Jüdischer Verlag  
»Wir haben uns dem Versuch verschrieben, das Lebendige im Judentum zu ergründen, statt einer antiquarischliteraturhistorischen eine phänomenologisch durchdringende, sachliche Betrachtung zu unternehmen.«
Gershom Scholem
 
 

Der Jüdische Verlag wurde 1902 in Berlin gegründet. Nach einer wechselvollen Geschichte – zunächst der kulturzionistischen Bewegung nahestehend, 1938 von den Nazis zerschlagen, 1958 in Berlin unter gänzlich anderen historischen Bedingungen neu begründet – gehört er seit Sommer 1990 zum Suhrkamp Verlag. Das erste Programm des Jüdischen Verlages im Suhrkamp Verlag erschien im Frühjahr 1992.


 

Der Berliner Jüdische Verlag setzte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Ziel, durch ›jüdische Inhalte‹ eine ›neue jüdische Selbst- verständlichkeit‹ zu schaffen. Bedeutende Standardwerke erschienen dort, wie das fünfbändige Jüdische Lexikon, eine noch heute gültige Enzyklopädie in deutscher Sprache, und die zwölfbändige Übersetzung des Babylonischen Talmuds von Lazarus Goldschmidt – wichtige Titel auch im Programm des heutigen Jüdischen Verlages. Er knüpft mit solchen Wiederauflagen zentraler Titel bewußt an die Tradition des früheren Verlages an; auch das damals von E. M. Lilien entworfene Verlagssignet wurde beibehalten.

 


 

Lizzie Doron, Ruhige Zeiten

Die Beschäftigung mit jüdischer Kultur bedeutet nach der Shoah gerade in Deutschland eine besondere Herausforderung. In dieser historischen Situation bildet der Jüdische Verlag ein Forum für Werke über das religiöse, politische und kulturelle Leben der Juden in Vergangenheit und Gegenwart. Neben den kulturgeschichtlichen und historischen Studien steht die Literatur: So erscheint im Jüdischen Verlag eine Ausgabe der Werke und Briefe Else Lasker-Schülers, und auch Übersetzungen der wichtigsten Werke des Begründers der modernen hebräischen Literatur, des Literaturnobelpreisträgers Samuel Josef Agnon, sind in den vergangenen Jahren hier publiziert worden.


 

Das Werk von Gershom Scholem wird seit 1992 vom Jüdischen Verlag betreut. Der 1897 in Berlin Geborene hat mit seinen Studien zur jüdischen Mystik ein neues Verständnis von Judentum und jüdischer Geschichte ermöglicht und zugleich mit seinen Essays und autobiographischen Schriften wie kaum ein anderer beigetragen zu einer bewußten und von Wissen bestimmten Auseinandersetzung mit Themen der jüdischen und der deutsch-jüdischen Geschichte. So hat es programmatische Bedeutung, daß das erste Programm des Jüdischen Verlages im Suhrkamp Verlag mit der ersten deutschen Ausgabe seines großen Werkes über Sabbatai Zwi eröffnet wurde.

Else Lasker-Schüler, Theben


 

Der Jüdische Verlag unternimmt - im Bewußtsein der von Deutschland in
diesem Jahrhundert ausgegangenen Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden - eine Arbeit des Eingedenkens. Dazu gehören Publikationen über die Zeit der Shoah, dazu gehört aber auch das Bewahren der »Hoffnung im Vergangenen« (Walter Benjamin) und damit der Bezug auf Gegenwart und Zukunft jüdischen Lebens.


 

»Wir haben uns dem Versuch verschrieben, das Lebendige im Judentum zu ergründen, statt einer antiquarisch-literaturhistorischen eine phänomenologisch durchdringende, sachliche Betrachtung zu unternehmen.« Gershom Scholem