haben und gegen unsere Zukünfte antreten?«

Pat To Yan schreibt, um gehört zu werden, auf Englisch. In der Übersetzung von John Birke wird sein Englisch zu einem Deutsch, das in seinem kurzatmigen Rhythmus das verunsicherte, roboterhafte Sprechen der Figuren zur Geltung bringt. Eine kurze Chronik des künftigen China ist der erste Teil der Trilogie Posthuman Journey, an der der Autor aktuell arbeitet. Pat To Yan ist eine politische wie poetische Stimme, die in Deutschland und Europa gehört werden muss.

Sie können das Stück im englischen Original ab sofort unter theater@suhrkamp.de bestellen. Die deutsche Übersetzung liegt ab Ende November 2017 vor.

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